Von news.de-Redakteur Jan Grundmann - 05.04.2012, 15.27 Uhr

Exorzismus in Deutschland: Weiche, Satan, aus diesem Land!

Ostern ist das höchte Fest der Christen. Es sind auch die Tage, an denen sich besonders viele Menschen vom Teufel besessen fühlen - und ihn sich vom Priester austreiben lassen. Der Exorzismus boomt wieder in Deutschland, sagt Experte Marcus Wegner.

Der Exorzismus erlebt einen neuen Boom in Deutschland. Bild: dapd

«Und befreie uns von dem Bösen»: In jedem Vaterunser, das der Gläubige betet, wird der Teufel ausgetrieben. Denn das Böse gehört zur Kirche ebenso wie das Gute, es sind natürliche Gegenspieler. Doch wenn sich Menschen vom Bösen besessen fühlen, werden die Heilungsmethoden umstritten. 1976 endete die berühmteste Teufelsaustreibung der Bundesrepublik mit dem Tod der 23-jährigen Anneliese Michel.

Marcus Wegner, 41, Exorzismus-Fall der Anneliese Michel Aufsehen. Das Mädchen starb an Unterernährung, nachdem es mehrere Dutzend Teufelsaustreibungen hinter sich hatte. Danach hielt sich die Kirche zurück. Erleben wir nun eine Renaissance der Teufelsaustreibung?

Wegner: Nein, die Kirche hat einfach nur nach dem Fall Michel dicht gemacht. Denn die Kirche braucht das Böse. Das Gute kann nicht allein stehen. Selbst die Teufelsaustreiber, die Frau Michel damals exorziert haben, machten - noch ehe die Tote begraben wurde - an anderen Orten mit Exorzismen fleißig einfach weiter. Obwohl erwiesen ist, dass Anneliese Michel an Epilepsie und Schizophrenie litt, wird sie verehrt wie eine Heilige - als Märtyrerin, die mit dem Teufel gekämpft hat.

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Sind Sie selbst gläubig?

Wegner: Ja. Ich bin Mitglied der katholischen Kirche und will es auch bleiben. Ich finde, dass ich gerade als Katholik diese Missstände anprangern darf und anprangern muss. Die Frohbotschaft wird zur Drohbotschaft degradiert. Wenn Jesus die Menschen lehrt zu beten «Erlöse uns von dem Bösen...», will er lehren, Gott möge uns von unseren Ängsten befreien, die uns auf menschlich gesehen furchtsame Weise immer wieder das tun lassen, was wir im Tiefsten unseres Herzens gar nicht tun wollen. Ob es den Teufel nun gibt oder nicht, ist eine Glaubensfrage, die sich jeglichen Beweises und Gegenbeweises entzieht. Ich habe noch keinen Teufel gesehen, aber Menschen erlebt, die aus sich heraus unfassbar teuflisch agierten. Ja, es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die ich mir nicht erklären kann.

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eia/news.de

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