85. Geburtstag Papst Benedikt feiert bayerisch

Auf diesem Foto war er 62 Jahre: der damalige Kardinal Joseph Ratzinger im Jahr 1989. (Foto)
Auf diesem Foto war er 62 Jahre: der damalige Kardinal Joseph Ratzinger im Jahr 1989. Bild: dapd

Ein Papst kann nicht mal eben in die Heimat reisen. So kommt ein bedeutender Teil der Heimat zu Benedikt XVI., um mit ihm seinen 85. Geburtstag zu feiern. Seit sieben Jahren ist der deutsche Papst im Amt - als umstrittener konservativer Hüter seiner Herde von einer Milliarde Katholiken.

Seit sieben Jahren bereits führt Papst Benedikt XVI. als konservativer Hüter auf dem Stuhl Petri seine Weltkirche. Auf den Spuren seines Vorgängers Johannes Paul II. verfolgt Joseph Ratzinger dabei vor allem das eine Ziel, die Herde der weit über eine Milliarde Katholiken zusammenzuhalten.

Er will sie gegen die Versuchungen einer «gottabgewandten» und konsumorientierten Welt wappnen. Und er ruft zur verstärkten Verbreitung des christlichen Glaubens auf. Krisen wie der Missbrauchsskandal prägten sein Pontifikat. Riesige Begeisterung, wie sie ihm in Lateinamerika und Afrika entgegenschlägt, die er aber auch beim Deutschland-Besuch 2011 erlebte, ist dagegen Balsam. Am Montag feiert er seinen 85. Geburtstag - mit viel deutschem Besuch.

Benedikt XVI.
Papst privat

Seehofer im Vatikan

Denn ein Papst kann nicht mal eben in die Heimat reisen, auch nicht zur Feier eines runden Geburtstags. So kommt ein bedeutender Teil der Heimat zu Benedikt XVI., um mit ihm seinen 85. Geburtstag zu feiern. Ein große bayerische Delegation wird im Vatikan erwartet: Mit dabei sind neben den bayerischen Bischöfen auch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) samt Kabinett, Vertreter des Bundes- und Landtags sowie der früheren Wohnorte Joseph Ratzingers, aber auch Gebirgsschützen und Trachtler.

Eigentlich legt Benedikt auf Geburtstagsfeiern keinen allzu großen Wert, in seinem durch und durch katholisch geprägten Elternhaus waren Namenstage wichtiger. So hat Benedikt seinem Privatsekretär Georg Gänswein auch aufgetragen, ihm großen Wirbel zu ersparen: «Der Heilige Vater hat gesagt: ‹Ich möchte zum 85. keine große Feier›», berichtete Gänswein kürzlich in München. Der 16. April soll dem Privatsekretär zufolge daher ein Arbeitstag sein, werde aber «stark bayerisch unterfüttert» sein.

Benedikt XVI.
Der Papst wird 85
Video: eia/news.de/dapd

Auf das Geschenk des Erzbistums München und Freising muss der Papst dagegen noch bis Sommer warten: einen bayerischen Abend. Mit Volksmusik, Jodeln und Schuhplatteln wollen Trachtengruppen das Kirchenoberhaupt Anfang August in der päpstlichen Sommerresidenz in Castel Gandolfo unterhalten.

Konservativer, brillanter Theologe

Konservativ, sperrig und für viele unzeitgemäß ist der Pontifex, der als Präfekt der Glaubenskongregation über zwei Jahrzehnte lang Kirchengeschichte geschrieben hat. Bahnbrechende Reformen erwartet wohl kaum noch jemand von ihm. Aber Benedikt setzt auch Akzente. So wie er es schon als junger Theologe beim Zweiten Vatikanischen Konzil getan hat, das in diesem Jahr ebenfalls «Geburtstag» feiert - am 11. Oktober vor 50 Jahren begann jenes Reformkonzil (bis 1965), das dann Akzente auf den Dialog setzte und eine Öffnung zu anderen Religionen brachte. Benedikt sieht sich sehr wohl in der Tradition des Konzils.

