«Star Trek»-Sprache: Klingonisch klingt komisch

Das Kriegervolk aus Star Trek ist mitten unter uns: Klingonisch ist eine offiziell anerkannte Sprache, die immer mehr Erdlinge begeistert. Shakespare wurde übersetzt, es gibt eine Klingonen-Oper. News.de hat Anhänger getroffen, die Heavy-Metal-Songs in der Kriegersprache singen.

Der Sprachexperte für Klingonisch, Lieven L. Litaer (Mitte), und zwei Klingonen-Krieger mit Schwertern befinden sich in der Raumschiffkulisse im Filmpark Babelsberg in Potsdam. Bis zum 31. Oktober 2011 läuft die Ausstellung Star Trek im Filmpark. Bild: dpa

Eine Unterhaltung beginnt mit einer Begrüßung. Nicht jedoch bei den Klingonen, das ist ein Kriegervolk. «Überflüssige Floskeln werden vermieden», sagt Ralf Gebhart. Er leitet den größten europäischen Klingonen-Fanclub mit dem Namen «Khemorex Klinzhai» - der klingonische Geist erwächst.

Den ersten Kontakt mit der Kunstsprache hatte er Anfang der 90er Jahre, als er sich das erste Wörterbuch kaufte. Die Sprachpraxis folgte zu Hause. «Mit meiner damaligen Freundin konnte ich ganz gut Klingonisch reden. Wir haben auch versucht, Gedichte und Lieder zu verfassen», sagt er.

Gebhart selbst macht Heavy-Metal-Musik. Und für diese musikalisch etwas härtere Gangart passt auch die harte Kriegersprache. «Wir haben mehrere Musiker dabei, die Songs auf Klingonisch verfasst haben - und in Verkleidung auf der Bühne auftreten.» Worin die klingonische Poesie liegt? «Vor allem an ihrer Fremdartigkeit», findet Gebhart, «sie hat keine Ähnlichkeit mit einer Erdensprache.» Etwa die Satzstellung: Objekt, Prädikat, Subjekt. Dazu harte, geröchelte Laute.

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Klingonisch, Elbisch und Esperanto

Dabei ist es eine komplett künstliche Sprache, die sich ein Mensch ausgedacht hat: Marc Okrand. Der US-Sprachwissenschaftler wurde von den Paramount Studios, die Star Trek 3 - Auf der Suche nach Mr. Spock im Jahr 1984 produzierten, mit der Erstellung einer fiktiven Sprache beauftragt. Paramount war damals in Zugzwang. Denn im ersten Star Trek-Film von 1979 tauchten bereits einige Klingonen auf. Im englischen Original hat der bereits verstorbene Schauspieler von Scotty, also James Doohan, nur Laute ins Mikro gebrabbelt. Im Film werden Untertitel eingeblendet, was denn dieses Gebrabbel nun bedeutet möge. «Marc Okrand hat es so hingebogen, dass sein Klingonisch nun von der Syntax und der Sprache mit dem übereinstimmt, was James Doohan im ersten Teil gebrabbelt hat», so Gebhart. Fasziniert, möge manch ein Wesen vom Planeten Vulkan wohl dazu sagen.

Andere Kunstsprachen wurden planvoller erarbeitet: Tolkien erschuf für den Herr der Ringe die elbischen Sprache Quenya und Sindarin. Auch das Esperanto hat ein Mensch erschaffen: Ludwig Lejzer Zamenhof veröffentlichte im Jahr 1887 die Grundlagen für die alternative Weltsprache, die sich aber nie durchsetzen konnte.

So fragen Sie auf Klingonisch nach der Toilette

Für Klingonisch gibt es eine Sprachschule. Ein «Terraner» aus dem Sektor Saarbrücken war so stark von der Kriegersprache begeistert, dass er die Schule in der saarländischen Landeshauptstadt eröffnete. Lieven L. Litaer ist eigentlich Architekt und erklärt den Erdlingen in seiner Freizeit sinnvolle Sätze - für den Fall, jemand landet plötzlich auf einem weit entfernten klingonischen Planeten und muss sich verständigen. Die Frage nach der nächsten Toilette geht so: «nuqDaq 'oH puchpa' 'e'?», gesprochen: «Nuckdackoch», und das «ch» muss ordentlich aus dem Rachen rausgeröchelt kommen, gefolgt von einem «Putschpa-ä». Auch Bagger- und Trinksprüche sowie wichtige Fluch-Expressionen erklärt Litaer via Youtube.

Er sei in erster Linie sprachinteressiert, erst danach folge die Star Trek-Begeisterung, erzählt er. «Viele vergessen, dass Klingonisch eine richtige Sprache ist, mit einer eigenständigen Grammatik und Vokabeln, die wie bei jeder Fremdsprache gelernt werden müssen.» Sprachpraxis erhält er bei Klingonentreffen: «Man sitzt in Verkleidung zusammen, redet Klingonisch und trinkt ein Bier.» Er veranstaltet auch das mittlerweile weltweit größte Fan-Treffen. Zum zehnten Mal findet das «qepHom», das kleine Treffen, im November in Saarbrücken statt. Beim Fan-Treffen gibt es viele, die sich die Runzel-Maske über die Stirn spannen. Auch Spracherfinder Marc Okrand wird mit dabei sein.

Oper und Hamlet auf Klingonisch

Auch wenn Klingonisch mittlerweile als Sprache offziell anerkannt ist, unter der DIN-Norm 639-2, fällt die Verständigung bei einem Bankbesuch recht schwer, vor allem in Verkleidung. Trotzdem hat die Kriegersprache ihren Weg in den Alltag der «Erdlinge» gefunden. Bestes Beispiel: eine Klingonenoper, erdacht, komponiert und vorgetragen von Niederländern, die ihre erdliche Zivilisation ablegen und im Kostüm ihr Lamento auf Klingonisch vortragen.

Denn die Krieger mögen Opern, so haben es die Star Trek-Drehbuchschreiber im Laufe der Zeit entwickelt. Auch das Shakespeare-Werk Hamlet ist mittlerweile ins Klingonische übersetzt. Und im Alltag, etwa ein Gespräch über die EU-Schuldenkrise, würde das funktionieren? «Klar, das geht schon. Man könnte es umschreiben - als Problem mit der Währung», sagt Ralf Gebhart. Und Lieven Litaer ergänzt: «Wenn ich mir eine Notiz mache, die niemand lesen soll, schreibe ich sie Klingonisch.»

Ach ja, eigentlich verabschieden sich Klingonen auch nicht. Wenn Sie, lieber Erdling, nach dem Lesen nun trotzdem das Bedürfnis nach einem korrektem klingonischen Adieu überkommt: «Qapla», gesprochen Kapla, wäre ein noch akzeptabler Ausdruck. Damit wünschen sich die Krieger Erfolg - für die nächste Schlacht.

beu/news.de

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