Jobs und Berlin Warum Deutschland so hip ist

Deutschland beliebt (Foto)
Wer was auf sich hält, hat einen Koffer in Berlin. Bild: dapd

Isabelle WiedemeierVon news.de-Redakteurin
Ist Deutschland wirklich so toll oder wollen alle nur im Merkel-Land Geld verdienen? Immer mehr Spanier, Iren oder Griechen zerbrechen sich die Zungen in Deutschkursen, bei Beliebtheitsrankings sind «wir» ganz oben. Aber warum bloß?

Wenn Spanier Deutsch nachahmen, sagen sie «krunz kranz kronz». Das klingt nicht, als wären sie sonderlich erpicht darauf, diese klanglose Sprache zu erlernen, oder? Ganz falsch. In der Zentrale des Goethe-Instituts, Leuchtturm des Deutschen im Ausland, laufen in diesen Tagen die Zahlen aus ganz Europa ein. Die Tendenz ist überall dieselbe: Immer mehr Leute wollen Deutsch lernen.

«Spanien führt mit gigantischen Steigerungen», sagt der Sprecher des Goethe-Instituts, Christoph Mücher. 70 Prozent mehr Teilnehmer als 2010 verzeichnen sie dort in ihren Kursen, allein in Madrid ist die Zahl der Deutschschüler am Institut von 2059 auf 3369 gestiegen. Auch in den anderen Euro-Sorgenkinderstaaten nehmen die Teilnehmerzahlen zu. In Irland gilt ein Deutschkurs inzwischen als Investition in die Zukunft. Waren bis 2009 fast die Hälfte der Schüler Immigranten aus Osteuropa, sitzen jetzt fast nur noch Iren in den Kursen - noch dazu gab es einen Zuwachs von zehn Prozent.

10 Vorurteile
So sind wir doch gar nicht

Viele Griechen kämpfen ums nackte Überleben, dennoch investieren immer mehr Menschen in einen Deutschkurs. Doch unsere schwierige Sprache ist dort schon länger auf dem Weg nach oben: Im Schulunterricht hat sich die Zahl der Schüler, die als zweite Fremdsprache Deutsch statt Französisch beleben, in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Und auch in Ungarn ist Deutsch gerade ziemlich populär. «Seit Mai haben sie die Chance, legal in Deutschland zu arbeiten, und außerdem kommt dazu, dass viele junge, liberale Menschen von der nationalistischen Regierung sehr abgeschreckt sind», erklärt Mücher die dortige Situation.

In Barcelona gibt's zum Sprachkurs das Praktikum in Deutschland

So was hat er in 19 Jahren am Goethe-Institut noch nicht erlebt. Geradezu grotesk erscheinen ihm jetzt die Vorstöße vieler Politiker, die die Institute schon dichtmachen wollten, weil es in der EU doch nun von allein liefe mit der Annäherung. «Wir sind in Europa noch nicht fertig», kommentiert Mücher.

Natürlich treibt vor allem die Arbeitslosigkeit in vielen Euro-Ländern die Leute in die Deutschkurse. «Angela Merkel war mehrfach in Spanien und hat gesagt, dass Arbeitskräfte in Deutschland gebraucht werden, vor allem Ingenieure. Seitdem haben wir den Boom», sagt Jordi González Castelló vom Goethe-Institut in Barcelona.

Seit dem Sommer vermitteln sie dort nicht mehr nur Sprache, sondern auch Arbeit. Der Bürgermeister von Schwäbisch Hall war in Barcelona zu Gast, im Schlepptau diverse Unternehmen aus der nordwürttembergischen Stadt mit Arbeitsplatzüberschuss. Barcelona bietet inzwischen Sprachkurse speziell für Ingenieure an, die an ein Praktikum in Schwäbisch Hall gekoppelt sind. Und das aktuellste Angebot ist die «Aktion Nikolaus», eine Auswahlrunde für 100 Ingenieure in Stuttgart Anfang Dezember. Finanziert werden Anreise und Unterkunft von der Landesregierung – aber unter einer Bedingung: Deutsch können.

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