Robert Ballard Er fand die «Titanic» in der Tiefe

Ein Mythos war die «Titanic» schon kurz nach ihrem Untergang. Aber ihr Wrack wurde erst 1985 gefunden - von Robert Ballard. Er hofft, dass die Überreste des Schiffs erhalten bleiben. Doch die Zeit drängt.

Titanic-Entdecker Robert Ballard (Foto)
Erst 1985 wurde das Wrack der «Titanic» gefunden. Heute sorgt sich Robert Ballard um den Zustand der Überreste. Bild: dpa

Mehr als 70 Jahre lag die «Titanic» unentdeckt auf dem Meeresboden vor der Küste von Neufundland (Kanada). Erst 1985 gelang es dem amerikanischen Ozeanographen Robert Ballard, das Wrack des Luxusschiffes in knapp 3800 Metern ausfindig zu machen. Zum 100. Jahrestag des Untergangs an diesem Sonntag spricht Ballard über die Faszination des Schiffs und die rasant fortschreitende Zerstörung des Wracks.

Dr. Ballard, war die Entdeckung der «Titanic» der Höhepunkt Ihrer Karriere?

Robert Ballard: Nein, die Titanic war weder das erste Wrack, das ich gefunden habe, noch war sie vom wissenschaftlichen Standpunkt die größte Entdeckung. Wir wussten ja, dass sie existiert. Aber sie führte zu der Erkenntnis, dass die Tiefsee mehr Geschichte zu bieten hat als alle Museen der Welt zusammen. Sie war also der Beginn der Geschichtsforschung auf dem Meeresboden.

Was haben Sie empfunden, als Sie das massive Wrack zum ersten Mal sahen?

Ballard: Es war so: Zunächst sahen wir das Wrack nur über die Kameras unseres Roboters. Das war 1985. Unsere erste Reaktion war Begeisterung und Jubelstimmung. Aber uns wurde bald klar, dass das unangemessen war, dass wir sozusagen auf einem Massengrab tanzten. Mit dieser Einsicht schlug auch unsere Stimmung in Trauer und Respekt um. Im Jahr darauf tauchten wir dann selbst runter. Ein unglaubliches Erlebnis! Wir konnten anfangs nichts sehen, wussten aber, dass der Schiffsrumpf dort sein musste. Erst als wir uns ihm auf zehn Meter Entfernung genähert hatten, konnten wir ihn erkennen, eine gewaltige Wand aus Stahl, 30 bis 40 Meter hoch. Man konnte von unten nicht das obere Ende sehen.

Waren Sie in den vergangenen Jahren noch einmal dort?

Ballard: Ja, nach unserer Entdeckung 1985 haben wir im Jahr darauf alles sorgfältig fotografiert und ein komplettes Mosaik des Schiffes erstellt. Wir sind dann 2004 noch einmal zurückgekehrt und haben über Hunderte von Stunden Aufnahmen gemacht, außerdem ein neues Mosaik angefertigt. Beim Vergleich des ursprünglichen und des neuen Mosaiks wurde ersichtlich, wie viel Schaden in der Zwischenzeit entstanden war, überwiegend durch andere Teams, die das Wrack besucht hatten, vor allem das französische und russische U-Boot. Man kann sehen, wo sie auf dem Schiff gelandet sind und das Deck dabei eingeschlagen haben, wo sie einen Mast gebrochen und Sachen herausgerissen haben. Es ist eine Menge zerstört, viel Abfall. Uns bereitet das große Sorge, und wir hoffen, dass andere Länder das von den USA gestartete internationale Abkommen unterzeichnen werden. Die «Titanic» muss geachtet und als Friedhof behandelt werden. Das ist sie nun mal.

Berühmte Wracks: Gesunken und nie geborgen

Sie sprechen über die Schäden, die von Menschen verursacht wurden. Was ist mit dem Zerstörung des Wracks durch Unterwassermikroben? Manche Prognosen besagen, dass das Wrack dadurch in 25 Jahren vollständig zerstört sein wird.

Ballard: Wir glauben, dass wir das Wrack erhalten können. Unser Vorschlag ist, den Schiffsrumpf zu reinigen und anzustreichen. So etwas ist möglich und wird bei Supertankern bereits praktiziert. Diese Schiffe sind so riesig, dass man sie zur Überholung nicht mehr aus dem Wasser holt. Wir haben die Technologie, sie ist praktikabel. Der Ablauf ist wie folgt: Man benutzt Roboter, die sich über Magneten an den Rumpf anheften und dann auf ihm entlangrollen, ihn säubern und streichen. So muss es gemacht werden. Wenn es bei Supertankern funktioniert, sollte es auch bei der «Titanic» klappen. So können wir das Schiff retten und auf lange Zeit konservieren.

Wer würde das tun? Das Wrack gehört derzeit dem US-Unternehmen Premier Exhibit. Ist es für den Erhalt verantwortlich?

Ballard: Nein, das Besitzrecht von Premier Exhibit wird nur im amerikanischen Rechtssystem anerkannt. Deutschland zum Beispiel muss sich nicht an die Regel halten. Das heißt, dass jedes Land die Konservierung der «Titanic» vornehmen kann.

mik/jag/news.de/dpa

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