Irrer Wettbewerb Hässlich gewinnt

Ugly Dance World Cup (Foto)
Eine Gruppe bei der Hässlichtanz-WM in Hamburg im Jahr 2010. Bild: dpa

Von Susann Burwitz
Verkehrte Welt in einem Hamburger Club: Es messen sich die schlechtesten Tänzer und buhlen um Buhrufe. Denn nur wer beim Publikum so richtig unten durch ist, kann sich Hoffnungen auf den Weltmeistertitel im Hässlichtanzen machen.

Zwei Mädels betreten die Bühne des stickigen Hamburger Tanzclubs. Auf sie gerichtet sind die Blicke von über 500 neugierigen Zuschauern. Als hübsch kann man Lucifer und Melody wirklich nicht bezeichnen: sie tragen knallrote Spitzenunterhosen über schwarzen, etwas zerrissenen Strumpfhosen. Ihr Lippenstift ist verschmiert und auf den Nasen sitzen dicke Hornbrillen. Dann setzt die Musik ein und die Körper der jungen Frauen beginnen wild zu zucken, sie springen über die Bühne, verziehen die Gesichter zu Grimassen und robben zappelnd über den Boden.

Das Publikum bricht in lautstarke Buhrufe aus, dutzende Daumen werden nach unten gestreckt - aber die beiden Mädels hören nicht etwa auf mit ihrer seltsamen Tanzeinlage. Sie sind nicht beschämt oder schockiert. Sie sind begeistert! Denn genau darum geht es in dieser Nacht im Club «Terrace Hill» und beim «Ugly Dance World Cup». Es geht darum, eine richtig schlechte Show abzuliefern und sich so den Weltmeistertitel im Hässlichtanzen zu ergattern.

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Die Weltmeisterschaft im Hässlichtanzen, findet in diesem Jahr zum dritten Mal in Hamburg statt. Ins Leben gerufen hat sie Christian Müller, zusammen mit drei Freunden. «Wir wollen dieser Stilrichtung und ihren Tänzern einfach ein Forum bieten. Ugly Dance wird weltweit immer beliebter, weil man nicht nur eine neue Form des Talents, sondern auch Mut, Humor und Kreativität auf die Bühne bringen kann», sagte der Organisator.

Schlecht-of auch im Internet

Er selbst hat in einer Jury aus rund 30 Bewerbern neun Tanzgruppen ausgesucht, die in Hamburg um den Meistertitel kämpfen dürfen. Abgestimmt wurde aber auch im Internet. Auf Youtube hatten Internetuser im Vorfeld des Wettbewerbs die Möglichkeit, sich die einzelnen Tanzgruppen im Video anzuschauen und dann ihre Stimme für die miserabelsten Performances abzugeben. Das Team mit den meisten Votings durfte ebenfalls in Hamburg antreten.

«Mir war bei der Entscheidung besonders wichtig, dass nicht nur wild rumgezappelt wird, sondern dass sich die Tänzer wirklich Gedanken darüber gemacht haben, wie sie die Grenzen des normalen Tanzes überschreiten und das Publikum begeistern können», betont Christian Müller. Gedanken hatten sie sich alle gemacht, aber nicht nur die einzelnen Tanzteams, sondern auch die Zuschauer. Viele leuchteten in genauso schrillen Kostümen wie die Anwärter auf den Weltmeistertitel. Es gab Männer in Frauenkleidern und mit Perücke und Frauen in grellen Neonfarben und in den schlimmsten, wild durcheinandergewürfelten Modesünden.

«Mut zur Hässlichkeit»

«Bei dem Ugly Dance World Cup braucht man eben in jeder Beziehung Mut zur Hässlichkeit», findet Melody aus dem Mädelsduo «The Ohkaka!». «Die Idee hier mitzumachen, kam uns beiden ganz spontan. Wir mussten bei den Youtube-Videos so herzlich lachen, haben dann in zwei Stunden unser eigenes Video gedreht und jetzt stehen wir hier auf der Bühne und haben unseren Spaß», erzählt die 21-Jährige.

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Diese Spontanität zahlt sich für die beiden Frauen aus - sie tanzen sich bis in das Finale. Und für ihren abschließenden Auftritt gab es die meisten und lautesten Buhrufe. Denn nur so zeigt das Publikum hier, wie sehr die Show gefallen hat. Applaus ist bei dieser Veranstaltung ausnahmsweise einmal ein schlechtes Zeichen. Und dann steht es fest: Lucifer und Melody sind die Besten unter den Schlechtesten. Sie sind die Weltmeisterinnen im Hässlichtanzen 2011.

Den Titel haben sie The Ohkaka!, vier Jungs aus Niedersachsen, abgejagt. Die Gruppe «Dezentiner» konnten im letzten Jahr mit der schlechtesten Leistung überzeugen. Aber für die Schüler aus dem Landkreis Vechta steht fest: Sie sind im nächsten Jahr wieder dabei und wollen den Weltmeistertitel zurückerobern. Denn auch 2012 wird es in Hamburg wieder heißen: Nur die Hässlichsten können ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen.

ruk/news.de/dapd

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