Beihilfe zur Zuhälterei? Strauss-Kahn wegen Sex-Partys verhört

Strauss-Kahn wird wegen Sex-Partys von der Polizei verhört. (Foto)
Strauss-Kahn trifft zum Verhör bei der Polizei in Lille ein. Bild: dapd

Von Greg Keller
Dominique Strauss-Kahn stellt sich der Polizei: Dass der Ex-IWF-Chef an Sex-Partys teilgenommen hat, steht außer Frage. Nun wollen die Ermittler im Verhör herausfinden, ob er sich der Beihilfe zur Zuhälterei schuldig gemacht hat. Auch seine Rolle bei der Finanzierung der Parties ist zu klären.

Der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, ist von der französischen Polizei zur sogenannten Callgirl-Affäre befragt worden. Dabei geht es um einen mutmaßlichen Prostitutionsring in Frankreich und Belgien, in den Polizisten und andere Beamten verwickelt sein sollen.

Strauss-Kahn ist die prominenteste Randfigur der Affäre, die seit Monaten die französische Justiz und die Medien beschäftigt. Strauss-Kahn wurde heute in einer Polizeistelle in der französischen Stadt Lille vernommen. Der ehemalige IWF-Direktor soll in den Jahren 2010 und 2011 unter anderen in einem Pariser Luxushotel und in einem Restaurant Sex mit Prostituierten gehabt haben.

Wie Prostituierte bei polizeilichen Vernehmungen aussagten, soll Strauss-Kahn auch in Washington derartige Dienste in Anspruch genommen haben. Der Franzose war bis Mai 2011 Chef des Währungsfonds, dessen Hauptsitz in Washington ist.

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Vorwurf der Beihilfe zur Zuhälterei

Strauss-Kahn wird Beihilfe zur Zuhälterei und Veruntreuung öffentlicher Gelder vorgeworfen. Im Zusammenhang mit der Callgirl-Affäre wird bereits gegen zwei Männer ermittelt, die Verbindungen zu Strauss-Kahn haben sollen. Ihnen wird unter anderen die Organisation eines Callgirl-Rings vorgeworfen.

Bei ihren Ermittlungen zur Callgirl-Affäre waren die Behörden im vergangenen Herbst auf den Namen Strauss-Kahn gestoßen. Ein Anwalt des 62-Jährigen hat erklärt, sein Mandant habe nicht gewusst, dass es sich bei den Frauen, die bei Orgien anwesend waren, an denen Strauss-Kahn teilnahm, um Prostituierte handelte. «Bei solchen Partys ist man nicht immer angezogen», argumentierte Anwalt Henri Leclerc im Dezember im Radiosender Europe 1. «Und ich fordere sie heraus, eine nackte Prostituierte von jeder anderen nackten Frau zu unterscheiden.»

Callgirl-Affäre
Strauss-Kahn und die Sex-Parties
Video: news.de

Die zweite Frage im Zentrum der Vernehmungen ist die Finanzierung der Sex-Partys. Sie wurden von zwei Getreuen des 62-Jährigen organisiert - einer von ihnen rechnete sie über seine Firma ab. Sollte Strauss-Kahn über die betrügerischen Machenschaften informiert gewesen sein und gegebenenfalls auch illegale Gegengeschäfte in Aussicht gestellt haben, droht ihm eine Anklage wegen Veruntreuung. Den Prostituierten waren nach Medienberichten 500 bis 1600 Euro für Partys in Paris, Brüssel und New York gezahlt worden.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Strauss-Kahn mit Sexvorwürfen konfrontiert sieht. Die Vorwürfe einer New Yorker Hotelangestellten, der 62-Jährige habe sie zum Oralsex gezwungen, lösten im vergangenen Mai einen internationalen Skandal aus, in dessen Folge Strauss-Kahn von seinem Posten beim IWF zurücktrat. Im Oktober wies die französische Staatsanwaltschaft die Strafanzeige einer Schriftstellerin zurück, die Strauss-Kahn der versuchten Vergewaltigung bezichtigte.

iwi/news.de/dapd/dpa

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