«Costa Concordia» Im Fahrwasser der «Titanic»

Suche nach Vermissten auf Kreuzfahrtschiff geht weiter (Foto)
Die «Costa Serena» fährt an ihrem havarierten Schwesterschiff «Costa Concordia» vorbei. Bild: dpa

Isabelle WiedemeierVon news.de-Redakteurin
«Costa Concordia» und «Titanic»: 100 Jahre nach dem berühmtesten Untergang der Seefahrtsgeschichte bleibt der makabere Vergleich nicht aus. Leichen treiben in Frack und Abendkleid durchs Restaurant. Und der Titanic-Song lief, als die «Concordia» den Fels rammte.

Eigentlich klingt es zu absurd, um wahr zu sein, doch beim tragischen Untergang der «Costa Concordia» kratzt ja inzwischen so Einiges am Grotesken. Just in dem Moment, als Capitano Francesco Schettino bei seinem Grußmanöver das Kreuzfahrtschiff auf den Felsen setzte, sang in einem der Schiffsrestaurants Celine Dions Stimme My Heart Will Go On. Dies zumindest berichtet der Schweizer Passagier Yannick Sgaga, der aus dem Wrack gerettet wurden, der Genfer Zeitung La Tribune.

Costa Concordia
Schiffsunglück vor der Küste Italiens

Die unkoordinierte Rettung, das Chaos beim Verteilen der Schwimmwesten und Ablassen der Rettungsboote - «Die Bilder aus dem Film Titanic sind realistischer als man denkt», sagte Sgaga der Zeitung. Sie seien ihm pausenlos durch den Kopf gegangen. Für ihn ist es gut ausgegangen. Doch die Rettungstauchern erleben im Schiffsbauch der Concordia das schreckliche Ende der Katastrophe, und das sieht sehr nach «Titanic» aus. Zuerst hätten sie den Leichnam einer Frau geborgen, die Abendkleid unter der Schwimmweste trug, tote Männer im Smoking trieben an ihm vorbei, berichtet der Leiter der Tauchstaffel, Rodolfo Raiteri, der Bild-Zeitung.

Celine Dion singt, als das Schiff den Fels rammt

Am 15. April 1912 rammte die unsinkbare «Titanic» einen Eisberg, ihr Untergang ist der berühmteste der Seefahrsgeschiche. Legendär ist auch die Schiffskapelle, die bis zum Ende spielte - und nun soll ausgerechnet im Moment des Unglücks der Titanic-Song zum Dinner gedudelt haben. Ironie des Schicksals, die Wiederholung der Geschichte in Schleifen?

Velantina Capuano und ihr Bruder müssen es so empfunden haben. Sie überlebten die Havarie der «Costa Concordia», doch ihr Großonkel starb vor 100 Jahren auf der «Titanic». Ihre Großmutter hatte ihnen immer wieder die Geschichte ihres Bruders Giovanni erzählt, der mit 25 Jahren als Kellner auf der «Titanic» angeheuert hatte, erzählte Capuano der italienischen Nachrichtenagentur Ansa.

Für die meisten mag es einfach ein makabrer Zufall sein, doch Anlass genug, nach weiteren Parallelen und schlechten Omen zu wühlen. Beide Schiffe rissen sich ihre Flanken auf, die «Titanic» Steuerbord, «Costa Concordia» auf der Backboard-Seite. In beiden Fällen ignorierten die Kapitäne eine offensichtliche Gefahr, «Titanic» galt schließlich als unsinkbar, und auch Capitano Schettino hielt sein Boot offenbar für unverletzbar. Luxus stand bei beiden Fahrten im Vordergrund, die dann so tragisch endeten. Und auch die Maße der Schiffe liegen nicht so weit auseinander: Knapp 270 Meter lang und 30 Meter breit war die «Titanic», 290 mal 36 Meter misst die «Costa Concordia».

Viele Parallelen lassen sich zusammenklauben, doch zum Glück überwiegen die Unterschiede. Mit der Titanic starben 1514 Menschen im eiskalten Nordatlantik, elf Tote und 21 Vermisste lautet derzeit die traurige Bilanz der Costa Concordia-Katastrophe. Und noch ein gravierender Unterschied: Kapitän Edward J. Smith ging am 15. April 1912 mit seinem Schiff unter. Sein Körper wurde nie gefunden.

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Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • Dietrich Krüger
  • Kommentar 5
  • 23.01.2012 12:59

Was ist Dichtung und was ist Wahrheit bei der Titanic und der Costa Concordia?

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  • julia
  • Kommentar 4
  • 20.01.2012 16:26

so lange es Officiere und Kapitäne gibt, die verantwortungslos handeln müssen leider unschuldige dran glauben. Unfaßbar, dieses Unglück, so nah an der Küste, zum Greifen nah. Und nun macht wohl der Kapitän einen auf Drogen. Da kann der sicherlich nicht gelangt werden. Wo ist der gute alte Pranger, leider ist auch teeren und fehdern aus der Mode gekommen. Solche Leute wie dieser Kapitän, der feige vom Schiff geht, und sagt, es ist dunkel und geht nicht mehr zurück - unfaßbar.

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  • Libertad
  • Kommentar 3
  • 20.01.2012 00:22

Die Grenze der Seefahrt beginnt da, wo der Respeckt vor dem Meer aufhört.

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