«Costa Concordia» Deutsche Überlebende bangt um Ehemann

Waltraud H. zittert nach Concordia-Unglück um Ehemann  (Foto)
Waltraud H. ist der «Costa Concordia» entkommen - jetzt bangt sie um das Leben ihres Mannes. Bild: dpa

Von Clarice Wolter
Waltraud H. aus Maintal ist der Katastrophe auf der «Costa Concordia» entkommen. Doch ihr Mann Egon gehört zu den noch elf deutschen Vermissten. Sie erhebt schwere Vorwürfe gegen das Personal. Eine weitere vermisste Deutsche wurde von den Behörden ausfindig gemacht. Sie lebt.

Waltraud H. ist der Katastrophe entkommen. Seit Samstag ist sie wieder in Maintal, aber nichts ist mehr, wie es vorher einmal war. Ihr Mann Egon, der mit ihr auf dem havarierten Kreuzfahrtschiff «Costa Concordia» gereist war, wird immer noch vermisst. Bis sie Gewissheit über sein Schicksal habe, könne sie keine Trauerarbeit leisten, sagt die 65-Jährige. Ihr eigenes Trauma habe ihre Psyche «weggesperrt».

Nach dem Wassereinbruch sei sie mit letzter Kraft eine Wand hochgeklettert und habe dabei ihren Mann aus den Augen verloren, berichtet die verzweifelte Frau. Neben dem 74-jährigen Egon H. werden immer noch elf Deutsche vermisst.

Vorwurf: Kein qualifiziertes Personal an Bord der «Costa Concordia»

Tumultartige Szenen seien es gewesen, erinnert sich die Frau an die Zeit, nachdem das Schiff mit mehr als 4200 Menschen an Bord vor der toskanischen Küste gekentert war. Viele Passagiere seien in Panik einfach ins Meer gesprungen. Auch eine Stunde, nachdem die «Costa Concordia» schon schräg lag, habe es noch Durchsagen gegeben, dass die Passagiere zurück in ihre Kabinen gehen sollten, sagt sie. «Es hieß, man habe die Lage im Griff.» Als sie sich an die eigene Rettung erinnert, versagt ihre Stimme.

Costa Concordia
Schiffsunglück vor der Küste Italiens
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An Bord sei kein qualifiziertes Personal gewesen, beklagt die Frau. Auch den Kapitän macht sie für die Katastrophe verantwortlich. Francesco Schettino war unbefugt vom Kurs des Kreuzfahrtschiffes abgewichen und zu nah an die Küste der Insel Giglio gefahren.

«Nur die Stärksten sind durchgekommen»

Kein Mensch könne nachempfinden, wie schrecklich die Situation gewesen sei, sagt die Maintalerin. Sie habe fünf Stunden an Deck gesessen und ausgeharrt, bis sie von der Küstenwache gerettet worden sei. Schwere Vorwürfe erhebt sie gegen das Personal: «Jeder, der gerettet wurde, hat sich selbst gerettet.»

Der Betreiber «Costa Crociere» habe nichts getan, erst die Küstenwache habe geholfen. «Nur die Stärksten sind durchgekommen.» Das Ehepaar hatte die Mittelmeerkreuzfahrt auch schon im vergangenen Jahr unternommen, allerdings mit einem anderen Schiff. Damals war alles gut gegangen.

Waltraud H. will Kapitän wegen Mordes verklagen

Waltraud H. steht in ständigem Kontakt mit der Polizei, hat der Kriminalpolizei in Offenbach Bilder und Gebissabdrücke von ihrem Mann geschickt. Ob ihr Gatte unter den bisher geborgenen Toten ist, weiß sie noch nicht. Seit dem dritten Tag nach der Havarie habe sie eigentlich keine Hoffnung mehr, sagt die 65-Jährige. Sie wird vom Weißen Ring und vom Bonner Caritasverband «Noah» seelsorgerisch betreut.

Für kommenden Samstag sei ein Treffen des Krisenmanagements der Kriminalpolizei in Offenbach anberaumt worden, berichtet Waltraud H. «Wenn mein Mann bis dahin nicht wieder da ist, werde ich den Kapitän wegen Mordes anklagen.»

Vermisst Deutsche ausfindig gemacht

Derweil ist eine weitere als vermisst gemeldete Deutsche ausfindig gemacht worden. Sie ist bereits in Deutschland, teilten die Behörden in der italienischen Stadt Grosseto am Abend mit. Damit gelten noch 21 Menschen nach dem Schiffsunglück vor der toskanischen Küste als vermisst.

jag/phs/news.de/dapd

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