Sauerland abgewählt Der Buhmann von Duisburg

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Konsequenz aus der Loveparade-Katastrophe: Eine deutliche Mehrheit der Duisburger hat ihren Oberbürgermeister Adolf Sauerland abgewählt. Mit dem Sündenbock Sauerland ist die politische Aufarbeitung des Unglücks abgeschlossen. Doch das juristische Tauziehen wird noch Jahre andauern.

Adolf Sauerland hatte sicher nur Gutes im Sinn, als er die Loveparade in sein Duisburg holte: Endlich einmal Glanz für die ehemalige Stahlstadt im Pott. Doch alles an dem Projekt war eine Nummer zu groß für Sauerland: Die Organisation war offenbar ein Desaster, das allein vom Wunsch, die weltgrößte Technoveranstaltung durchzuführen, getrieben wurde. Die Realität eines einzigen Zugangs durch einen Tunnel zum komplett umzäunten Partygelände wurde 21 jungen Menschen zum Verhängnis.

Anderthalb Jahre ist das her, seither schlittert Sauerland. Fehler seitens der Stadtverwaltung konnte und kann er nicht erkennen, und es dauerte ein Jahr, bis er in einem Interview eine «moralische Verantwortung» übernahm. Sauerland hätte von Anbeginn auf gemeinsame Trauer- und Aufklärungsarbeit mit den Menschen «seiner» Stadt zielen können - stattdessen wurde Duisburg zerrissen und erlebte in den den schlimmsten Monaten seiner Geschichte eine Bildung zweier Pole: Sauerland und die Stadtverwaltung mit ihrer Traumaaufarbeitungsverweigerung auf der einen, die Bürgerinitiative «Neuanfang für Duisburg» auf der anderen Seite.

Loveparade-Chronologie
Der Streit um die Schuld

Am Ende haben sich die Duisburger überdeutlich entschieden: Irgendjemand muss Verantwortung für die Katastrophe übernehmen, lauteten die Forderungen von Anbeginn. Nun haben gut 35 Prozent der wahlberechtigten Duisburger ihrem OB einen Teil der Verantwortung zugeschoben, zehn Prozent mehr als nötig. Damit haben fast doppelt so viele Menschen gegen Sauerland votiert, als ihn ins Amt gewählt hatten.

Für die Hinterbliebenen ist es zur Aufarbeitung wichtig, dass die Schuldfrage geklärt wird. Jetzt haben sie den für sie einfachsten Weg gewählt: Sauerland ist der Sündenbock für die Katastrophe mit 21 Toten. Die politische Verantwortung ist geklärt. Die juristische Aufarbeitung wird jedoch noch Jahre andauern - neben elf Mitarbeitern der Stadt wird gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und einen diensthabenden Polizisten ermittelt. Die Hauptverhandlung wird frühestens im Jahr 2013 beginnen.

sua/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 1
  • 13.02.2012 15:51

Typisch für kleine Geister: Der eine geht, der Gleiche kommt. Vielleicht nur rotlackiert.

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