Protest gegen Sparkurs «Leichen» baumeln von Brücke in Rom

Leblose Körper in blauen Overalls baumeln von einer Brücke in Rom. Es sieht aus, als hätten sie sich gemeinsam aufgehängt, ihrem Leben ein Ende bereitet. Zum Glück ist es nur eine Protestaktion - doch viele Menschen töten sich wirklich.

Selbstmorde: Schauleichen baumeln in Rom
Video: news.de

Schauleichen haben in Italien eine grausige Tradition. Am 29. April 1945 hängten Partisanen die Leiche des verhassten Duce, Benito Mussolini, kopfüber in Mailand auf. Es war ihre Rache an dem grausamen Faschistenführer, der die Italiener als ein Volk von Schafen bezeichnet hatte.

Ihre toten Opfer als Trophäen an öffentlichen Orten aufzuhängen ist inzwischen eher die Handschrift der mexikanischen Mafia. Vor wenigen Tagen wurden neun Leichen an einer Autobahnbrücke aufgehängt gefunden.

Ein Selbstmord pro Tag in Italien

Kann man vor so einem Hintergrund Stoffpuppen von einer Brücke baumeln lassen, als wären es echte Leichen? Durchaus, finden italienische Protestler. Als Demonstration gegen das harte Sparprogramm der italienischen Regierung haben sie die Figuren in blauen Overalls an einer Tiberbrücke in Rom aufgehängt.

Schuldenkrise: Der Euro in Not

Statistisch gesehen bringt sich jeden Tag ein Italiener um, im Vergleich zur Zeit vor der Krise hat sich die Zahl der Selbstmorde verdoppelt. Die harten Einschnitte des Sparprogramms treffen vor allem kleine Unternehmen und Angestellte. Und für einige Menschen wird die Verzweiflung unerträglich. Eine Ingenieurin sprang im süditalienischen Cosenza vom Balkon, in Bologna zündete sich ein Arbeiter an und starb an den Verbrennungen, Ende April schoss sich ein Unternehmer auf Sardinien eine Kugel ins Herz. Grund genug für eine drastische Aktion.

iwi/phs/news.de

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