Hells Angels So kriminell sind die Rockerclubs

Hells Angels und Bandidos
Kriminelle Rockerclubs in Deutschland

Jan GrundmannVon news.de-Redakteur
Rockerclubs stehen für Freiheit, Motorräder, Männerfreundschaft. Und für Zwangsprostitution, Gewalt und Drogenhandel. Nach der Riesen-Razzia gegen die Hells Angels wurde nun ein Bandidos-Rocker in Bottrop erschossen Wie gefährlich sind die Motorradrocker wirklich?

Sie verkünden Freiheit auf zwei Rädern, haben ihre eigenen Regeln. Sie schätzen die Gemeinschaft, treffen sich zu Ausflügen, spenden für karikative Zwecke. Auch Frank Hanebuth trägt eine Lederweste, die ihn als Hells Angel ausweist. Er ist Chef der Hannoveraner Dependence der Höllenengel, und er wird als der mächtigste Rocker Deutschlands beschrieben.

Doch in der vergangenen Woche wurde Hanebuth zum Ziel einer der größten Aktionen gegen das organisierte Verbrechen, die es in Deutschland je gab. 1200 Beamte durchsuchten Dutzende Grundstücke und Etablissements der Hells Angels im Norden der Republik. Elitepolizisten seilten sich aus einem Hubschrauber direkt in Hanebuths Garten ab, erschossen den Hund, weitere Polizisten brachen das Tor auf, beschädigten die Terrasse seines schönen Fachwerkhauses und suchten nach belastenden Dokumenten. Seither ist Hanebuth aufgebracht.

«Stinksauer» sei er, sagte er der Bild, er habe sich zudem nichts vorzuwerfen. «Die Reparaturen an meinem aufgebrochenen Tor und an der Terrasse kosten mit Sicherheit 20.000 bis 30.000 Euro», beschwerte sich Hanebuth. Zwar wurde der Chefrocker schon mal zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Körperverletzung verurteilt, doch seit 13 Jahren lebe er straffrei und aus dem Rotlichtmilieu habe er sich zurückgezogen, ergänzte sein Anwalt Götz von Fromberg, enger Freund von Ex-Kanzler Gerhard Schröder.

Lange machte der Staat nichts gegen die Rocker

War also die Riesen-Razzia der Polizei in der vergangenen Woche übertrieben? Alles reiner Aktionismus gegen Motorradfreunde, die nebenher noch legale Nachtclubs betreiben, um sich zu finanzieren?

Wohl kaum. Doch das Durchgreifen des Staates gegen die Rocker ist neu. Erst, seitdem Auseinandersetzungen zwischen den Höllenengeln und rivalisierenden Bandidos mit Maschinenpistolen auf offener Straße ausgetragen wurden, erst, seitdem der offene Rockerkrieg Tote und Verletzte forderte, geht der Staat gegen die Rockerclubs vor. Mehrere lokale Chapter, wie die lokalen Gruppen der Hells Angels heißen, wurden seither im Bundesgebiet verboten. Ein bundesweites Verbot der Rocker wurde seit 2010 immer mal wieder diskutiert, letztlich ohne Konsequenz.

Nach der Razzia der vergangenen Woche haben die Behörden nun auch eine heiße Spur zu einem seit zwei Jahren vermissten Mann aus dem Drogenhändlermilieu. Die Polizei vermutet ihn im Betonfundament einer Lagerhalle bei Kiel, die den Hells Angels gehört.

Zudem wurde ein Mitglied der Rockerbande Bandidos in Bottrop auf offener Straße erschossen. Der 49-Jährige wurde am Dienstagmorgen am Straßenrand neben seinem Motorrad gefunden, erklärte die Staatsanwaltschaft Essen. Das Opfer wies Schussverletzungen auf und starb trotz notärztlicher Behandlung noch am Fundort.

Polizei: Besser deutsche Rocker als albanische Kriminelle

Doch lange hat der Staat in Bezug auf die Rocker still gehalten – etwa im Hannoveraner Rotlichtbezirk Steintorviertel. «Wenn jemand das Milieu kontrolliert, dann lieber eine deutsche Rockergruppe als Gruppen aus Albanien oder dem Libanon, bei denen man keinen Überblick hat», sagt der Ex-Polizist Stefan Schubert über die Polizeistrategie gegenüber den Hell Angels, die den Rotlichtbezirk kontrollieren. «Offenbar war es von der Polizeiführung in Hannover so gewollt, sonst wären die Rocker nicht über Jahre hinweg in Ruhe gelassen worden.»

