Emden Lena hätte nicht sterben müssen

Emder Tatverdächtiger wegen Kinderpornos im Visier (Foto)
Der mutmaßliche Mörder von Lena war der Polizei bereits bekannt. Hätte ihr Tod verhindert werden können? Bild: dapd

Von Hans-Christian Wöste
Bereits im vergangenen Jahr hat die Polizei gegen den mutmaßlichen Mörder von Lena ermittelt. Der 18-Jährige hatte sich wegen pädophiler Neigungen sogar selbst angezeigt. Doch unternommen haben die Beamten nichts. Jetzt laufen interne Ermittlungen.

In Emden ist seit dem Mord an Lena am 24. März nichts mehr wie vorher: Die rund 50.000 Einwohner der ostfriesischen Stadt erleben seither ein Wechselbad der Gefühle. Erst der Schock über den Mord an der Elfjährigen, dann die vorläufige Festnahme eines Unschuldigen. Internet-Hetze sowie Rufe nach Lynchjustiz sorgen für Empörung.

Der Erleichterung über die Festnahme eines anderen Verdächtigen und dessen Geständnis vergangene Woche folgt schließlich ein bitteres Eingeständnis der Polizeiführung in Osnabrück: Gegen den 18 Jahre alten Verdächtigen wurde schon seit vergangenen November ermittelt - aber die Polizei blieb untätig. Dabei hatte sich der junge Mann selbst als Pädophiler angezeigt.

Mary-Jane, Mirco, Nina...
Kinder, die grausam ermordet wurden
Mary-Jane (Foto) Zur Fotostrecke

Immer noch entzünden Menschen Kerzen vor dem Tatort am Emder Parkhaus. Holger Madena aus Braunschweig begleitet seine beiden acht und zwölf Jahre alten Kinder, die ihre Anteilnahme zeigen wollen: «Das ist ihnen wichtig, sie haben die Zeitungsberichte gelesen.» An der Polizeiarbeit lässt Madena kein gutes Haar: «Das sind doch hier Schönwetterpolizisten. Einen Blitzer an der Straße können sie aufstellen, aber eine Hausdurchsuchung kriegen sie nicht hin.»

Joggerin entkam nur knapp Vergewaltigung

Nach Bekanntwerden der schweren Panne fragen sich Madena und andere Passanten: «Hätte der Mord verhindert werden können?» Nach Polizeistandards hätten die Beamten bei der Selbstanzeige des Mannes im November 2011 seine Fingerabdrücke und eine Speichelprobe nehmen müssen. Nur einen Tag später entkommt eine Joggerin in den Emder Wallanlagen einer Vergewaltigung - auch hier verdächtigt jetzt die Polizei den 18-Jährigen, nachdem entsprechende Spuren in seiner Wohnung gefunden wurden. Die Chance, schon früher bei ihm Spuren von diesem Tatort zu finden, wird verpasst - ein bereits genehmigter Durchsuchungsbeschluss bleibt irgendwo liegen.

Laut schrillende Alarmglocken werden nicht gehört: Der junge Mann hat bereits zwei Monate Jugendpsychiatrie hinter sich, als er im vergangenen November mit einem Psychologen zur Selbstanzeige bei der Polizei erscheint. Dort räumt er ein, ein siebenjähriges Mädchen ausgezogen und fotografiert zu haben. Das alles bleibt offenbar folgenlos. «Muss denn erst ein Mord passieren, bevor die Polizei eingreift?», fragt sich eine Pädagogin aus Emden, die ihren Namen nicht nennen will.

In der Stadt verfolgen Schaulustige neue Ermittlungen der Mordkommission. Am Morgen gleiten zwei Taucher ins trübe Wasser der Kanäle in den Wallanlagen, um nach der Tatwaffe zu suchen. Ob es ein Messer ist, verraten die Ermittler nicht, ebenso wenig wie die Todesursache. «Das ist Täterwissen», sagt Einsatzleiter Martin Lammers. Zu den Ermittlungspannen anderer Kollegen will er nichts sagen.

Am Abend wollten sich viele Emder vor dem Bahnhof versammeln, um einem zunächst Verdächtigten ihre Anteilnahme zu zeigen. Der inzwischen 18 Jahre alte Mann war nach einem Anfangsverdacht wieder freigelassen worden. Zwischenzeitlich hatte es Hetzparolen und Todesdrohungen im Internet gegen ihn gegeben. Für den 13. April hat die Stadt Emden zu einer Demonstration gegen Intoleranz, Vorverurteilungen und Selbstjustiz aufgerufen. Auf Internetseiten der rechten Szene tauchten inzwischen schon wieder der volle Name und ein Foto des geständigen Tatverdächtigen auf.

eia/jag/zij/news.de/dpa

Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • herby
  • Kommentar 5
  • 07.04.2012 21:16
Antwort auf Kommentar 4

R. ich kann nur eines sagen: Solche Menschen die Kinder Missbrauchen und dazu noch Töten gehören Hingerichtet, nicht mit Giftspritze oder auf dem elekt. Stuhl ! diese würde ich öffentlich auf einem Marktplatz an einen Pfahl binden und alle Fernsehsender müssten dies Übertragen, und dann mit einer Stahrute solange Prügeln bis sie ganz langsam Krepieren. Egal ob Krank oder schlechte Kindheit des Täters, wer sowas macht hat es nicht anders verdient. Auge um Auge u. Zahn um Zahn, und genauso müsste man dies mit den Kinderschändern der Kirche machen.

Kommentar melden
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 4
  • 05.04.2012 14:48

Ermittlungspanne?Was hätte die Kripo ermitteln sollen? Welchen Grund hätte Sie gehabt, den - künftigen - Täter festzuhalten? Selbst wenn er kinderpornographisches Material gehabt hätte, könnte er nur deswegen - nicht aber für einen noch zu verübenden Mord - weggesperrt werden. Und wo soll die Polizei den Kerl unterbringen? Er hat ja noch keine Straftat begangen, sondern nur um Hilfe gerufen. Diese Leute sind wie Gefährder zu behandeln, wie Guantanamo-Häftlinge. Gefährder sind eben wie lebende Zeitbomben zu entschärfen. Möglichst vorher. Aber hierzu bedarf es des entsprechenden Handwerkszeugs.

Kommentar melden
  • Walter Ederer
  • Kommentar 3
  • 05.04.2012 10:47

Es ist ja schon überraschend, dass man von diesen Ermittlungsfehlern überhaupt was erfährt. Vor nicht allzu langer Zeit hätte man das noch unter den Tisch gekehrt und nie erfahren. Lesen die Politiker nicht von diesen Pannen, die reißen doch sonst immer gleich ihre Klappe auf. Schande über das System, das Mädchen hätte heute noch leben können, wenn rechtzeitig und beherzt zugegriffen würde. Traurig für einen Staat, der ständig nach Gerechtigkeit schreit. Warum werden diese Deppen nicht fristlos entlassen ? nein, man füttert sie durch bis in die Rente, die wir auch noch zahlen müssen !!!

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig