Tod von Haustieren Wenn Bello am Ringfinger funkelt

Haustiere in Deutschland (Foto)
Möpse auf einem Hamburger Hundesfest: Nach Angaben des Industrieverbands Heimtierbedarf wurden 2010 in Deutschland 22,3 Millionen Haustiere gehalten, darunter 5,3 Millionen Hunde. Bild: dapd

Von Sophia Weimer
Der Abschied vom Haustier kann sehr schmerzhaft sein - und Liebe geht über den Tod hinaus. Deshalb wächst die Zahl der Tierfriedhöfe und spezieller Krematorien. So kann der eingeäscherte Liebling als Diamant getragen werden.

Auf den Tischen stehen Großpackungen mit Taschentüchern, leise Musik beschallt den Raum, auf einer Kommode liegt das Buch Wiedersehen im Paradies - Treffen wir unsere Tiere wieder?. Das Portaleum in Berlin bietet trauernden Tierhaltern ein Komplettpaket zum Abschiednehmen. «Wir holen die Tiere ab, bieten unseren Trauerraum an, kremieren die Tiere und überlegen mit den Besitzern, welche Bestattungsform ihnen am besten passt», sagt Eberhard Leis, einer von vier Mitarbeitern des Portaleums.

Tierfriedhöfe gibt es schon länger, und ihre Zahl steigt: Im Jahr 2003 waren es bundesweit noch etwa 25, heute sind es 120. 25 bis 50 Kunden kommen jede Woche in das Tierkrematorium im Berliner Stadtteil Pankow, das im Februar eröffnete. Vom Wellensittich bis zur Dogge hat das Team des Portaleums schon fast alle Haustierarten in seinen Ofen geschoben. Das exotischste sei ein über ein Meter langer Leguan gewesen. «Wir leisten echte Trauerarbeit», sagt Leis. Den typischen Kunden gebe es nicht.

Gemischte Tiere
Ziesel, Liger und Schiege
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Diamant aus gepresster Haustierasche als Luxusvariante

Leis erinnert sich an einen «harten Kerl», mit Tätowierungen und Piercings übersät, der seine kleine Ratte ins Krematorium brachte. «Der hat Rotz und Wasser geheult.» Wie emotional aufgeladen das Thema ist, zeigt auch ein Blick auf die Website des Krematoriums: «Wir konnten in Ihrem Portaleum unserem Zwergkaninchen Charly einen Ort geben, an dem wir ihn angemessen und in unserem Sinne würdig beisetzen konnten», bedankt sich eine Kundin im Forum.

Die meisten Besitzer entscheiden sich dafür, die Asche ihres Lieblings in einer Urne mit nach Hause zu nehmen, sie können sie aber auch an einem Rosenstamm mit einer Namensplakette im Garten des Krematoriums vergraben. Ein Diamant aus gepresster Asche ist die exklusivste Variante, sein Haustier zu verewigen. Bislang hätten sich zwei Kunden für diese Methode, die mindestens 2890 Euro kostet, entschieden. Leis meint, dass Haustiere oft ein festes Familienmitglied sind, weshalb die Besitzer keine Kosten und Mühen scheuen, um ihren Liebsten eine würdige Bestattung zu ermöglichen.

Bello wird zu Brennstoff

Auch der Tierfriedhof «Tierhimmel» im brandenburgischen Teltow spürt wachsendes Interesse. «Wöchentlich suchen uns etwa 15 bis 20 Besitzer auf», sagt Dirk Daßler, Mitgesellschafter der Tierhimmel GmbH. Die Zahl steige seit der Gründung vor acht Jahren kontinuierlich, obwohl auch immer mehr Konkurrenz auf den Markt komme. «Die Menschen lassen ihre Tiere nicht mehr beim Tierarzt, weil sich rumspricht, was dort mit ihnen passiert.» Ralf Hendrichs vom Verband der Tierbestatter berichtet: «Die werden dort zerschreddert, zerkocht und enden dann als Tapetenkleister oder so.»

Christian Laiblin ist Tiermediziner an der Freien Universität Berlin und bestreitet das: Die Asche der Tiere werde ganz normal entsorgt - und auch nicht für Futtermittel verwendet. Dass so etwas nicht legal ist, weiß auch Marcel Derichs, Sprecher des Entsorgungsunternehmens Secanim. Die Firma halte sich an die EU-Verordnung zur Tierkörperbeseitigung, dies werde - wie auch bei den anderen Unternehmen im Bundesgebiet - regelmäßig überprüft. Vor der Verbrennung würden die Kadaver zwar zerkleinert, die Produkte dann aber als Brennstoff oder Ähnliches verwendet.

jag/kru/news.de/dpa

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