Opossum Heidi Totgespritzt durch T61

Schielendes Opossum Heidi ist tot (Foto)
Schielendes Opossum Heidi ist tot Bild: dapd

Jan GrundmannVon news.de-Redakteur , Leipzig
Die schielende Ratte hatte sich wochenlang gequält, konnte sich nicht mehr bewegen. Durch eine Todesspritze mit dem Mittel T61 schlief das Opossum Heidi ein. Der Leipziger Zoo will nun ein Kondolenzbuch auslegen und die Beutelratte ausstopfen. Die Fans trauern um Heidi.
 

Am Morgen des 28. September 2011 fällt der Leipziger Zoo-Tierarzt Klaus Eulenberger die Entscheidung. Heidi erhält zunächst eine Narkose, dann die Todesspritze. Um 7.30 Uhr an diesem Septembermorgen stirbt die bekannteste Beutelratte der Welt. Das Serum, das Heidi in den ewigen Schlaf schickt, ist laut Eulenberger T61 - eine Giftmischung, die Herz- und Atemmuskeln lähmt. Es ist ein Erstickungstod. Weil Heidi narkotisiert ist, wehrt sich ihr Körper nicht gegen den Sauerstoffmangel.

Viele Besucher, die an diesem Vormittag am Terrarium vorbeigehen, ahnen davon nichts. «Ich habe eine zusammengekauerte Beutelratte gesehen, man konnte nicht in ihre Augen schauen. Ich dachte, es wäre Heidi», sagt eine 48-jährige Besucherin. Andere wiederum erfuhren vom Tod der Ratte auf dem Weg zum Zoo. «Wir haben es auf der Autofahrt von Dresden im Radio gehört», erzählt ein 22-Jähriger, der mit seiner Freundin einen Zoo-Tag eingelegt hat. «Viele Besucher standen vor der Vitrine und schauten vergeblich nach Heidi.»

Heidi-Mania
Das schielende Opossum aus Leipzig

«Nur die Besten sterben jung»

Viele Besucher sind überrascht vom plötzlichen Tod, aber wenige schockiert. Viel stärker als am Zoo-Eingang äußert sich die Trauer im Internet. «Mach es gut kleine Heidi, ich hätte dich hier gerne mal besucht, aber das verschieben wir dann auf später!», schreibt eine Frau auf Heidis Facebook-Fanseite. «Als Stern schielst du herab», ist zu lesen oder auch: «Nur die Besten sterben jung.»

Deshalb wird es am Eingang zur Tropenhalle Gondwanaland, in der Heidi ihre Heimat hatte, einen Ort der Trauer geben, kündigte Zoo-Direktor Jörg Junhold an. «Wir werden ein Bild von Heidi und ein Kondolenzbuch auslegen», sagt der Zoo-Chef gefasst. Ein Denkmal allerdings hält er für übertrieben: «Wir haben viele Tiere und können nicht für jedes ein Denkmal bauen.» Allerdings soll Heidis Körper präpariert werden. «Ihre Körperhülle wollen wir erhalten, sie kommt nicht, wie sonst bei gestorbenen Tieren üblich, in eine Tierbeseitigungsanlage.»

Leipziger Opossum
Schiel-Heidi bekommt Fressen
Video: Zoo Leipzig/news.de

Zoo Leipzig hat Heidi viel zu verdanken

Die vergangenen Wochen waren eine Qual für die alternde Beutelratte. Sie habe Lähmungserscheinungen an den Hinterbeinen gezeigt. «Sie musste von den Pflegern gedreht werden, weil sie sonst in ihren eigenen Exkrementen lag.» Bereits eine Woche vor der Einschläferung sei sie aus dem Terrarium genommen worden, weil die Mitbewohner Teddy und Schwester Naira sie nicht mehr an den Futtertrog ließen. Doch das Aufpäppeln mit entzündungshemmenden Medikamenten und Vitaminen habe nicht funktioniert.

Zoo-Direktor Junhold weiß, dass er Heidi viel zu verdanken hat. Sie habe für das Gondwanaland geworben - und seit der Eröffnung der Tropenhalle im Sommer mehr als 700.000 Besucher gehabt. «Aber als Zoo-Direktor lebt man damit, dass Tiere sterben.» Das Merchandising mit dem schielenden Star soll trotz des Todes weitergehen. «Wenn Menschen Heidi-Tassen als Andenken haben wollen, dann wird es das weiter geben», sagt Junhold und fügt hinzu: «Elvis Presley ist ja auch immer noch berühmt.»

Leipziger Opossum
Heidi schielt im neuen Heim
Video: news.de/dapd

beu/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • schrader
  • Kommentar 3
  • 30.09.2011 07:44

Das ist traurig,und geht mir auch nah meinen Hund musste ich am 08.08.2011 auch einschläfern lassen!!Irgend ein Hunde hasser legte gift aus und ich konnte ihr nicht mehr helfen!!Heidi war echt süss!!

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  • Antonietta
  • Kommentar 2
  • 30.09.2011 06:49

Gefangen im Zoo - Wildtiere hinter Gittern: Die Argumente, mit denen die Existenz von Zoos gerechtfertigt wird, sind seit Jahren die gleichen: Es werde wissenschaftliche Forschung betrieben, eine weitere Aufgabe sei Bildung und Aufklärung der Besucher, außerdem könnten in den Zoos vom Aussterben bedrohte Tierarten gerettet werden, und schließlich würden die Tiere ja auch artgerecht gehalten. Die Realität sieht jedoch anders aus.

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  • Doreen
  • Kommentar 1
  • 28.09.2011 20:09

Schon traurig, dass Heidi nicht mehr ist ... doch, wenn man Prof. Eulenberger und sein Wirken einigermaßen verfolgt hat, dann weiß man einfach, dass er immer verantwortungsbewusst handelt. Tierliebe bedeutet auch ein Tier zu erlösen - Prof. Eulenberger hat im vorhinein über einen langen Zeitraum versucht zu helfen - wenn es keine Hoffnung mehr gibt. Alles andere wäre falsch verstandene Tierliebe. Man kann schon darauf vertrauen der Professor weiß was zu tun ist. Nicht umsonst ist sein Können immer wieder gefragt...

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