Nazi-Leaks Auch Rechte haben Rechte

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Von news.de-Redakteur
Seit einigen Tagen sind Adressen und Telefonnummern Hunderter Menschen im Netz, die für die NPD gespendet oder bei rechten Versandhäusern eingekauft haben sollen. Man kann die Gesinnung dieser Menschen blöd finden. Doch eine öffentliche Stigmatisierung rechtfertigt das noch lange nicht.

Die Hackergruppe Anonymous rühmt sich für ihren Scoop: Da wurden Kundendaten nationaler Versandhäuser abgesaugt und im Netz veröffentlicht. Mit vollständigem Namen, vollständiger Anschrift, Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Dazu kommen Datum, IP-Adresse des Seitenbesuchs und Bestellhinweise. Ebenfalls unter nazi-leaks.net (und einer wachsenden Zahl von Seiten, auf denen eine Kopie der Daten veröffentlicht wurde) stehen NPD-Spenderlisten, ebenfalls mit kompletten Namen und vollständiger Adresse.

Ist diese Aktion von Anonymous legitim? Es ist eine Gruppe, die sich durchaus politisch versteht, und Seiten von staatlichen Behörden, Kreditinstituten, Urheberrechtsgesellschaften wie die Gema attackiert.

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Im Fall der Nazi-Leaks gilt: Natürlich kann man, sollte man die rechte Gesinnung verteufeln. Doch Anonymous stellt Hunderte Menschen an den Pranger. Einige sicher zu Recht, die vielleicht über ein derart grundrechtsfeindliches Weltbild verfügen, dass sie damit zumindest in Frage stellen, ob für sie selbst noch Grundrechte gelten. Etwa Persönlichkeitsschutzrechte, die mit der Veröffentlichung der persönlichen Daten verletzt werden.

Doch alle NPD-Spender, alle nationalen Versandhaus-Besteller über einen Kamm zu scheren, das geht zu weit. Darunter sind Menschen, die der NPD vielleicht einmal zehn Euro gespendet haben. Darunter sind Menschen, die eins, zwei Rechtsrock-Platten bestellt haben. Sie müssen nun mit Anfeindungen und Angst vor Übergriffen leben. Sie müssen sich Gedanken machen, wie sie ihre Familie schützen können. Diese Menschen müssen noch lange keine Feinde der Demokratie sein, die eben eine Breite von Meinungen aushalten muss. Wer allen mutmaßlichen Rechten die Schutzrechte abspricht und sie im Netz bloßstellt,  liebe Anonymous-Hacker, der handelt selbst menschenverachtend.

mik/news.de

Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • Abbadon
  • Kommentar 5
  • 12.03.2012 07:40

Alles richtig, doch besonders sollte man als Privatperson darauf achten, sich nicht zeigen zu lassen worüber man sich aufregen soll. Es gibt allerlei schlimmere Grundrechtsverletzungen über die kein Wort verloren wird weil sie nicht im Fokus der Medien liegen. Lasst euch nicht dauernd derart ablenken!

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  • GesunderKritiker
  • Kommentar 4
  • 05.02.2012 10:53
Antwort auf Kommentar 3

Alles was mit Verherrlichung bzw.Verharmlosung von Gewalt zu tun hat,muß sehr aufmerksam beobachtet und zu recht gewiesen werden,um schlimmeres zu vermeiden.Haltet die Augen auf und die Ohren steif! Wer nicht aus der Geschichte lernt,wird zugrunde gehen...

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  • U.Schmidt
  • Kommentar 3
  • 19.01.2012 11:14

Der neue Faschismus tritt auf im Gewande des Antifaschismus und sagt: "Ich bin der Antifaschismus!" Zitat nicht von mir, aber trotzdem richtig.

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