Sexsteuer und Co. Deutschlands absurdeste Steuerideen

Prostituierte an der Straße (Foto)
Das Geld steht an der Straße: Huren müssen in Bonn seit einem Jahr eine Sexsteuer zahlen. Bild: dpa

Von news.de-Volontärin Annika Einsle
Bonn veröffentlicht erste Zahlen zur Sexsteuer, die zeigen: Das Geld fließt. Auch andere Städte sind in Sachen Steuerwahn nicht auf den Kopf gefallen. Hamburg etwa hält die Hand auf, sobald die Polizei gerufen wird. Fürth kassiert sogar für Luft.

Wenn es abends dunkel wird, ziehen sie ihr Ticket am Automaten und beginnen mit der Arbeit: Am Bonner Straßenstrich stehen seit August 2011 sogenannte Sexsteuer-Automaten. Sechs Euro kostet die Nacht. Im Januar wurden bereits entsprechende Formulare eingeführt, auf denen die Huren ihre «Veranstaltungstage» ausfüllen sollen, wie sie die Stadt bezeichnet.

Eine nette Idee, um Geld in die klammen Kassen der Stadt zu spülen und für Gerechtigkeit zu sorgen. Schließlich zahlen auch diejenigen Steuern, die in einem Puff oder Saunaclub angestellt sind, heißt es zur Begründung bei der Stadt. Dass die Huren aber tatsächlich zahlen, damit hatte wohl niemand wirklich gerechnet.

Nach einem Jahr Sexsteuer in Bonn steht fest: Die Idee ist aufgegangen. 250.000 Euro hat die Stadt innerhalb des vergangenen Jahres eingenommen. Allein mit den Sextickets kamen laut einer Sprecherin bisher 14.000 Euro zusammen.

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Nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein

Doch bei aller Euphorie: Uwe Zimmermann vom Deutschen Städte- und Gemeindebund weiß, dass solche sogenannten Bagatellsteuern nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein sind. 611 Millionen Euro brachten sie 2009 ein, das ist gerade mal ein Prozent der gemeindlichen Steuereinnahmen. Für die folgenden Jahre rechnet er mit ähnlichen Einnahmen. Zimmermann sagt aber auch: «Solche Steuern sind ein Symbol dafür, dass viele Städte finanziell mit dem Rücken zur Wand stehen und nach jedem Strohhalm greifen, der sich ihnen bietet.» Auf welche zum Teil abstrusen Ideen sie dabei kommen, sehen Sie in unserer Bilderstrecke.

Dabei ist der Gedanke, leere Staatskassen mithilfe absurder Steuern zu füllen, nicht neu. Schon im alten Rom erhob Kaiser Vespasian die Latrinensteuer auf öffentlichen Toiletten, die aufgestellt wurden, um den Urin zu sammeln. Er war wichtig für die Ledergerbung und die Wäschereinigung. Und im 18. Jahrhundert erhob Hannover eine Spatzensteuer - allerdings eher, um der Spatzenplage Herr zu werden. Dass dabei auch noch Geld in die öffentlichen Kassen kam, freute die Stadtväter umso mehr - und inspirierte auch folgende Generationen.

Der Ruhrpott ist besonders kreativ

Heute sind die Städte und Gemeinden so hoch verschuldet wie nie zuvor. Drei Milliarden Euro haben die Kommunen im vergangenen Jahr mehr ausgegeben als eingenommen. Die Lage hat sich im Vergleich zu den vergangenen Jahren zwar verbessert, ist aber nach wie vor kritisch. Den Bürgern geht's deshalb auch künftig an den Kragen.

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Besonders kreativ bei der Erhebung neuer Steuern sind die Städte in Nordrhein-Westfalen: Köln hat seine Sexsteuer in Höhe von 150 Euro monatlich bereits seit 2004, zusätzlich hält die Stadt bei allen Hotelgästen die Hände auf und erhebt fünf Prozent des Übernachtungspreises.

Auch Dortmund ist bei der Bettensteuer dabei und denkt außerdem über eine Pferdesteuer nach. Essen kassiert bei Passantenbefragungen je befragender Person und Tag 34 Euro. Und wer in der Stadt Grabschmuck verkauft, muss eine Friedhofsteuer in Höhe von 3,80 Euro je Quadratmeter Verkaufsfläche abdrücken. Immerhin: Der zunächst gefasste Beschluss zur Bräunungssteuer für Solariumsbesitzer verschwand Ende des Jahres wieder in der Schublade. Das Geschäft mit der Liebe dagegen boomt - und so wird die Stadt Bonn auch künftig viel Freude an seiner Sexsteuer haben.

beu/news.de

Leserkommentare (24) Jetzt Artikel kommentieren
  • repman
  • Kommentar 24
  • 30.01.2012 04:56

So So dann verlage ich auch die Schwulen und Lesbensteuer. Ich warte darauf das die uns eines tages einen Zähler an den Arsch bauen,ums Abgas zu versteuern. Naja die brauchen unsere Kohle für den Rettungsschirm der EU.

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 23
  • 28.01.2012 12:54
Antwort auf Kommentar 22

Erinnern Sie sich nicht mehr der Diskussion um Westerwelle und der FDP wegen der Steuerreform? 24 Monate Hetzkampagne durch, so nehme ich an, Vertreter von Nichtsteuerzahlern, also den sog. Armen, Langzeitarbeitslosen und Sozialschmarotzern. Das wird jetzt noch schlimmer, weil die Grünen und die Sozialdemokraten einen Steuerwahlkampf 2013 führen werden. D.h. Plündert die Reichen. Man beachte, wer reich ist: Jeder, der mehr als 50 % des Durchschnittseinkommens verdient. Das Steuererfindungen des nicht bürgerlichen Teils der Politik wird das System, die Wirtschaft und die Arbeitenden ruinieren.

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  • Heinzelmann
  • Kommentar 22
  • 27.01.2012 19:08

Wenn nicht immer mehr Deutsche dem Land den Rücken kehren sollen, wird es Zeit, nicht neue Steuern zu erfinden, sondern Steuern zu senken! Wo bleibt da eigentlich die großmundige FDP , mit ihren ewigen, leeren Versprechungen? Oder wollen wir weiter in die moderne Sklaverei des Kapitalistmus gehen,bis die Welt darin untergeht. Es wird Zeit. daas die dagegen aufstehen und nicht weiter träumen.

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