Was die Rockerclubs abgesehen vom Motorradfahren so machen? «In erster Linie geht es inzwischen ums Geldverdienen im Rotlichtmilieu und in der Türsteher-Szene», sagt Schubert. Inzwischen gebe es bundesweit 1000 sogenannte Vollmitglieder und noch einmal 2000 bis 3000 Männer, die im Umfeld aktiv seien.

«Die Polizei hat lange gebraucht, um zu erkennen, was da gewachsen ist», sagt Schubert. Die Ermittlungen seien schwierig, denn ein Kodex verbietet den Rockern, einander zu verraten, erklärte Schubert. «Man arbeitet weder als Täter noch als Opfer mit der Polizei zusammen.» Er betont jedoch, nicht jeder Rockerclub sei kriminell und viele schätzten durchaus den Geist der Freiheit, Freundschaft und des Motorradfahrens.

BKA warnt vor Gefährlichkeit der Rocker

So scheint der Einsatz des Staates gegen die Rocker überfällig. Das Bundeskriminalamt warnte etwa bereits im Jahr 2010, dass die Rockerclubs immer gefährlicher werden. In fast jedem zehnten Ermittlungsverfahren zur Organisierten Kriminalität geht es um Rocker. Weitaus seltener sind dagegen Ermittlungsverfahren gegen Mitglieder der so gefürchteten türkischen oder italienische Mafia-Gruppierungen. Bei den Rockern geht es meist um Mord, Schutzgelderpressung, Rauschgift- und Waffenhandel sowie Menschenhandel.

Mehr als die Hälfte aller Ermitlungen gegen Rocker richteten sich gegen Hells-Angels-Mitglieder. Ihnen folgen in der unrühmlichen Liste Ermittlungen gegen die Bandidos, Gremium und Outlaws. Auch arbeiten die Rocker laut BKA verstärkt mit Rechten zusammen. Auf lokaler Ebene stellen dann Höllenengel und Co. die Türsteher für rechte Konzerte. Weiterhin sollen laut Medienberichten die mittlerweile verbotenen Kieler Höllenengel Waffen an Rechtsradikalen verkauft haben.

Doch auch durch Razzien wird sich vermutlich nichts an der deutschen Unterwelt ändern. Ex-Polizist Schubert sagt: «Wenn eine Gruppe aus dem Rotlichtmilieu festgenommen wird, ändert sich gar nichts. Es wird deshalb keine Prostituierte weniger anschaffen gehen», so der Ex-Polizist über die pragmatische Einstellung der Gesetzeshüter.

iwi/news.de/dpa

Leserkommentare (7) Jetzt Artikel kommentieren
  • einzelgänger
  • Kommentar 7
  • 01.06.2012 08:45

deutsche starke männer finde ich gut, vielleicht könnte man erläutern, daß die freiheit nicht durch kriminalität gelebt werden kann. die sind doch eigentlich erfahren genug, vernünftig und mit bedacht über die macht der gemeinschaft frieden zu halten. es gibt doch überall in unserer gesellschaft schwarze schafe.

Kommentar melden
  • hagal
  • Kommentar 6
  • 31.05.2012 22:45
Antwort auf Kommentar 5

Kann denn Wahrheit eine Sünde sein?

Kommentar melden
  • deutscher gehts nicht
  • Kommentar 5
  • 31.05.2012 18:41

ist das etwa nicht rassistisch? also ganz ehrlich ...ich habe mehr angst das ich vor die u-bahn geworfen werde oder wenn mich ein ausländischer mitbürger als deutsche schlampe beschimpft ...schaut doch mal YX ungelöst da würde noch kein rocker gesucht meist typen mit SÜDLÄNDISCHEN AUSSEHN !!!!!! ICH KENNE ROCKER !! DIE GEHN ARBEITEN !!!!!!!!!!!

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige