Weltall-Spektakel Venus - Schönheitsfleck auf der Sonne

Fleck auf der Sonne
Mit Venus um die Erde
Ein winziger schwarzer Fleck auf der Sonne: Nein, keine Fliege, sondern die Venus! Hier zu sehen auf einem Bild der Nasa. (Foto) Zur Fotostrecke

Sechs Stunden lang hatte die Sonne einen Schönheitsfleck. Es war Venus, die zwischen Erde und Sonne entlang glitt. Ein Jahrhundertphänomen, dem die ganze Welt zuschaute. In Deutschland allerdings war das schwierig.

Als kleines schwarzes Pünktchen schiebt sich die Venus über die Sonne. Das seltene kosmische Spektakel, das in den USA schon am Dienstagabend begann, lockte in der Nacht Astronomen und unzählige Fans des Naturschauspiels vor die Tür. Und es war ihre einzige Chance: Der nächste sogenannte Venus-Transit wird sich erst 2117 ereignen.

In Deutschland war das Jahrhundertspektakel von 4.40 Uhr bis 6.55 Uhr zu sehen. Theoretisch. «Der größte Teil hat leider Pech gehabt. Dazu ist die Front mit den Wolkengebieten doch zu schnell reingekommen», sagte Meteorologe Torsten Walter vom Deutschen Wetterdienst. Nur 20 Prozent konnten hierzulande einen Blick auf die Venus in der Sonne ergattern, vor allem im Osten Deutschlands. Die Sternenbegeisterten im Westen sind umsonst aufgestanden.

«Darüber reden wir den Rest unseres Lebens»

Die Amerikaner sahen das Sonnenspektakel schon am Dienstagabend. In Los Angeles strömten Planetenfreunde zum Griffith-Observatorium, wo Teleskope mit speziellen Filtern aufgestellt waren. «Das ist etwas, worüber wir den Rest unseres Lebens reden», sagte Jamie Jetton, die mit ihren zwei Neffen aus Arizona gekommen war.

Auf der anderen Seite des Pazifiks waren die Menschen in Australien, Neuseeland und Ostasien dann am frühen Morgen die ersten, die ihre Gesichter mit den Schutzbrillen gen Himmel hielten. In der philippinischen Hauptstadt Manila verzogen sich Dunstschwaden kurz nach Sonnenaufgang und machten einen klaren Blick auf die Sonne frei.

In Hongkong hatten sich tausende Menschen freigenommen, um Venus vor der Sonne zu beobachten. «Chinesen sind immer schon an solchen Himmelsphänomenen besonders interessiert gewesen», sagte Chau Hoi Fung, Astrophysiker an der Universität von Hongkong. «Wir haben sehr detaillierte Aufzeichnungen. Die chinesischen Kaiser glaubten früher, dass ihre Herrschaft von den Sternen vorbestimmt ist.»

In Melbourne hatten sich Regenwolken kurz vor Sonnenaufgang aufgelöst. Australien galt als besonders guter Beobachtungsstandort, dort konnte man die Venuspassage bei klarem Himmel vollständig sehen. Sie dauert mehr als sechs Stunden. In Deutschland waren nach Sonnenaufgang nur noch die letzten eineinhalb Stunden des Spektakels zu beobachten.

James Cook berechnete so 1769 den Abstand Erde-Sonne

Der Transit ist wie eine Mini-Sonnenfinsternis. Die Venus schiebt sich als kleines dunkles Scheibchen vor die leuchtende Sonne. Der dunkle Fleck ist jedoch leicht zu übersehen. Denn die Kontur der Venus erscheint nur rund ein Promille so groß wie die Sonnenscheibe.

Der britische Seefahrer James Cook hatte das Phänomen 1769 genutzt, um den Abstand der Erde zur Sonne zu berechnen. Heute nutzen die Astronomen für ihre Untersuchungen Atomuhren, GPS-Geräte und hochauflösende Teleskope. Bei dem Ereignis am Mittwoch handelt es sich um den siebten sichtbaren Venus-Transit, seit der deutsche Astronom Johannes Kepler das Phänomen im 17. Jahrhundert zum ersten Mal voraussagte.

iwi/news.de/dpa

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