Die Terminal-Männer Wenn Menschen in Flughäfen wohnen

Mann wohnt im Flughafen (Foto)
Dein Zuhause, der Flughafen: Ein 27-Jähriger wohnt seit Weihnachten im Göteborger Flughafen. Damit ist er kein Einzelfall. Bild: dapd

Jan GrundmannVon news.de-Redakteur
Er schläft im Terminal, er wäscht sich in den Klos: Ein 27-jähriger Deutscher landete kurz vor Weihnachten mit dem Flieger im schwedischen Göteborg. Seither wohnt er im Flughafen. Was an den Film The Terminal mit Tom Hanks erinnert, ist kein Einzelfall. Der längste Flughafen-Bewohner brachte es auf 18 Jahre.

Er hat einen deutschen Pass. Er hat einen Koffer bei sich. Und seit Weihnachten hat er ein neues Zuhause: den Flughafen Göteborg-Landvetter. Ein 27-jähriger Deutscher lebt seit bald zwei Monaten im Terminal für Inlandsflüge des schwedischen Airports. Verlassen will er ihn offenbar nicht.

«Wir haben einen Mann hier, der sich nicht wegbewegen will», zitiert die schwedische Zeitung Aftonbladet den Grenzpolizisten Ingegerd Nejding am Göteborger Flughafen. «Er stört nicht, er ist wirklich nett zu den Reisenden», sagt er. Laut der Zeitung klagt der 27-Jährige über seine eigene Vergangenheit. «Ich hatte ein schlechtes Leben. Ich will nirgendwo hingehen», sagte er.

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Eine Bestätigung kommt aus dem Auswärtigen Amt in Berlin. «Der Fall ist uns bekannt», sagte eine Sprecherin auf news.de-Anfrage. «Die Deutsche Botschaft in Stockholm hatte bereits Kontakt mit dem Betroffenen und hat ihn konsularisch beraten.»

Terminal-Bewohner können berühmt werden

Laut der schwedischen Zeitung Aftonbladet hat der Deutsche kein Geld. Mitarbeiter des Flughafens und Reisende helfen ihm, geben ihm einen Kaffee oder etwas zu essen aus. Sollte der Betroffene tatsächlich blank sein und vielleicht keine Verwandten haben, könnte das Auswärtige Amt ein Überbrückungsgeld gewähren, «das selbstverständlich zurückzuzahlen ist». So sehen es die konsularischen Richtlinien vor.

Manchmal, so berichtet es der Grenzpolizist im Aftonbladet, fahre der Deutsche mit dem Bus in die Stadt, falls er sich etwas Geld erbettelt habe. Doch am Abend sei er wieder da. «So viel Spaß kann es nicht machen», so Nejding.

Oder vielleicht doch? Schließlich wurden einige der Airport-Bewohner durch ihren Aufenthalt berühmt: Sie gaben TV-Interviews, einige konnten so auf politische Missstände in ihren Heimatländern aufmerksam machen. Die Geschichte des berühmtesten Terminalbewohners der Flughafengeschichte wurde gar von Steven Spielberg verfilmt. 

eia/news.de

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