«Vatileaks»-Affäre Gerüchte um Papstmord scheuchen Vatikan auf

Aufregung im Kirchenstaat: Ein angebliches Mordkomplott gegen Papst Benedikt XVI. sorgt für Irritationen. Möglicherweise deuten die Indiskretionen auf einen schwelenden Machtkampf an der Spitze der Kurie hin.

Papst Benedikt XVI. (Foto)
Papst Benedikt XVI. ist von dichtem Weihrauch umgeben. Bild: dapd

Nach Berichten über ein angebliches Mordkomplott gegen den Papst hat der Vatikan die Veröffentlichung interner Dokumente als «Vatileaks» kritisiert. Verantwortlich dafür, dass solche Berichte zu großer Verwirrung führten und den Vatikan in ein schlechtes Licht rückten, seien beide Seiten. Das hielt Federico Lombardi, Sprecher von Benedikt XVI., in einem Beitrag für Radio Vatikan fest. Es gebe jene, die solche Informationen «auf illoyale Weise» nach außen trügen. Medien benutzten sie dann für Zwecke, «die sicher nicht die reine Liebe zur Wahrheit sind».

Die linke italienische Zeitung Il Fatto Quotidiano hatte aus einem vertraulichen Dokument zitiert, dessen Inhalt einen Anschlag auf das Oberhaupt der Katholiken innerhalb eines Jahres nahelege. Vatikan-Kenner hielten es jedoch für möglich, dass der Vorgang Teil eines Machtkampfes an der Spitze der römischen Kurie sein könnte. Das Dokument war dem Bericht zufolge in Deutsch verfasst, auf den 30. Dezember 2011 datiert und soll der Spitze des Vatikans von dem kolumbianischen Kardinal Darìo Castrillon Hoyos zugänglich gemacht worden sein. Der Vatikan bestritt nicht, dass es das Dokument gibt.

Benedikt XVI.: Papst privat

Ränkespiel um Benedikt-Nachfolge?

Lombardi bezog sich aber auch auf zwei andere Veröffentlichungen, in denen das Finanzgebaren des Vatikans und der Vatikanbank IOR im Zentrum gestanden hatten. All diese Vorgänge seien ein Zeichen dafür, «dass Wichtiges auf dem Spiel steht», schrieb er. Zum einen erinnerte der Vatikan-Sprecher daran, dass sich die katholische Kirche nach dem Missbrauchsskandal ernsthaft für langfristige Erneuerung einsetze. Zum anderen habe sich der Vatikan vor einem Jahr strenge Richtlinien gegen Geldwäsche und für mehr wirtschaftliche Transparenz gegeben.

«Wer denkt, er könne den Papst und seine Mitarbeiter in diesem Engagement entmutigen, täuscht sich», so Lombardi. Er wandte sich auch dagegen, eine Papstwahl als «internen Machtkampf» zu sehen. In dem Dokument zu dem angeblichen Mordkomplott ging es unter anderem auch darum, wer der nächste Papst nach Benedikt XVI. werden könnte. Als unseriös wies Lombardi Mutmaßungen zurück, es gehe nicht um ein Ränkespiel, sondern um einen möglichen Rücktritt des 84-jährigen Papstes. «Sollte sich das Kapitel jemals ernsthaft öffnen, werden wir darüber sprechen», so Lombardi. Jetzt gebe es nichts dazu zu sagen.

Die ARD zitiert Vatikanspezialistin Franca Giansoldati mit einem gewagten Vergleich: «Da entsteht der Eindruck, es gehe zu wie am Hof der Borgias, dass da korruptes Gesindel am Werk ist, eine Gangsterbande, auch wenn das natürlich überhaupt nicht stimmt.» Ihr zufolge habe die vatikanische Gendarmerie eine Untersuchung eingeleitet. Sie solle herausfinden, wer die vertraulichen Dokumente nach außen gegeben hat.

ruk/jag/news.de/dpa

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Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • first
  • Kommentar 4
  • 01.04.2012 23:41

Religion ist das Produkt oder besser die angebotene Dienstleistung.Sie ist fuer den Konsumenten bestimmt.. Vom Eigenkonsum wird abgeraten.

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  • Anonymer Katholik
  • Kommentar 3
  • 24.02.2012 17:50

Das deutsche Bundesverfassungsgericht erkennt in seiner ständigen Rechtsprechung darauf, dass die Rechtsetzungsbefugnis der Kath.Kirche sei nicht vom Staat abgeleitet oder verliehen, sondern originär. Wenn sich die Kirchenoberhäupter nun dazu entschließen Dinge in die Wege zu leiten oder zuzulassen, welche nicht mit einer Rechtsordnung z.B. der der BRD in Einklang stehen, dann ist das aus Sicht des dt. Bundesverfassungsgerichtes in Ordnung. Es darf insofern innerhalb der jeweiligen Religionsgemeinschaft alles geschehen was geschehen mag, auch wenn es z.B. das StgB verstößt.

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  • Hermann
  • Kommentar 2
  • 15.02.2012 15:02

Dem allen kann ich nur beipflichten. Aber nicht nur die Kardinäle müssen mit ihm und seinen zukünftigen Nachfolgern leben. Das werden mit Sicherheit auch wieder so verknöcherte und erzkonservative Zeitgenossen werden. Von der römischen Kirche ist m. E. noch nie etwas Gutes hervorgegangen.

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