Als einer der wichtigsten Kirchenmänner der neueren Zeit geht der brillante Theologe sowieso in die Kirchengeschichte ein. Die Welle der aufgedeckten Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen war die schwerste, aber nicht die einzige Krise in seinem Pontifikat. So war Benedikts Zugehen auf die erzkonservativen Pius-Brüder mit dem Holocaust-Leugner Richard Williamson von vielen Gläubigen fassungslos aufgenommen worden. Das lange Tauziehen zwischen Pius-Brüdern und Vatikan um die richtige Doktrin ist immer noch nicht ausgestanden.

Ratzinger sitze einsam hinter Vatikanmauern, es mangele ihm an Beratern, meinen Kritiker. Dass er streng konservativ ist, hat damit wohl weniger zu tun. Wobei Interview-Bücher und seine Auftritte vor den Medien einen durchaus lockeren und aufgeschlossenen Pontifex zeigen. Vom Kirchenvolk ersehnte Reformen etwa beim Zölibat oder der Sexualmoral sind ausgeblieben, dafür machten Reden Schlagzeilen. So beim Besuch seiner bayerischen Heimat 2006, als der Ex-Professor mit einer Verknüpfung von Islam und Gewalt ins Fettnäpfchen trat. Doch das vertiefte dann den von ihm gewollten «Dialog der Religionen».

Fahrbares Podium schont des Papstes Knie

Drei Enzykliken hat er veröffentlicht, zu Liebe und Hoffnung sowie zu Sozialfragen. Prägender scheinen seine Reisen zu sein: Er betrat als erster Papst eine Synagoge in Deutschland und sprach im ehemaligen KZ Auschwitz sowie in Jerusalems Holocaust-Gedenkstätte. Und er traf immer wieder Missbrauchsopfer. Als dieser Skandal sich ausbreitete und immer mehr Kirchenleute gerade auch in Deutschland am Pranger standen, versuchte er mit einer «Null-Toleranz»-Politik und einer Bitte um Vergebung die Schmach seiner Kirche zu mildern.

Dem Papst gehe es gut, wird sein Sprecher Federico Lombardi nicht müde zu betonen. Seit einiger Zeit steht Benedikt für den langen Gang im Petersdom ein fahrbares Podium zur Verfügung. Das schont die Knie. Unlängst stützte er sich auch auf einen Stock. In einem vielbeachteten Interview-Buch meinte er, ein Pontifex könne durchaus abtreten, wenn es geistig und körperlich nicht mehr gehe.

Nein, Nein, Nein - Benedikt als Chef der Glaubenskongregation

Joseph Ratzinger wurde am 16. April 1927 als Sohn eines Gendarmeriemeisters in Marktl am Inn in der Nähe von Passau geboren. Nach dem Theologie- und Philosophiestudium wurde er 1951 zum Priester geweiht, mit 30 Jahren habilitierte er und wurde Dogmatik-Professor an der Freisinger Hochschule. Die Wissenschaft hatte ihn gepackt, er lehrte dann in Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg. 1977 wurde er Erzbischof von München und Freising und wenig später auch Kardinal.

1981 machte ihn Johannes Paul zum Chef der Glaubenskongregation, jener Vatikan-Behörde also, die sich dem Schutz der «Glaubens- und Sittenlehre» verschrieben hat. Dieser Posten schien maßgeschneidert für den kühlen Denker und Dogmatiker. Ob die Verdammung künstlicher Geburtenregelung, das Verbot weiblicher Priester oder die Haltung zur Befreiungstheologie in Lateinamerika: Das oberste Urteil im Vatikan trug zumeist die Handschrift des Vertrauten von Johannes Paul II.

Nirgendwo war die Kritik an Benedikt so laut wie in Deutschland: Für viele ist der Mann mit den schlohweißen Haaren einfach das Symbol für Härte und weltfernen Konservativismus. Dabei hatte ihn zunächst eine Welle der Begeisterung und der Sympathie getragen. Doch bleibt er ein Papst, der unbeirrt seinem inneren Kompass zu folgen scheint.

jag/kru/news.de/dpa/dapd

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