Papstbesuch Mit dem Ratze-Fummel die Sünden löschen

Der Papst besucht Deutschland (Foto)
Papst Benedikt XVI. zelebriert im Eichsfeld in Etzelsbach auf der Altar-Bühne nahe der Wallfahrtskapelle die Marienvesper. Bild: dapd

Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus, Etzelsbach
Fischbrezel, Postkarten und der Papst aus Pappe: Bei Benedikts Besuch im Eichsfeld floriert der Handel mit Souvenirs. Vieles davon braucht danach kein Mensch mehr, anderes soll den Weg direkt in den Himmel ebnen - und alle Sünden löschen.

Zwei Euro kostet der Weg zur Löschung aller Sünden. Das Ratze-Fummel, ein Radiergummi mit dem Abbild des Papstes, ist heißbegehrt im Eichsfeld. «Sie schreiben mit dem Bleistift ihre Sünden auf, radieren Sie mit dem Ratze-Fummel weg - und alles ist gut», sagt der Verkäufer. Wenn doch alles im Leben so einfach wäre.

Mehr als 80.000 Menschen sind auf dem Eichsfeld in Thüringen. Und jeder möchte etwas davon mitnehmen. Irgendetwas, das mehr ist als die bloße Erinnerung an die Vesper mit Papst Benedikt XVI.

Die katholische Zeitung Tag des Herrn bietet ein Foto mit dem Papst selbst an. Weil der aber noch in Erfurt ist, wird er durch einen Pappaufsteller ersetzt. Die Schlange für das Foto mit dem profillosen Stellvertreter des Stellvertreters ist lang - bis zum Stand mit den Crepes. An einer Stelle vermischen sich die Wartenden. Dort die Foto-Anwärter, auf der anderen Seite die, die eine Postkarte an die Daheimgebliebenen mit dem Papst-in-Eichsfeld-Stempel versehen wollen.

Papstbesuch
Souvenirs! Souvenirs!

«Mama, wenn du mich suchst, ich bin beim Papst»

Und dann sind da noch die Tücher! Der grüne, gelbe oder rote Stoff schmückt im Eichsfeld viele Hälser - dabei scheint die Sonne vom Himmel, es ist eindeutig Sommerwetter. Doch jeder möchte hier zeigen «Der Papst ist da und ich gehöre dazu». Viele tragen die gelben Papst-Shirts, es ist beinahe wie bei einem Rockkonzert. Nur steht hier nirgendwo Oasis, hier steht Papst.

An den Pilgerwegen entlang, staubig und schwer zu begehen, stehen Tapeziertische. «Lasst euer Kreuz vom Papst segnen» steht auf einem scheinbar eilig ausgedruckten Papier. Ein großer Korb enthält mit einer Haushaltsschere ausgeschnittene Kreuze aus Leder. «Handwerk» nennt das ein Mann mit nach hinten gegelten Haaren. Die Pilger würdigen ihn ausnahmsweise keines Blickes.

Vor Staatsbesuch
Papst freut sich auf Deutschland
Video: dapd

Ganz im Gegensatz zu der Frau mit den Brezel-Fischen. Der Fisch als Symbol der Christenheit ist hier als Aufkleber oder Kette zu sehen - oder eben als Stärkung für zwischendurch. Wie im Stadion läuft sie mit einem großen Bastkorb durch die Reihen von Pilgern, die es sich auf Wallfahrtsstühlchen oder Picknickdecken gemütlich gemacht haben. Kinder spielen mit dem Ball. «Mama, wenn du mich suchst, ich bin beim Papst» steht auf dem T-Shirt eines Mädchens.

Wo die Mutter währenddessen ist? Die ist nicht zu sehen. Vielleicht kauft sie gerade ein.

cvd/news.de

Leserkommentare (10) Jetzt Artikel kommentieren
  • loddel
  • Kommentar 10
  • 27.09.2011 18:43
Antwort auf Kommentar 7

Der Respekt vor Gläubigen verbietet mir, eine Eucharistiefeier mit dem Pabst, wie z.B. am Sonntag mit 100.000 Menschen jeden Alters, als Show zu bezeichnen. Selbst für mich als kritischen Katholiken war dies ein unvergessliches, eindruckvolles und einmaliges Erlebnis. Anreise im Verkehrsverbund Freiburg, Eintritt und Getränke war übrigens kostenlos.

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  • Adolar
  • Kommentar 9
  • 26.09.2011 14:22
Antwort auf Kommentar 3

Wie unmanipulierbar ist der Teil der Menschheit, der sich "hpklimbim" nennt, tatsächlich?

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  • Ellipirelli
  • Kommentar 8
  • 25.09.2011 13:35
Antwort auf Kommentar 7

BINGO!!!!:-)

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