Speisen à la Knigge Tischlein deck dich stilvoll

Tischmanieren (Foto)
Ein perfekt gedeckter Tisch ist die Basis für ein stillvolles Essen. Bild: Flickr

Katharina SchlagerVon news.de-Redakteurin
«Warum rülpset Ihr und furzet Ihr nicht? Hat es Euch nicht geschmecket?» Was Martin Luther noch als Kompliment zu Tisch empfunden hätte, ist heute ein schwerer Affront. Wie richtiges Verhalten ohne Fettnäpfchen bei einem formalen Dinner aussieht, erfahren Sie hier.

«Schlüpfrige kleine Scheißerchen», rutscht es Julia Roberts raus, als ihr im Nobelrestaurant die Schnecken von der Zange flutschen. Wie schon die Hollywood-Schönheit in Pretty Woman an der richtigen Reihenfolge der Bestecke schier verzweifelte, scheint einiges dazu zu gehören, sich am Tisch stilvoll zu verhalten. Dabei reicht es einige Grundregel der Tischsitten zu befolgen, um sich nicht zu blamieren.

Wer den Grundgedanken berücksichtigt, dass das gemeinsame Essen für alle ein Vergnügen sein soll, kann nicht viel falsch machen. Denn Tischmanieren sind kein Mittel zur Selbstdarstellung, sondern sollen Störfaktoren und unschöne Anblicke vermeiden. Also bitte nicht rülpsen, schmatzen oder schlürfen. Außerdem: Gewaschene Hände, gekämmte Haare und saubere, ordentliche Kleidung sind ein Muss.

Mit vollem Mund wird nicht gesprochen. Schließlich möchten die Nachbarn am Tisch nicht sehen, wie die Kartoffeln und Böhnchen zu einem Brei zwischen den Zähnen zermalmt werden. Damit jeder sich an der Tischkonversation beteiligen und auf Fragen ohne große Verzögerung antworten kann, gehört es sich, immer nur kleine Portionen in den Mund zu schieben. Außerdem sollte man aufrecht und gerade sitzen und die Speisen zum Mund und nicht den Mund zum Teller führen. Das funktioniert mit einer kleinen Portion auf der Gabel besser als mit einem riesigen Berg, der unterwegs abzustürzen droht.

Bitte nicht pusten!

Zur guten Sitzhaltung gehört zudem, dass beide Hände auf dem Tisch liegen, wenn sie nicht gerade mit dem Besteck hantieren. Und das auch zwischen den Gängen. Ellenbogen haben dagegen nichts auf der Tischplatte zu suchen. Genauso wenig wie bereits gebrauchte Bestecke, da sie sonst die Tischdecke verschmutzen könnten. Übrigens: Sind Speisen zu heiß, bitte nicht theatralisch den Löffel anpusten und Tischnachbarn mit Suppenduschen besprühen. Stattdessen ist etwas Geduld gefragt.

Doch bevor es ans stilvolle Schlemmen geht, müssen Gastgeber dem geplanten Menü entsprechend den Tisch eindecken. Der wichtigste Grundsatz lautet: Es wird von außen nach innen gegessen. Das hilft auch Gästen, die nicht genau wissen, wie Salatgabel und die Forke für den Hauptgang sich unterscheiden. Also: Rechts außen liegt der Löffel für die Vorsuppe gefolgt entweder vom Vorspeisemesser, Steakmesser oder Fischmesser. Rechts innen liegt dann der Dessertlöffel. Links werden die benötigten Gabeln platziert. Das gleiche Von-außen-nach-innen-Prinzip gilt auch für die Gläser, die rechts oberhalb des Tellers stehen. Die Serviette liegt links außen, wenn sie nicht in besonders gefalteter Form den Teller ziert. Natürlich sollte alles farblich und stilistisch gut zusammenpassen.

Linkshänder haben es schwer

Diese Anordnung gilt übrigens auch für Linkshänder, die sich damit abfinden müssen, das Messer rechts und die Gabel links zu halten. Grund: Sitzen ein Links- und ein Rechtshänder nebeneinander, würden sie sich sonst beim Schneiden ständig ins Gehege kommen und die Ellenbogen aneinander stoßen.

Der alte Freifahrtschein, man dürfe alles mit Fingern essen, was fliegt, gilt schon lange nicht mehr. Die Finger kommen nur äußerst selten zum Einsatz. Und auch nur, wenn eine Fingerschale und ein Stück Zitrone auf dem Tisch stehen. Lediglich Brot darf in die Hand genommen werden. Geschnitten wird es aber nicht, sondern nur in mundgerechte Stückchen gerissen.

Gäste sollten sich zurückhalten und wenig Eigeninitiative zeigen, wenn es um den Ablauf eines formellen Essens geht. Denn der Gastgeber hat sich genau überlegt, wann was in welcher Form auf den Tisch kommt. Somit sollten auch alle auf eine ausdrückliche Aufforderung warten, bevor sie sich an den Tisch setzen. Gegessen wird erst, wenn alle bedient wurden. Davon kann natürlich abgewichen werden, wenn diejenigen, die noch vor leerem Teller sitzen, ihre Tischnachbarn ausdrücklich bitten anzufangen, damit nichts kalt wird.

Servietten sind Mundwerkzeuge, keine Brillentücher

Auch wenn Servietten in greifbarer Nähe liegen, sollte man sich nie verleiten lassen, sie zu etwas anderem zu benutzen, als sich damit den Mund abzuwischen. Nase, Brille oder Tischplatte sind tabu. Auch sollte die Serviette höchstens auf den Schoss gelegt, nicht aber wie ein übergroßes Lätzchen in den Ausschnitt gestopft werden. Oder sollte unbedingt vermittelt werden, dass essen ohne kleckern nicht möglich ist? Von der Unart, die Serviette nach Gebrauch zusammengeknüllt auf den letzten Teller zu werfen, ist Abstand zu nehmen. Das gilt auch für Papierservietten.

Zwar befinden sich in Deutschland meist alle Zutaten für einen Gang gemeinsam auf einem Teller, doch Matschen und Vermischen ist untersagt. Unüblich ist hierzulande auch, Fleisch auf Vorrat zu schneiden und dann nur noch mit der Gabel zu attackieren. Stattdessen wird immer nur so viel geschnitten und in Sauce getaucht, wie es der nächste Biss erlaubt.

Beendet wird der Schmaus genauso wie er angefangen hat, nämlich durch ein Signal des Gastgebers. Erst wenn dieser sich erhebt und das Essen für beendet erklärt, dürfen und sollten die Gäste aufstehen. Jetzt ist Gelegenheit, um sich für das Essen zu bedanken.

 

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