Vatileaks Benedikt und der Intrigantenstadl

Entgleisungen
Die schlimmsten Sprüche der Kirchenväter

Jan GrundmannVon news.de-Redakteur
Intrigen auf einem halben Quadratkilometer: Der Skandal um Geheimdokumente, Korruption und Verräter erschüttert den kleinsten Staat der Welt. Soll Papst Benedikt ermordet werden? Oder steckt er selbst hinter dem Verrat? Eine Affäre, die aus einem Dan-Brown-Roman zu stammen scheint.

Niemand kennt die Wahrheit, alles ist pure Spekulation. Doch die Affäre um veröffentlichte Geheimdokumente, die den Vatikanstaat seit Monaten erschüttert, spitzt sich immer weiter zu. Die Geschichten um Verrat und Komplott hinter den massiven Mauern im römischen Vatikanstaat, lesen sich wie ein Roman von Dan Brown – nur sind sie diesmal real. Ein Überblick, was bisher geschah:

Mordkomplott gegen den Papst

Im Februar zitierte die italienische Tageszeitung Il Fatto Quotidiano aus einem geheimen Vatikan-Dokument, das ihr von einem unbekannten Whistleblower zugespielt worden war. Danach soll Papst Benedikt XVI. innerhalb eines Jahres einem Mordkomplott zum Opfer fallen, hieß es. Seither ist von einem Machtkampf an der Spitze der römischen Kurie die Rede.

Korruption und dunkle Geschäfte im Vatikanstaat

Weitere interne Dokumente drehten sich um Erzbischof Carlo Maria Viganò. Die Nummer zwei in der Vatikan-Verwaltung kämpfte gegen Korruption und Misswirtschaft. Unter seiner Führung wandelte sich das Haushaltsminus des Vatikans in ein sattes Plus. Doch einigen Stellen im Kirchenstaat ist sein Vorgehen ein Dorn im Auge. Viganò wird als Nuntius in die USA versetzt - eine ehrenvolle, aber bedeutungslose Position.

Nachdem Il Giornale anonyme Artikel veröffentlichte, die Viganòs Management als ineffizient kritisierten, berichtete der TV-Sender La 7 im März über Briefe, die Viganò an Benedikt geschickt haben soll. Er beschwert sich bei ihm, dass einflussreiche Stellen seinen Anti-Korruptionskurs nicht mittragen und bittet Benedikt, ihn nicht in die USA abzuschieben – vergeblich.

Auch das Finanzgebaren des Vatikans wurde durch interne Dokumente offen gelegt. Die Vatikanbank stand bereits vor zwei Jahren im Fokus der Ermittler, weil sie gegen Anti-Geldwäsche-Gesetze verstoßen haben soll. Auch wenn die Ermittlungen wegen möglicher dunkler Geschäfte eingestellt wurden, auch wenn Papst Benedikt die Geldwäsche-Bestimmungen verschärfte und sich dafür einen Banker seines Vetrauens holte: Am 25. Mai dieses Jahres zog der Vatikan die Reißleine. Der Chef der Vatikanbank, Ettore Gotti Tedeschi, musste seinen Hut nehmen. Der Aufsichtsrat sprach ihm kein Vertrauen aus. Alles eine Folge der «Vatileaks»?

Festnahme des Papstdieners

Paolo Gabriele war persönlicher Diener des Papstes – er stand Benedikt XVI. seit Jahren so nah wie sonst kaum ein anderer im Vatikan. Die Gendarmerie des Kirchenstaates hatte seine Wohnung durchsucht – und eine gewaltige Menge an Dokumenten gefunden, die sich – laut Medien – nicht hätten in seinem Besitz befinden dürfen. Hat Paolo Gabriele die Dokumente an Journalisten weitergegeben? 

Bisher hat Gabriele noch nichts zu den Vorwürfen gesagt, aber angekündigt, in der Sache auszupacken. Er sitzt im vatikanischen Gefängnis. Doch was trieb ihn an? Der 46-Jährige galt als zuverlässig, einfach, gläubig. Hatte er Hintermänner? Handelte er in fremden Auftrag? Wollte Benedikt gar, dass die Dokumente veröffentlicht werden?

Weitere Veröffentlichungen und Whistleblower

Anfang Juni ging der Skandal in die nächste Runde, diesmal über die Zeitung La Repubblica. Sie berichtete von anonymen Einsendungen, die den Skandal noch weiter ausdehnen könnten. Ein Whistleblower schickte einige Dokumente mit, deren Inhalt er schwärzte – und schrieb dazu, dass er noch Hunderte geheime Schreiben habe, die publiziert werden könnten.

In einem Begleitbrief äußerte der Einsender seine klaren Vorstellungen von den Hintermännern. Er denunzierte Georg Gänswein, den deutschen Sekretär des Papstes, und den Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone. Sie seien die treibende Kraft hinter den Indiskretionen.

Wer steckt wirklich dahinter?

Die tatsächlichen Hintermänner und ihre Motive sind derzeit noch unbekannt. Ob die Öffentlichkeit jemals genaue Kenntnisse über die «Vatileaks»-Vorgänge bekommt, bleibt fraglich. «Im Zwergstaat Vatikan wohnen kaum 1000 Menschen, da kennt fast jeder jeden, doch die Mauern lassen wenig durch», sagt Pater Eberhard von Gemmingen in einem Interview mit der dpa. Der Jesuit leitete bis 2009 die deutschsprachige Redaktion von Radio Vatikan.

«Sollten wirklich hohe Würdenträger im Vatikan involviert sein, so dürfte das kaum je nach außen dringen», sagt der Jesuit. «Eher schon dürfte die Öffentlichkeit etwas erfahren, wenn die - vermuteten - Auftraggeber außerhalb sitzen. Dann wäre für die strafrechtliche Verfolgung die italienische Justiz zuständig.» Ein Ende wie im Dan-Brown-Roman, in dem alle Fragen beantwortet werden, darf also bezweifelt werden.

wam/news.de/dpa

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • hpklimbim
  • Kommentar 4
  • 06.06.2012 09:25

Um den Glauben im Sinne von "Mensch sein, Mensch bleiben" geht es hier doch zuallerletzt!

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  • Klaus-Peter Ott
  • Kommentar 3
  • 05.06.2012 20:08
Antwort auf Kommentar 1

Ich bin da ganz bei Ihnen, kann jedoch leider Ihrer Aufforderung nach Austritt nicht nachkommen. Bin bereits vor 45 Jahren ausgetreten und habe es bis heute keine Sekunde bereut

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  • Klaus-Peter Ott
  • Kommentar 2
  • 05.06.2012 20:04

Glaube? Wer denkt bei diesen Figuren denn noch an Glaube? Dieses bigotte Gesindel hat doch seit Jahrhunderten jeglichen Anspruch auf Respekt und Achtung eigenhändig verspielt. Ein Wunder ist in diesem Zusammenhang lediglich, dass es noch immer Millionen Menschn gibt , die auf den faulen Zauber dieser abartigen Glaubensbrüder hereinfallen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich dieses lebensfeindliche Mikrogebilde an seiner inneren Verkommenheit derart verschluckt, das es sich in absehbarer Zeit von selbst verdaut. Und Bravo für Vatileaks! Ihr seid gut Jungs!!!!!!

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