Vor der Scheidung Verflixtes Trennungsjahr

Trennungsjahr (Foto)
Geht die Ehe in die Brüche, kommt vor der Scheidung zuerst das Trennungsjahr. Bild: dpa

Geht die Ehe in die Brüche, kommt vor der Scheidung zuerst das Trennungsjahr. Das gibt dem zerrütteten Paar 365 Tage Zeit, um zu überprüfen, ob es wirklich auseinander gehen muss. Ist das der Fall, fängt der Ärger erst richtig an. Das gilt es zu berücksichtigen.

«In guten wie in schlechten Tagen. Bis dass der Tod uns scheidet», schwören sich Ehepaare vor dem Standesamt oder Traualtar. Bei fast jeder zweiten Ehe in Deutschland bleibt es aber nur bei Lippenbekenntnissen - die Partnerschaft ist gescheitert.

Vor einer Scheidung müssen die Noch-Ehepartner jedoch ein Jahr getrennt sein. Es soll ihnen die Zeit geben, um es vielleicht doch noch zu probieren. Ist die Ehe nicht mehr zu kitten, braucht es schließlich Zeit, sich der neuen Lebenssituation anzupassen.

Wann beginnt das Trennungsjahr?

So folgt das Unvermeidliche: das offene Gespräch mit dem Partner. «Es muss klar sein, dass man sich trennen will, denn das ist der Moment, in dem das Trennungsjahr beginnt», erläutert Martin Wahlers, Fachanwalt für Familienrecht in Darmstadt. Dieser Zeitpunkt wird im Scheidungsantrag angegeben, der zum Ablauf des Trennungsjahres bei Gericht eingereicht wird.

Promi-Trennungen
Ich bin dann mal weg, Schatz

Dabei bedeutet der Entschluss die Trennung von Tisch und Bett. Meist wird dies schon durch den Auszug einer der Eheleute klar. Doch es gibt auch die «Trennung unter einem Dach», bei der beide zwar zusammenwohnen, jedoch weder füreinander kochen noch im gleichen Bett schlafen. Meist dauert dieses Arrangement aber nur solange, bis einer eine neue Wohnung gefunden hat. «Beide sollten sich darauf verständigen, wo sie wohnen, wie die Miete und Kosten wie Strom weiter gezahlt werden», sagt Eva Becker vom Deutschen Anwaltverein.

Auch der Unterhaltsanspruch bis zur Scheidung sollte rasch geklärt werden. «Meist muss derjenige zahlen, der wirtschaftlich stärker ist», sagt Rechtsanwalt Finn Zwißler, Familienrechtler in München. Derjenige, der das Geld braucht, muss seinen Anspruch auf Trennungsunterhalt geltend machen. Denn von allein geschieht nichts.

Der eine Partner zahlt, der andere kocht

Haben die Ex-Partner Kinder miteinander, gilt: Derjenige, bei dem die Kinder wohnen, leistet Naturalunterhalt durch Kochen und Waschen etwa. Der Unterhaltspflichtige zahlt Geld. Das gemeinsame Sorgerecht bleibt bestehen und kann nur durch Antrag bei Gericht verändert werden. Derjenige, der nicht mehr mit den Kindern zusammenwohnt, hat das Recht und auch die Pflicht, seine Kinder regelmäßig zu sehen.

Die Noch-Eheleute dividieren sich so in jedem Bereich auseinander. Das betrifft auch den Hausrat. Auch müssen sie besprechen, wie gemeinsame Verpflichtungen wie Zahlungen von Darlehen gehandhabt werden oder Besitz wie eine Immobilie. «Auch Versicherungen sollten überprüft werden», rät Becker. Ist einer bei dem anderen mitversichert, endet der Krankenversicherungsschutz mit dem Zeitpunkt, an dem ein Scheidungsbeschluss rechtskräftig wird. «Dann hat man noch drei Monate Zeit, zu wechseln.»

Klaren Strich machen, auch beim Konto

Beide Ehegatten sollten schon während des Trennungsjahres jeweils einen Kontenklärungsantrag bei den Rententrägern stellen. So erfahren sie, ob Nachweise für Zeiträume oder Tätigkeiten der Vergangenheit fehlen. Diese können nun eingeholt und die Unterlagen vervollständigt werden, statt damit erst im Versorgungsausgleichsverfahren loszulegen - so geht die Scheidung schneller über die Bühne.

«Es geht insgesamt darum, sich unabhängig von dem anderen zu machen», sagt Becker. Die Anwälte erleben allerdings durchaus, dass Ehepartner sich wiederfinden. Ein Versöhnungsversuch kann Wahlers zufolge bis zu drei Monate dauern, ohne dass das Trennungsjahr unterbrochen werde. Gehen beide dann doch auseinander, gilt nach wie vor der bisherige Zeitpunkt der Trennung. Wenn beide länger zusammenbleiben, bevor sie sich doch wieder trennen, beginnt alles wieder von vorn.

sca/rzf/news.de/dapd

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig