Papst in Deutschland Pomp ohne Substanz?

Papst Benedikt XVI. (Foto)
Zur Abschlussmesse in Freiburg begrüßte Papst Benedikt XVI. rund 100.000 Pilger. Bild: dpa

«Inhaltlich zu wenig»: Der Papstbesuch hat tausende Pilger in Extase versetzt. Von den Inhalten, die Benedikt XVI. vermittelte, und den Konflikten, die er ansprach, haben sich manche Experten jedoch mehr erhofft.

Tausende haben gegen ihn protestiert, aber Hunderttausende haben ihn bejubelt. Der Deutschlandbesuch von Papst Benedikt XVI. hätte aber mehr bewegen können, meint der katholische Theologe Daniel Bogner vom Exzellenzcluster Religion und Politik der Universität Münster: «Inhaltlich war das, gemessen an den Erwartungen, zu wenig.» Die stille Hoffnung vieler auf den «großen Durchbruch, etwa in Fragen der Kirchenreform», sei enttäuscht worden, sagte Bogner. «Stattdessen haben sich viele Gläubige an die eindrucksvolle Stimmung gehalten.»

Einzig die Ansprache des Papstes im Bundestag habe eine Debatte angestoßen, die «die innerkirchliche Kultur verändern» könnte. Mit der Forderung nach einer «Ökologie des Menschen» habe sich Benedikt zum Anwalt von Menschenrechten gemacht. Von den Ansprüchen, die der Papst damit an die Politik formuliert habe, könne er auch die Kirche nicht ausnehmen, sagte Bogner. «Die Folgen dieser Rede werden noch zu spüren sein.»

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Durch seine Auftritte habe der Papst ansonsten in gewisser Weise ein religiöses Konsumbedürfnis bedient, meinte Bogner. «Die stimmungsvollen Momente helfen aber mit den Spannungen, mit denen man als Katholik heute zu leben hat, wenig weiter.» Solche Spannungen ergäben sich zum Beispiel aus der Sexualmoral oder der innerkirchlichen Rechtskultur. Durch den Besuch sei zwar trotz der schweren Krise der Institution Kirche «die Vitalität des christlichen Glaubens» wachgerufen worden. «Es könnte aber soviel mehr Begeisterung und auch Akzeptanz bei Kritikern geben, wenn es der Kirche gelingen würde, ihre eigenen inneren Blockaden zu lösen.»

Einen großen Imagegewinn kann sich die katholische Kirche nach Ansicht Bogners von dem Papstbesuch nicht erhoffen. «Image ist keine Kategorie für die Kirche. Aber der Besuch hat gezeigt, dass die Kirche in der Gesellschaft mitreden will und auch etwas zu sagen hat.» Der Papst sei in seinen Reden von der Perspektive der Menschen und nicht von der Institution Kirche oder dem Glauben als System ausgegangen. «An dieser Stelle war seine Botschaft modern.»

Das Treffen des Papstes mit Missbrauchsopfern wertete der Theologe als «glaubwürdiges symbolisches Zeichen». Seine unveränderte Haltung zur Ökumene habe hingegen enttäuscht: «Er hätte klar Wünsche benennen können, wo es hingehen soll. Dass das nicht geschehen ist, war für viele sicher eine Enttäuschung.»

Benedikt XVI.
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zij/news.de/dpa

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Rudolf Micknass
  • Kommentar 2
  • 26.09.2011 05:22

Welch ein Kontrast!Auf der einen Seite ist die Wissenschaft fast faehig,Leben zu erzeugen und auf der anderen Seite hul- digen immer noch (wissenschaftler zT eingeschlossen)selbst "aufgeklserte"Menschen,wohl wegen Mangels anSelbstbewusstsein "Idolen",die ihre Gefuehle zu manipulieren wissen,meistens zwecks Kassenfuellung. Fuer mich ist der Papst,Verzeihung,ein Beamter,der sich an seine ueberholten Paragraphen haelt und sich nicht an Jesu Auftrag an die Apostel haelt und dem es egal ist,wenn Christen Andersdenkende eliminieren.Ihm staende es zu,angesichts der Hungernden im Bus zu reisen,oder?

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  • Rudolf Micknass
  • Kommentar 1
  • 26.09.2011 05:22

Welch ein Kontrast!Auf der einen Seite ist die Wissenschaft fast faehig,Leben zu erzeugen und auf der anderen Seite hul- digen immer noch (wissenschaftler zT eingeschlossen)selbst "aufgeklserte"Menschen,wohl wegen Mangels anSelbstbewusstsein "Idolen",die ihre Gefuehle zu manipulieren wissen,meistens zwecks Kassenfuellung. Fuer mich ist der Papst,Verzeihung,ein Beamter,der sich an seine ueberholten Paragraphen haelt und sich nicht an Jesu Auftrag an die Apostel haelt und dem es egal ist,wenn Christen Andersdenkende eliminieren.Ihm staende es zu,angesichts der Hungernden im Bus zu reisen,oder?

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