Nach Volksabstimmung Startbahn-Aus für Münchner Flughafen

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Von Christoph Trost
Es ist eine Sensation: Die Münchner Bürger stoppen die dritte Startbahn am Flughafen, für die sich ein scheinbar übermächtiges Bündnis aus CSU, SPD und anderen eingesetzt hatte. Schwarz-Gelb macht aber nun einen als Hauptschuldigen aus: Münchens OB Christian Ude.

Es ist ein Paukenschlag für die bayerische Politik und ein schwarzer Tag für den Münchner Flughafen. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) fahren eine herbe Niederlage ein - die Grünen und die betroffenen Flughafen-Anwohner jubeln. In einem mit Spannung erwarteten Bürgerentscheid haben die Münchner am Sonntag die umstrittene dritte Startbahn am Flughafen gestoppt. Damit haben die Startbahn-Gegner geschafft, was den Stuttgart-21-Gegnern verwehrt blieb: Sie haben ein großes Verkehrsprojekt zum Scheitern gebracht.

In die Röhre schauen am Sonntagabend neben Flughafen-Chef Michael Kerkloh vor allem die zwei Hauptkontrahenten bei der Landtagswahl 2013: Seehofer und Ude. In ungewohnter Eintracht hatten die beiden unmittelbar vor dem Bürgerentscheid für das Projekt geworben. «Die Münchnerinnen und Münchner haben es in der Hand zu bekennen: Zukunft statt Blockade», warnte Seehofer in einem gemeinsamen Appell mit Ude. Und Ude mahnte die Wähler: «Es geht um die Zukunft unserer Stadt.»

Grüne jubeln, CSU und FDP suchen Schuldige

Nichts genützt haben den Startbahn-Befürwortern letztlich auch die fast täglichen Pressekonferenzen in der Woche vor dem Entscheid. Sie boten in den vergangenen Tagen neben viel Geld alles auf, was Rang und Namen hatte: Finanzminister und Flughafen-Aufsichtsratschef Markus Söder (CSU), Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP), der Flughafen-Chef, der Hauptgeschäftsführer der bayerischen Wirtschaft, die Spitzen von Münchner CSU und SPD, die bayersche FDP - vergeblich.

Gesiegt haben die Grünen und ihre Unterstützer etwa von den Freien Wählern - die weit weniger Mittel zur Verfügung hatten. «Das Geld schießt keine Tore», sagt Grünen-Landeschefin Theresa Schopper. Die Wachstumsprognosen des Flughafens seien deutlich überhöht, hatten sie immer und immer wieder betont - und damit Gehör und Glauben bei den Münchnern gefunden. Jedenfalls trieben sie mehr Wähler an die Urnen.

Und während die Startbahn-Gegner ihr Glück am Sonntagabend kaum fassen können, ist der Katzenjammer bei der großen Schar der Befürworter groß. Und noch vor Abschluss der Auszählung erklären CSU und FDP Ude zum Hauptschuldigen des gemeinsamen Scheiterns: den Mann, der im Herbst 2013 gegen sie antritt.

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Vielleicht doch ein Problem weniger ...

«Das ist eine klare Niederlage für Ude, denn er hat keine Mehrheit in München zusammengebracht», ätzt Söder. FDP-Fraktionschef Thomas Hacker schimpft, der SPD-Mann könne weder mit klarer Linie vorangehen noch Mehrheiten organisieren. «Am besten nimmt Ude nach dieser Niederlage gleich seinen Hut als designierter Spitzenkandidat.»

Derlei Schuldzuweisungen dürfte es in den kommenden Tagen nun zuhauf geben - zu nahe ist man gedanklich schon dem Wahltermin im Herbst 2013. Das Bündnis aus CSU, SPD und FDP, das sich in Sachen Startbahn zusammengefunden hatte, ist umgehend wieder zerbrochen.

Nur in einer Hinsicht dürfte Ude vielleicht nicht ganz unglücklich über den Ausgang des Bürgerentscheids sein: Im Landtagswahlkampf hat er das Thema dritte Startbahn vom Hals - und das Projekt fällt als Hürde für die Wunsch-Koalition mit Grünen und Freien Wählern aus.

zij/news.de/dpa

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