Benedikt XVI. Was vom Papstbesuch übrig bleibt

Papst Benedikt XVI. (Foto)
Ein letzter Gruß: Papst Benedikt XVI. flog zurück nach Rom und ließ viele enttäuschte Gläubige zurück. Bild: dpa

Von Petr Jerabek
Der Papst geht, die Probleme bleiben: Benedikt XVI. löste bei seinem Deutschlandbesuch Begeisterung aus - sorgte auf der anderen Seite aber auch für enttäuschte Gesichter. Zu zentralen Fragen gab er keine Antwort.

Religionen in Deutschland

Die deutschen Bischöfe können aufatmen. Der viertägige Deutschlandbesuch von Papst Benedikt XVI. hat organisatorisch bestens geklappt. Der Papst hat sein Mammutprogramm trotz seiner 84 Jahre gut gemeistert und ist anders als vor fünf Jahren in Bayern in kein Fettnäpfchen getreten. Zurück lässt der Papst viele begeisterte und gestärkte Katholiken, aber auch zahlreiche enttäuschte Erwartungen.

Benedikt enttäuschte engagierte Katholiken, die sich Impulse für konkrete Reformen in der Kirche erhofft hatten. Mehr noch: Er geißelte explizit selbst entworfene «Kirchenträume», warf Reformbewegungen ein fehlerhaftes Kirchenverständnis vor und rief stattdessen zur Demut sowie zur Treue zu Bischöfen und Papst auf. Er enttäuschte alle Christen, die sich von ihm ein «ökumenisches Gastgeschenk», wie es der Papst selbst formuliert hatte, versprochen hatten.

Benedikt XVI.
Papst privat

Die Missbrauchsproblematik in der Kirche schnitt er zwar an und traf sich auch mit Betroffenen, die Opferverbände sparten aber dennoch nicht mit Kritik. Er ging nicht auf den Wunsch der Juden nach einem erneuten klaren Wort zum Streit über die Piusbruderschaft oder die Wiederzulassung der Karfreitagsfürbitte für die Erleuchtung der Juden ein. Und beim insgesamt sehr versöhnlichen Treffen mit den Muslimen spielten die Irritationen über die Regensburger Vorlesung keine Rolle.

Gemeinsam für eine bessere Welt

War es also eine Reise der verpassten Gelegenheiten, wie die Reformbewegung «Wir sind Kirche» beklagte? Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller hatte schon am Freitag nach dem Erfurter Ökumene-Treffen betont: «Enttäuschung hat immer etwas zu tun mit einer falschen Erwartung.»

Papst in Freiburg
Zehntausende feiern Messe
Video: AP

Benedikt ist ein aufmerksamer Leser deutscher Zeitungen, empfängt in Rom immer wieder Delegationen aus der Heimat. Er kannte die vielfältigen Erwartungen, die ihm in Deutschland entgegenschlugen - und die er wohl auch dann nicht hätte alle erfüllen können, wenn er es darauf angelegt hätte. Aber das Kirchenoberhaupt setzte sich über die Erwartungen weitgehend hinweg, um eine aus seiner Sicht ganz grundlegende Botschaft zu verkünden: Er rief auf zur Besinnung auf Gott, auf das Fundament und den Kern des Glaubens. Das ist der rote Faden, der sich durch nahezu alle Ansprachen dieser vier Tage zog.

Der Papst wollte nicht nur die gebeutelten Katholiken in seiner Heimat aufrütteln, sondern alle Christen, ja auch Juden und Muslime. Angesichts einer Gesellschaft, in der Religion und Glaube immer mehr zu Randerscheinungen werden, mahnte der Papst, sich auf religiöse Grundwerte zu besinnen und gemeinsam für den «Aufbau einer besseren Welt» zu kämpfen.

Papstbesuch
Souvenirs! Souvenirs!

