Alpen-Schneechaos Winterurlauber sitzen fest

Wintertraum oder Alptraum? In den Alpen schneit es unaufhörlich. Staus, Lawinen und gesperrte Straßen machen Skiurlaubern das Leben und die Heimreise schwer. Auch TV-Moderatorin Michelle Hunziker war eingeschneit.

Wallis (Foto)
In Blatten im Schweizer Kanton Wallis können sich die Urlauber vor Schnee kaum retten. Bild: dpa

Zuerst steckten sie im Schnee, dann im Stau: Tausende Winterurlauber sind am Wochenende in mehreren Skiorten in Österreich und der Schweiz zeitweise festgesessen. Nach heftigen starken Schneefällen waren wichtige Verkehrsrouten am Samstag, dem traditionellen Abreisetag, wegen akuter Lawinengefahr vorübergehend gesperrt. Als die Straßen wieder freigeschaufelt waren, gab es auf wichtigen Rückreiserouten nach Deutschland Staus. Am Sonntag schneite es in den Alpen wieder stark, bekannte Skiorte waren erneut von der Außenwelt abgeschnitten.

In Österreich waren die beliebten Skigebiete Ischgl und das nahe gelegene Galtür wegen Lawinengefahr wieder nicht zu erreichen. «Für den heutigen Tag bleiben die Straßen voraussichtlich geschlossen», sagte eine Mitarbeiterin des örtlichen Tourismusbüros. Die meisten deutschen Urlauber seien jedoch schon am Samstag abgereist. «Wir sind froh und glücklich, dass wir nach Hause fahren können», sagte ein deutscher Urlauber dem Fernsehsender ORF, der am Samstag aus dem Tiroler Paznauntal abfahren konnte.

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Skifahren nur an zwei Urlaubstagen

Für viele Deutsche war es eine lange Heimreise. Bis in die späten Abendstunden am Samstag staute es sich auf wichtigen Routen. Neuer Schnee behinderte den Verkehr, hieß es beim Verkehrsclub ÖAMTC. Mit Schaufeln mussten die Menschen in vielen Orten anrücken, um überhaupt erst ihre Autos aus dem Schnee zu graben.

In den Skiorten Lech, Zürs, Stuben, Warth und Gargellen waren am Freitag etwa 15.000 Menschen eingeschneit. Die meisten konnten mit dem Auto abreisen. Darunter auch der Kölner Arzt Lothar Müller mit seiner Familie. «Wir wollten am Freitag starten, aber da war überhaupt nichts mehr zu machen», erzählte er. «Nachdem am Samstag der Flexenpass von Lawinen freigesprengt worden war, gab es dann ein kurzes Zeitfenster von zwei Stunden, in dem wir in Kolonne aus dem Lechtal rausfahren durften.» Skifahren sei für sie nur an zwei von zehn Urlaubstage möglich gewesen. «Dafür mussten wir jeden Tag unser Auto freischaufeln.»

Für eine Gruppe von 52 Deutschen aus Lindau am Bodensee musste sogar ein Helikopter des österreichischen Bundesheeres ausrücken: Die Wintersportler waren bei Brand im westlichen Bundesland Vorarlberg auf einer Berghütte zwei Tage eingeschlossen, bevor sie ins Tal geflogen werden konnten. Auch ein sieben Monate altes Baby war dabei. Die Stimmung war trotzdem gut, sagte Hüttenwirt Thomas Beck: «Wir hatten genug zu essen.»

Das Bundesheer setzte seine Hubschrauber auch ein, um die Lawinensituation zu erkunden. Ein Skifahrer aus Fürstenfeldbruck bei München wurde am Samstag im Stubaital abseits der Pisten von Schneemassen verschüttet - der Mann überlebte.

In Tirol gab es im Bahnverkehr Probleme: Unter anderem die Arlbergbahn sollte bis Dienstag gesperrt bleiben. Auch die Verbindung zwischen Reutte in Tirol und Garmisch in Bayern sollte dicht bleiben.

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Weiter große Lawinengefahr

Auch in der Schweiz blockierte der Schnee Straßen. Das eingeschneite St. Moriz war aber am Wochenende wieder zugänglich. «Ein komisches Gefühl, dort die roten Tafeln zu sehen und zu wissen, man wäre nicht rausgekommen, wenn man gewollt hätte», sagte Hanspeter Danuser, langjähriger Kurdirektor des Promi-Ortes. Der Schnee sei von allen Seiten gekommen. «So eine Situation habe ich selten erlebt in meinen bald 35 Jahren hier.» Zu den eingeschneiten Urlaubern zählte nach seinen Angaben auch Fernsehmoderatorin Michelle Hunziker. Die ehemalige Co-Moderatorin der ZDF-Show Wetten, dass..? saß in St. Moritz fest - zusammen mit ihrem neuen Freund Tomaso Trussardi, Erbe des italienischen Modekonzerns. Für Frischverliebte vielleicht nicht das Schlechteste.

Während in der Schweiz am Sonntag die Lawinenwarnstufe auf der fünfteiligen Skala von vier auf drei gesenkt wurde, bestand in Österreich und in den bayerischen Werdenfelser Alpen weiter große Lawinengefahr der Stufe vier. Viele Skifahrer konnten daher trotz Pulverschnees nicht auf die Piste oder ins Gelände.

Der Deutsche Wetterdienst warnte am Sonntagmittag weiter vor starkem Schneefall in den Alpen - es könnten zwischen 30 und 50 Zentimeter dazukommen. Der Schneefall sollte in den Alpen bis Montagmittag anhalten. Zudem könne es zu Unwettern mit Sturmböen auf den Gipfeln und zu Schneeverwehungen kommen.

car/cvd/news.de/dpa

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