Wort des Jahres Der Stresstest beerbt Wutbürger

Stresstest (Foto)
Das Wort «Stresstest» ist zum Wort des Jahres 2011 gewählt worden. Bild: dapd

Von Kathrin Hedtke
Merkozy, hebeln oder Arabellion sind weit vorn, aber Stresstest hat sich als Wort des Jahres 2011 durchgesetzt. Laut dem Vorsitzenden der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS), Armin Burkhardt, drücke das Wort am besten den Geist des Jahres aus. 

Ob im Kontext der Banken oder in der Debatte um Stuttgart 21 und die deutschen Atomkraftwerke: «Stresstest» sei in diesem Jahr in den verschiedensten Bereichen anzutreffen gewesen und inzwischen in die Alltagssprache übergegangen. Auf Platz Zwei der Liste folgt «hebeln», auf Platz Drei «Arabellion».

Im vergangenen Jahr hatte sich die Jury für «Wutbürger» entschieden. Damals hätten einige kritisiert, dass das Wort zu wenig bekannt sei, berichtete Burkhardt. Doch im Laufe des Jahres habe «Wutbürger» Karriere gemacht. «Wir hatten Recht», betonte der Sprachwissenschaftler. Das Wort habe 2010 sehr gut charakterisiert. In diesem Jahr habe die Wahl der Jury mehr den Nerv des Mainstreams getroffen. Unter den 400 Einsendungen mit Vorschlägen für das Wort des Jahres 2011 sei «Stresstest» der Favorit gewesen.

Zeitgeist für die Zukunft festhalten

Außerdem werteten die Sprachforscher rund 3000 Belege aus verschiedenen Medien aus. Doch die Häufigkeit ist für die Entscheidung der Jury nicht entscheidend. «Unser Anliegen ist es, ein Wort zu finden, durch das das Jahr in besonderer Weise charakterisiert wird», sagte der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache. Das Wort soll damit auch den Zeitgeist des Jahres für die Zukunft festhalten. So spiegelten die seit 1971 gekürten Begriffe auch die Geschichte der Bundesrepublik wider.

Das diesjährige Gewinnerwort stamme ursprünglich aus der Humanmedizin: Der Fachbegriff «Stresstest» beschreibt den Angaben zufolge einen Test auf einem Laufband, bei dem mithilfe von Elektronen die Belastbarkeit des Körpers geprüft wird. «Im Laufe des Jahres ist uns das Wort aber immer häufiger begegnet», sagte Burkhardt. Er nannte die Debatte über die Auswirkungen von Fukushima oder Stuttgart 21. Zudem werde es inzwischen auch im Alltag verwendet, wenn jemand wegen etwas unter Druck stehe.

Jugendliche setzen auf «guttenbergen»

Außerdem geprägt wurde das Jahr durch die europäische Schuldenkrise, was ebenfalls in der Wortliste berücksichtigt wird: Die Wortkreuzung «Merkozy» auf Platz Vier soll der GfdS zufolge die weitgehende Einigkeit von Deutschland und Frankreich im Umgang mit der Finanzkrise kennzeichnen. Auf dem zweiten Platz landete das Verb «hebeln»: Der Fachbegriff aus der Finanzbranche spiegelt das Bemühen um die finanzielle Rettung der Euro-Staaten wider. Durch das Hebeln werde «weniger Kraft, sprich weniger Kapital benötigt als beim Akt des Stemmens», sagte Burkhardt.

Die arabischen Revolutionen finden ihre Berücksichtigung mit der Wortkreuzung «Arabellion» auf dem dritten Platz. Die Entscheidung hätte auch auf «Arabischer Frühling» fallen können, räumte der Vorsitzende ein.

Gleiches gilt für das Verb «guttenbergen», das es ebenfalls unter die Top 10 schaffte. In Anlehnung an die Doktorarbeit des ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg, «bei der es nicht immer mit rechten Dingen zuging», landete das neugebildete Wort auf Platz Sieben. Der Begriff sei längst zu einem Synonym fürs Abschreiben und Plagiieren geworden, sagte der Sprachwissenschaftler. Das Wort werde vor allem von Jugendlichen häufig benutzt. Vielleicht, sagt der Vorsitzende der Gesellschaft, laute die Erklärungen unter Doktorarbeiten später einmal: «Hiermit erkläre ich, dass ich in der Arbeit nicht geguttenbergt habe.»

san/sua/news.de/dapd

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