Calli exklusiv
«Essen und Fußball bedeuten Emotion pur»

Ein Schwergewicht am Platz und am Teller: Reiner Calmund hat ein neues Buch geschrieben. Mit news.de spricht er über seine zwei Leidenschaften und verrät, warum er bessere Chancen bei Frauen hat als ein Schönling.

Reiner Calmund kommt zu spät. 90 Minuten lässt er auf sich warten. Dann kommt er mit dem Vorstandsvorsitzenden von Dynamo Dresden, Thomas Bohn, um die Ecke. Nach Dresden kommt der Fußballmanager, Buchautor und Medienstar gerne. Er ist ständig unterwegs - an diesem Abend wird er in einer Buchhandlung aus seinem neuen Buch Eine Kalorie kommt selten allein vorlesen. Mehr als 200 Zuhörer werden erwartet.

Herr Calmund, Sie schreiben in Ihrem neuen Buch über ihr Verhältnis zum Essen. Gibt es bei Ihnen denn auch so ein richtiges Lieblingsessen?

Reiner Calmund: Wenn ich Ihnen das erzähle, dann sitzen wir hier zwei Tage. Deswegen erzähle ich lieber, was ich nicht esse.

Und das wäre?

FOTOS: Reiner Calmund Die besten Sprüche

Calmund: Das sind zum einen Graupen. Meine Oma hat mir die alle zwei Tage vorgestellt und mein Ziel war immer: Wie kriege ich diesen Teller leer? Dann esse ich keine Innereien und keine Kaninchen. Die Tiere waren ja auch das Corpus Delicti, der Grund, warum ein Teil der ersten Auflage eingestampft werden musste.

 

Auf Seite 52 seines neuen Buches schreibt Reiner Calmund über das Wunder von Bern. Und über dem Film, in dem ein Vater und sein Sohn zu dem Spiel fahren - vorher isst der Vater jedoch ein Kaninchen. Ein Tier, das Reiner Calmund nicht essen würde. Er schreibt auch über das Besondere am Wunder von Bern und dass die Menschen begeistert die Nationalhymne gesungen hätten, die erste Strophe. Die auch er heute noch laut mitsingen würde. Ein Fehler bei der Buchproduktion, es hätte dritte Strophe heißen sollen, denn die erste wird nicht mehr gesungen, da sie an die Zeit des Nationalsozialismus erinnert. «Aber Fehler passieren», sagt Reiner Calmund. Und: «1954 - da war ich fünfeinhalb. Da habe ich nicht gesungen, da war ich Fritz Walter und Toni Turek und Helmut Rahn in einer Person, mit Blechdose oder einem abgewetzten Gummiball draußen auf der Straße.»

 

Das Wunder von Bern scheint Sie nachhaltig beeindruckt zu haben...

Calmund: Was mich an dem Film fasziniert hat, war, dass er in einer Siedlung spielte, die exakt der glich, in der ich aufwuchs. Und da lebte ich in ganz einfachen Verhältnissen. Klo über den Hof. Da wurde die Zeitung in vier Teile geschnitten und gesagt ‹Hier, dat ist Toilettenpapier›. Wir haben einmal die Woche gebadet, meistens samstags. Ich hatte das Glück, dass ich Einzelkind war. Im Gegensatz zu einem Kumpel, der als Zehnter in die Badewanne steigen musste. Der war danach dreckiger als vorher... Und in dieser Zeit wurden eben Kaninchen gemästet und geschlachtet. Ich hatte als Kind ein paar. Die habe ich gefüttert, mit denen habe ich gekuschelt - niemals hätte ich die essen können. Ich hätte mich gefühlt wie ein Kannibale.

Aber essen Sie gar kein Kaninchen? Nicht einmal ein bisschen?

Calmund: Nein! Ich habe selbst in der Kocharena den Hauptgang nicht gegessen. Da war ich wie der Reich-Ranicki: ‹Ich nehme diese Speise nicht an! Ich bewerte das nicht.› Und die haben gesagt: ‹Pick doch mal rein, nur für die Show.› Und ich habe gesagt: ‹Nein, ich bekenne mich dazu. Ich esse kein Kaninchen.› Weder geschmort, noch gebraten, noch als Terrine.

Kochen Sie denn auch selbst?

Calmund: Ja, aber ich bin kein Experte. Ich bin im Essen definitiv stärker als im Kochen. Wenn wir zuhause grillen, bedient meine Frau den Grill und ich konzentriere mich auf's Essen. Aber wenn ich mal koche, dann ist das ganz gut. Wenn es sein muss, dann kann ich auch was Leckeres hinzaubern. Ich plane jeden Schritt, trainiere das richtig, da entwickle ich schon Leidenschaft. So habe ich ja auch Das perfekte Promi-Dinner gewonnen. Und unter tätiger Mithilfe meiner Frau und meiner Assistentin war ich für die Kocharena gewappnet. Da hat die Jury gegen die Starköche gekocht - lassen Sie sich überraschen. Die Sendung läuft am 13. November auf Vox.

Gibt es denn etwas, was Sie wirklich gut kochen können?

Calmund: Ja, ich esse am liebsten Desserts und ich kann sie auch am besten zubereiten. Ich bereite auch in der Kocharena ein Dessert zu. Das Rezept finden Sie in Eine Kalorie kommt selten allein. Das habe ich auch schon beim Promi-Dinner mit Erfolg gemacht.

Die Deutschen haben ja ein merkwürdiges Verhältnis zum Essen. Die einen wollen ständig abnehmen, die anderen sind absolute Genießer...

Calmund: Davon handelt das Buch auch. Ich habe mich darin quasi selbst vor den Spiegel gestellt. Was ich nicht schreiben wollte, war ein Ratgeber: Länger jung, später alt, schneller schlank, schlank schneller, länger schlank. So etwas verbinde ich mit Grünfutter, Körnern und magerem Joghurt. Das ist nicht mein Hobby, nicht mein Genuss. Ich habe nichts davon, 120 Jahre alt zu werden, schön konserviert, aber ohne Lebensqualität. Aber ich muss auch sagen: Ich sündige, weil mir der Arzt noch nicht die Gelbe Karte gezeigt hat. Der Blutdruck ist okay, 130 zu 80, mein Cholesterin liegt weit unter dem kritischen Wert von 200, die Organe in Ordnung, die Blutwerte genauso. Wäre das nicht so, dann wäre auch direkt Schluss mit lustig. Ich hänge am Leben. Es geht ja nicht um mich allein. Es geht um die Familie, um die Kinder, die Enkel, meine Frau. Und ich genieß das, mit ihr zu relaxen, Kuscheln auf der Couch. Nee, nee, wenn der Arzt die letzte Warnung ausspricht, dann würde ich sofort umsteigen auf Körner, Grünfutter und mageren Joghurt.

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