Polizistenmord Beate Z. und das Gangster-Nazi-Drama

Explodiertes Wohnhaus in Zwickau (Foto)
Dies sind die Reste des Wohnhauses in Zwickau: Hier soll Beate Z. mit den beiden, in einem Wohnwagen in Eisenach aufgefundenen toten Männern, gewohnt haben. Sie soll die Explosion ausgelöst haben. Bild: dapd

Jan GrundmannVon news.de-Redakteur
Sie hat sich gestellt: Beate Z. könnte mehrere Rätsel lösen - um die erschossene Polizistin in Heilbronn und die beiden Toten im Wohnwagen in Thüringen. Dabei reicht ihre eigene Geschichte offenbar zurück bis zu Nazi-Kameradschaft und Bomben.

Die Frau, die vielleicht der Schlüssel zur Lösung einer der mysteriösesten Kriminalgeschichten der jüngeren Vergangenheit ist, hat viele Namen. Laut Polizei nannte sie sich Susann Dienelt oder Mandy Struck. Ihr wahrer ist Beate Z.

Sie soll mit zwei Männern in Zwickau zusammengewohnt haben. Die wurden tot in einem Wohnmobil in Eisenach gefunden, sie sollen eine Bank überfallen und sich selbst erschossen haben. Neben den Leichen wurde die Dienstwaffe der im April 2007 in Heilbronn erschossenen Polizistin Michèle Kiesewetter gefunden. Das Haus, das sich beide Männer und Beate Z. teilten, explodierte am vergangenen Freitag - kurz vor dem Knall verließ Z. die Unterkunft. Sie soll die Explosion verursacht haben. Jetzt hat sie sich mit ihrem Rechtsanwalt bei der Polizei in Jena erschienen, sagte ein Polizeisprecher.

Skurrile Aufklärungen
Mordszene auf der Brust

Beate Z. und die beiden Männer waren offenbar Nazi-Kameraden

Doch das Drama um Mord, Überfall, Explosion ist nicht nur ein außergewöhnlicher Kriminalfall, es taucht tief ab ins Milieu der unter dem Namen «Thüringer Heimatschutz» beheimateten Nazi-Kameradschaften. Zumindest behauptet es die thüringische Fraktion der Linken. Die Ermittler äußern sich dazu aus taktischen Gründen nicht.

Wenn es stimmt, dann handelt es sich bei den beiden toten Männern um Uwe B. und Uwe M. Gemeinsam mit Beate Z. waren sie Kameradschaftsmitglieder - und wurden spätesten 1998 als unrühmliche «Jenaer Bombenbastler» bekannt. Im Januar 1998 hatte die Polizei in einer Garage die Bombenwerkstatt der drei ausgehoben, berichtete der Spiegel damals. Auch das ZDF berichtete in einer Reportage im Juli 2000 über den Rechtsterrorismus aus Jena.

Bombenbauer, NPD und Verfassungsschutz

Dabei seien unter anderem vier funktionsfähige Rohrbomben sichergestellt worden, mit 1,4 Kilogramm TNT. Obwohl fünf Monate vorher streng observiert, konnten die drei flüchten und tauchten unter. Im Jahr 2003 wurde das Verfahren wegen Ablauf der Verjährungsfrist eingestellt. Weiter waren die beiden Männer und Beate Z. untergetaucht, gefasst wurden sie nie. Bis die Leichen der beiden Männer im Wohnwagen gefunden wurden und sich die Flüchtige stellte.

Wie es passieren konnte, dass die mutmaßlichen Naziterroristen flüchten, untertauchen und trotz jahrelanger Fahndung nicht gefasst werden konnten, dazu gibt es in linken Internetseiten wie indymedia wilde Spekulationen - bei denen der Verfassungsschutz nicht unbeteiligt ist.

Denn die drei Bombenbauer waren Mitglieder im Kameradschaftsbund «Thüringer Heimatschutz». Dessen damaliger Chef war Tino Brandt, der zeitgleich als Vize-Parteichef der thüringischen NPD agierte. Im Zuge des gescheiterten NPD-Verbotsverfahrens flog im Jahr 2001 die Verbindung von Brandt zum Verfassungsschutz auf: Der Kamerad hatte gegen sechsstellige D-Mark-Beträge Spitzelberichte an die Staatsschützer über das NPD-Treiben geliefert. Nun, so die Spekulation der Linken, könnte es sein, dass auch die drei Bomber aus Jena ein sicheres Abtauchen gewährt worden sei – mit freundlicher Unterstützung des Verfassungsschutzes.

Schon 1997 Briefbombenattrappen verschickt

Bereits im Jahr 1997, so berichten es andere linke Webseiten, sei gegen die drei und weitere Tatverdächtige ermittelt worden. Sie hatten Briefbombenattrappen verschickt – an die Redaktion der Thüringischen Landeszeitung, die Stadtverwaltung und die Polizeidirektion Jena, so steht es im Verfassungsschutzbericht, aus dem die linke Webseite links-lang.de zitiert. Spekuliert wurde damals auch, woher der Sprengstoff stammte. Der damals zuständige Staatsanwalt wollte weder bestätigen noch dementieren, dass es die Beute eines Überfalls war – im Jahr 1991 auf eine ehemaliges NVA-Waffenlager im nahen Großeutersdorf, so berichteten linke Medien.

Inzwischen hält der Stuttgarter Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger den Heilbronner Polizistenmordfall für aufgeklärt. Er gehe davon aus, dass der Mord im April 2007 von der Gruppe begangen wurde. Dafür sprächen die Gesamtumstände, vor allem der Besitz der Dienstwaffen der Polizisten: Solche Waffen gebe man nicht weiter, sagte Pflieger. Das Motiv vermute er im Bereich der Beschaffungskriminalität.

Ob es wirklich so war, kann nun Beate Z. selbst auflösen.

beu/news.de/dpa

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Arno Nym
  • Kommentar 2
  • 13.11.2011 21:09
Antwort auf Kommentar 1

Sollte tatsächlich mehr dahinter stecken (was auch ich vermute), kannst du sicher sein, dass unsere zwangsfinanzierten, angeblich überparteilichen und der Wahrheit verpflichteten, von Bonzen der etablierten Parteien durchseuchten, sog. öffentlich rechtlichen Sender garantiert nichts darüber berichten werden.

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  • Aufrechter
  • Kommentar 1
  • 08.11.2011 16:38

Es steckt noch mehr dahinter, ob das der Verfassungsschutz öffentlich machen wird darf bezweifelt werden. Auf jeden Fall ist das ein Stoff für einen Krimi im Ersten!

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