Attentäter von Utøya Breivik entschuldigt sich

Er habe genauso gelitten wie die Angehörigen der Opfer, sagte Breivik vor Gericht. (Foto)
Er habe genauso gelitten wie die Angehörigen der Opfer, sagte Breivik vor Gericht. Bild: dapd

Anders Behring Breivik hat sich zu einer Entschuldigung hinreißen lassen - bei den seiner Ansicht nach «unschuldigen» Opfern. Das Gegenteil äußerte der Attentäter über die Jugendlichen von Utøya. Und Breivik betont: Er leide genauso wie die Angehörigen der Toten.

Eine Entschuldigung aus dem Mund des Massenmörders. Doch sie gilt nur denen, die in Anders Behring Breiviks krudem Weltbild «unschuldig» sind: «An alle diese möchte ich eine große Entschuldigung richten», sagte der geständige norwegische Attentäter vor Gericht in Oslo.

Das sind für ihn die Menschen, die er durch sein Attentat im Osloer Regierungsviertel versehentlich verletzte oder tötete: Passanten, die keine Verbindung zur Politik und den Ministerien gehabt hätten. Diese Personen seien nicht das eigentliche Ziel gewesen, sagte Breivik.

Journalisten hätten den Tod mehr verdient als Jugendliche

Ob er sich auch bei den Familien der anderen Opfer, wie den 69 in einem Jugendlager auf Utöya Getöteten entschuldigen wolle, fragte der Staatsanwalt. «Nein, tue ich nicht», sagte der 33-Jährige. «Utøya ist ein Lager zur politischen Indoktrination. Ich sehe alle multikulturellen politischen Aktivisten als Monster, als böse Monster, die sich wünschen, unser Volk auszumerzen, unsere ethnische Gruppe, unsere Kultur und unser Land.»

Anschläge in Norwegen
Massenmord auf der Ferieninsel

Dennoch räumte der Massenmörder erstmals Zweifel ein: «Viele Menschen in Norwegen hätten es mehr verdient, hingerichtet zu werden, als diese Jugendlichen», sagte der 33-Jährige. Dabei beziehe er sich beispielsweise auf Journalisten.

Als er auf der Insel ein Handy gefunden habe, habe er angefangen zu zweifeln und die Polizei angerufen um sich zu stellen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Breivik rund 40 seiner später 69 Opfer getötet. «Warum töteten Sie weiter?», fragte Staatsanwältin Inga Bejer Engh. Breivik sagte nur, er könne sich nicht daran erinnern, was er in diesem Moment gedacht habe.

Brevik verschont einen Mann, weil aussieht wie ein Rechter

Auf die Frage, warum er einen Mann während seines Amoklaufs verschont habe, antwortete Breivik, die Erscheinung des Mannes habe «rechtsgerichtet» auf ihn gewirkt. «Als ich ihn anschaute, sah ich mich selbst. Ich denke, das war der Grund, warum ich nicht auf ihn schoss.»

Zu Beginn der zweiten Prozesswoche sollte der Massenmörder Detailfragen zu seinem Massaker auf der Insel beantworten. An vieles erinnere er sich nicht mehr, sagte der 33-Jährige in Oslo, seine Tat bezeichnete er erneut als notwendig. Er hatte auf der Insel im vergangenen Sommer 69 Menschen getötet.

Breivik vergleicht das Leid der Angehörigen mit seinem eigenen

Das Leid, das er den Familien seiner Opfer zufügte, verglich Breivik mit seiner eigenen Situation. Auch er habe nach den Anschlägen vom 22. Juli den Kontakt zu Freunden und Familie verloren, sagte Breivik am Montag vor Gericht. «Der einzige Unterschied war, dass ich es mir so ausgesucht habe», erklärte er.

Während seiner Aussage wirkte Breivik wie bislang fast emotionslos. Als Staatsanwalt Holden eine Passage aus Breiviks rund 1500 Seiten starken Manifest vorlas, reagierte dieser sichtlich irritiert. Breivik hatte geschrieben, ein Tempelritter müsse seine Geschlechtsorgane abschneiden oder ein Kind töten, um in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Die Staatsanwaltschaft habe die Stelle aus dem Zusammenhang gerissen und wolle ihn mit ihren Fragen «ja nur lächerlich machen», kommentierte Breivik.

Eigentlich sollte dieser heute auch zu den zwei psychiatrischen Gutachten befragt werden. Es sei aber wahrscheinlich, dass dieses Thema auf den kommenden Mittwoch verschoben werden müsse, sagte Staatsanwalt Svein Holden.

iwi/zij/news.de/dpa/dapd

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