Zugunglück in Sachsen «Das Leben ist wohl Glückssache»

Zugunglück in Sachsen (Foto)
Ein Regionalexpress hat im sächsischen Bad Lausick ein auf den Schienen stehendes Auto mit 115 Stundenkilometern gerammt. Bild: dpa

Jan GrundmannVon news.de-Redakteur , Bad Lausick
Ein Auto steht plötzlich auf den Schienen, weil ein Transporter auffährt - und ein Zug rast hinein. Beim schweren Unfall in Bad Lausick hatten viele Menschen einen Schutzengel, als der Zug mit 115 Stundenkilometern das Auto rammte und entgleiste.

Es ist 13.08 Uhr, als der Fahrer eines Ford Fiestas seinen Wagen am Bahnübergang stoppt. Das Andreaskreuz blinkt, doch die Schranke senkt sich nicht. Ein nachfolgender Transporter bremst nicht rechtzeitig und schiebt den Kleinwagen mitten auf die Gleise. Glück im Unglück: Menschen ziehen den 64-Jährigen aus dem Fahrzeug, ob es Passanten waren oder der Fahrer des Transporters, darüber gibt es noch widersprüchliche Angaben.

Denn kurz danach kommt der Regionalexpress von Leipzig nach Chemnitz auf der eingleisigen Strecke angeschossen. Es ist eine uneinsichtige Kurve, die der Zug zurücklegt, bevor dieser mit 115 Stundenkilometern den Kleinwagen rammt und selbst teilweise aus den Gleisen kippt. Etwa 80 Fahrgäste sind an Bord der vier Waggons. Der Triebwagen landet auf der Wiese neben dem Gleisbett. Zwei weitere Wagen entgleisen. Das Auto ist nur noch ein Metallklumpen, noch viele Meter hatte der Zug den Fiesta mitgeschleift. Das Bild ist beängstigend: Die Schienen sind verbogen und tonnenschwere Waggons liegen da, als hätte sie jemand wütend hingeschmissen.

Sachsen
Schweres Zugunglück bei Leipzig
Zugunglück bei Bad Lausick (Foto) Zur Fotostrecke

«So was Schlimmes haben wir noch nicht erlebt»

«Ich hörte die vielen Sirenen, danach bin ich hergekommen», sagt eine Anwohnerin. So wie die 52-Jährige sind viele Menschen aus Lauterbach zum Ort des Unglücks gelaufen, einem kleinen Teil der westsächsischen Kurstadt Bad Lausick. «Das war ein ganz schön heftiges Ding, so was Schlimmes haben wir hier noch nicht erlebt», sagt sie erschüttert.

Es gibt dieses eine Wort, das die Stimmung an diesem sonnigen Septembertag beschreibt. Glück hatte der Autofahrer, das er rechtzeitig aus seinem Fiesta gezerrt wurde. Glück hatten viele der Passagiere, die unverletzt davon kamen. Und Glück hatten auch die Anwohner der Häuser. Denn die entgleisten Waggons sind in keines der Einfamilienhäuser gekracht, die weniger als zehn Meter von der Strecke entfernt stehen.

Aufräumarbeiten dauern an

Drei Rettungshubschrauber waren im Einsatz, um die Verletzten in die umliegenden Krankenhäuser zu bringen. Sechs Schwer- und 15 Leichtverletzte seien es, so Michael Hille, Pressesprecher der Polizei Westsachsen. «Ich fahre diese Strecke jeden Tag mit dem Auto», sagt er und schaut sich die Szenerie an, die sich nun, einige Stunden nach dem Unglück, beruhigt hat. Doch noch immer sind Dutzende Rettungskräfte im Einsatz. In den umliegenden Straßen reihen sich die Rettungsfahrzeuge, Notfallseelsorger laufen umher, die Feuerwehr hat Zelte aufgebaut.

Am frühen Mittwochmorgen begannen Einsatzkräfte damit, die entgleisten Waggons mit Schienenkränen zurück auf die Strecke zu heben. Die schwere Bergungstechnik war gegen Mitternacht eingetroffen. Die Zugteile sollen nach der Bergung abgeschleppt und in eine Werkstatt gebracht werden. Wann die gesperrte Strecke Geithain-Leipzig wieder freigegeben werden kann, ist noch unklar.

Am Unglücksort verfolgt auch ein 21-Jähriger aus Lauterbach das Geschehen. «Ich saß in dem Zug, der eine Stunde vorher fuhr», sagt er, stockt kurz und setzt wieder an: «Das Leben ist wohl eine ziemliche Glückssache.»

roj/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Volker Martin
  • Kommentar 1
  • 21.09.2011 11:30

"Das Leben ist wohl Glückssache" Wau! Das ist an Zynismus kaum zu übertreffen. Absolut einfach vermeidbar wäre dieser Unfall gewesen, wenn Autofahrer endlich mal nur dann autofahren dürften, wenn sie dazu charakterlich in der Lage wären. Wer Tomaten auf den Augen hat ist das nicht.

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