Juan Carlos & Spanien Der König schießt, das Volk lacht

Juan Carlos auf Elefantenjagd in Botswana. (Foto)
Der König jagt Elefanten, während sein Volk in der Arbeitslosigkeit versinkt. Eine Geliebte soll er auch dabeigehabt haben. Dieses Bild stammt aus dem Jahr 2006. Bild: dapd

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier, Sevilla
Ein Monarch, der in Afrika Elefanten schießt? Eine neue Regierung, deren Sparwut sogar den IWF beunruhigt? Es geht hoch her im wilden Südwesten Europas. Gut, dass die arbeitslose spanische Jugend trotzdem lacht.

Spaniens König tut es sehr leid. Er habe sich geirrt, es werde nicht wieder vorkommen, teilte Juan Carlos am Mittwoch seinen Untertanen mit, nachdem er mit neuer Hüfte aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Was es genau mit Irrtum zu tun hat, wenn man in Botswana Elefanten schießt und sich dabei die Hüfte bricht, während das eigene Volk immer tiefer in den Mist rutscht, erklärte der König nicht.

Aber dass sich der Monarch überhaupt entschuldigt, ist schon allerhand. Es läuft aber auch gerade blöd für Juan Carlos II., der in seiner Beliebtheit immer noch vom 23. Februar 1981 zehrt, dem Tag, an dem er einen Militärputsch und damit den Rückfall in die dunkle Diktatur verhinderte. Lang, lang ist's her.

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Die königliche Liste der Peinlichkeiten

Derzeit hält das Königshaus das Volk mit seinen Peinlichkeiten bei Laune. Im Dezember kam heraus, dass der eine Schwiegersohn und Mann von Cristina, Iñaki Urdangarin, vier Millionen Euro Stiftungsgelder veruntreute. Im Januar erschien ein Buch über die vom Ehebruch zerschlissene Ehe des Königs.

Am 9. April schoss sich dann sein Enkel Froilán in den Fuß. Froilán ist erst 13 und dürfte eigentlich noch gar keine Waffe in der Hand halten. Doch der andere Schwiegersohn, Jaime de Marichalar, der von Prinzessin Elena bereits geschieden ist, nahm es damit offenbar nicht so ernst.

«Habt ihr das bei Twitter gesehen? Den Frigo Pie gibt's jetzt in der ‹Froilán Edition›, mit Loch in der Mitte», erzählt Rosa wortreich und lacht sich kaputt. Der Frigo Pie ist ein Kulteis, ein rosafarbener Fuß. Rosa sitzt mit Freunden auf den Setas, einer postmodernen, 86 Millionen Euro schweren Konstruktion im Zentrum von Sevilla. Eine Woche darf sie noch arbeiten, dann ist sie ihre Stelle als Jugendbetreuerin los. Eine mehr in der Arbeitslosigkeit, die 23 Prozent der erwerbsfähigen Spanier erfasst hat. Pili, die neben Rosa sitzt, hat noch bis Juni Schonfrist. Dann macht ihr Unternehmen dicht. Als Bildschirmhintergrund ihres Computers hat sie ein Foto aus den Gassen von Sevilla: «Am revolutionärsten ist heutzutage, die Fröhlichkeit nicht zu verlieren», steht da an eine Wand gesprüht. «Hört ihr, das ist die Demo», sagt Pili. «Lasst uns mal gucken.»

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Die Revolutionsromantik zieht nicht mehr

Unterhalb der Setas sammelt sich trommelnd ein kleiner Haufen, die schwarz-roten Fahnen der anarchistischen Gewerkschaft CNT wehen. «Kein Geschäft mit der Gesundheit», steht auf dem Transparent. Aufsehen erregt der Reformplan der Regierung, immer größere Teile des staatlichen Gesundheitswesens zu privatisieren. Und der Eigenanteil für Medikamente soll für viele steigen. «Das geeinte Volk wird niemals besiegt werden!», skandieren ein paar Demonstranten. Der alte Slogan der chilenischen Sozialisten wird immer dann ausgepackt, wenn Revolutionsromantik beschwört werden soll. Also auch jetzt.

Rosa, Pili und ihre Freunde drehen kommentarlos ab. Dass die Bewegung der Indignados, der «Wütenden», am Ende nichts ändern würde, ist ihnen längst klar. Zu den Wahlen haben die Protestler es nicht geschafft, eine Partei an den Start zu bringen. Statt dessen wurden die Sozialisten von den Konservativen abgelöst. «Die pulverisieren jetzt alles, was von den Arbeitnehmerrechten noch übrig ist. Alles, was jahrzehntelang erkämpft wurde», sagt Pili.

Im Februar setzte die Regierung von Präsident Mariano Rajoy die Arbeitsreform durch, die den Betrieben Entlassungen erleichtert, durch deutlich geringere Abfindungen und Kurzarbeit. Auch Maria ist sich sicher, dass sie ihren Job als technische Zeichnerin bald los ist. Sie arbeitet schon in Kurzarbeit und macht nun nach Feierabend einen Kurs für das Zeichnen von Flugzeugmodellen, in der Hoffnung, bei Airbus in Sevilla eine Chance zu haben.

Auch Maria hat sich von den Indignados verabschiedet. «Es ist pure Revolutionsromantik. Es wird nur geredet. Ich finde, wenn man etwas verändern will, muss man ins System einsteigen», sagt sie.

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