Ringen um Konsens

Hinter diesem großen Ziel müssen für den Papst Partikularinteressen zurückstehen. Der Weg zu diesem Ziel bringt nach Einschätzung Benedikts aber auch die Lösung vieler konkreter Probleme, wie er in Berlin, Erfurt und Freiburg deutlich machte: Der gemeinsame Einsatz von Katholiken mit Juden und Muslimen für grundlegende ethische Werte soll den interreligiösen Dialog beflügeln. Das Ringen mit der evangelischen Kirche um einen Konsens in sozialpolitischen Fragen soll die Ökumene stärken. Und die «Umkehr» der Katholiken, die Besinnung auf Gottesdienstbesuch, Gebet und Bibellektüre hilft der Kirche aus Sicht des Papstes eher aus der Krise als langwierige Debatte über Zölibat oder Frauenpriestertum.

Das Motto des Deutschlandbesuchs - die These: «Wo Gott ist, da ist Zukunft» - war in der Tat der große gemeinsame Nenner der vergangenen Tage. Inwieweit den Gläubigen die Worte des Papstes bei den ganz konkreten Fragen und Problemen des Alltags eine Hilfe sein werden, wird sich zeigen. Dem einen oder andere wird seine Enttäuschung sicher noch einige Zeit zu schaffen machen.

Allerdings war der Papst während seiner Reise auch für die eine oder andere Überraschung gut: Da war das indirekte Lob für die Grünen im Bundestag und die ausführliche Würdigung Luthers in Erfurt. Und da war vor allem seine Rede im Freiburger Konzerthaus zum Abschluss, in der das Oberhaupt der Weltkirche die deutsche Kirche aufrief, «materielle und politische Lasten und Privilegien» abzulegen, auf Machtansprüche zu verzichten, die sie von ihrem eigentlichen Auftrag ablenken.

eia/boi/news.de/dapd

Leserkommentare (7) Jetzt Artikel kommentieren
  • Longus
  • Kommentar 7
  • 30.09.2011 00:07
Antwort auf Kommentar 6

Auch R´s. hübsch zusammengebastelte sätze können nicht darüber hinwegtäuschen, dass seine welt sehr begrenzt ist. Er hat nichts begriffen. So erlebe ich es oft, dass er mir mit meiner lebenserfahrung, meines bewusstseins u. meines gewaltigen allgemein,- u. spezialwissens nicht das wasser reichen kann. Es kommt von ihm nur hilfloses geschreibsel, nur um immer das letzte wort zu haben. Gläubige sind eine gefahr für welt. Zuerst verbieten sie Darwins bücher an den schulen, danach verbrennen sie sie. (wie geschehen kürzlich in USA) u. dann vielleicht menschen. Man erinnere sich.

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 6
  • 29.09.2011 16:29
Antwort auf Kommentar 5

Wieder einmal ist die Einfalt bei den Krittlern an R´s Vernunft. Ein Gottesbeweis führt nicht - unbedingt - zu einem real existierenden Gott. Vielmehr ist der Gottesbeweis ein Erkenntnisverfahren, das die Güte der Wissenschaft prägt, deren Vollkommenheit und Erstklassigkeit - wie bei einem Gott! Gegenüber diesem Ideal ist alles inferior und unvollkommen. Und genau so verachtungswert, wie der Hass. Weg mit den Scheuklappen, Herr Longus! RAGNAROEKR missbilligt also auch die Verachtung von Gläubigen durch Gottlose aus Vernunftsgründen. Nicht nur realiter also.

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  • Longus
  • Kommentar 5
  • 28.09.2011 23:32
Antwort auf Kommentar 4

R. geiffert mittelalterlich hilflos. Damit hast du deinen begrenzten horizont selber bestätigt. Es gibt keine gottesbeweise. Sie werden von dogmatikern nur als solche beschworen u. versucht untertanen wie deinesgleichen aufzuschwatzen. Im übrigen wurde ich bis zum 14 lebensjahr in der jüdischen religion erzogen. Danach auf wunsch meines vaters auch in der christlichen. (hier widerholung von K3) Deine spekulationen über meine person sind besorgniserregend bezüglich deines geisteszustands. Nimm mal deine hasskappe ab, dann besteht bei dir hoffnung auf geistige gesundung u. erkenntnis.

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