Ängste und Sorgen Darum können wir nachts nicht schlafen 

Von news.de-Volontär Ronny Janke
Sie lähmt und bereitet uns zuweilen schlaflose Nächte: die Angst. Egal wovor - die Deutschen hatten in vergangener Zeit genügend Gründe, Angst zu haben. Dabei haben ganz neue Ängste die alten ersetzt. Welche das sind? News.de verrät es Ihnen.

2011 war das Jahr der Katastrophen, alte Ängste wurde bestätigt und neue wurde geschürt. Eine aktuelle Studie der R+V Versicherung hat herausgefunden, wovor sich die Deutschen am meisten fürchten. Fast zeitgleich ist ein Buch mit dem Titel Fürchtet euch nicht! erschienen. Darin erzählen Menschen aus der Sport-, Medien-, Politik- und Finanzwelt von ihren Ängsten und darüber, wie sie sie bewältigt haben.

Mehr als 60 Prozent der Deutschen fürchten sich - das zeigt die Studie - vor steigenden Lebenshaltungskosten. Damit liegt diese Sorge zwar nicht auf dem ersten Platz der Ängste-Rangliste, ist aber eine, die die Deutschen Jahr für Jahr gleichermaßen stark beschäftigt. Mehr Kopfzerbrechen bereitet in diesem Jahr nur die Angst vor der drohenden Finanzkrise: 70 Prozent aller Bundesbürger befürchten, dass sie mit ihren Steuergeldern ausbaden müssen, was andere EU-Länder verbockt haben.

Die Horror-Angst vor den Naturgewalten


Martin Häusler, Journalist und Autor des Interview-Buches Fürchtet euch nicht!, hat mit einem Banker über die Ängste der Kunden gesprochen, die im Zuge der weltweiten Finanzkrise enorme Zukunftssorgen plagen. Die amerikanische Hypothekenkreditkrise habe viele Menschen verängstigt, sagt der Banker, der in dem Interview lieber anonym bleiben will. Er erzählt von den kleinen Kunden, aber auch von den großen, den millionenschweren Anlegern. «Erst wenn der gefühlte Schmerz da ist, wenn die Angst zu groß ist, dann reagieren wir, und das ist schade», sagt der Finanzexperte über den Umgang mit Geld. Und doch könnte diese Aussage für all das stehen, was uns Menschen Angst macht.

Fast genauso besorgniserregend wie die persönlichen Finanzen und die des Landes, bewerten die Deutschen die Zunahme an Umweltkatastrophen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Überschwemmungen, Erdbeben oder freigesetzte Radioaktivität durch zerstörte Atomkraftwerke handelt. Etwa 60 Prozent der Befragten fürchten sich vor den schrecklichen Folgen von Naturkatastrophen. Zumindest was den Ausstieg aus der Atomenergie betrifft, reagiert die Bevölkerung gelassen. Nur etwa 28 Prozent haben Angst davor, dass eine umweltfreundlichere Energiegewinnung die Stromversorgung in Deutschland gefährden könnte.

Angst, ein gesellschaftliches Problem


Auch beim Thema Essen kennen die Deutschen keinen Spaß: Angst macht sich bei der Vorstellung von dioxinverseuchten Eiern oder mit dem EHEC-Erreger belastetem Gemüse unter 70 Prozent der Deutschen breit. Neben der durchaus berechtigten medizinischen Angst, diagnostiziert Traugott Ullrich, Facharzt für Urologie und Chirurgie, auch eine gesellschaftliche Angst, die zum psychologischen Problem wird und die Bevölkerung zusätzlich befällt.

«Die Leute sagen nicht, dass sie ein Angstproblem haben, sondern klagen über chronische Kopfschmerzen, chronische Rückenschmerzen, chronische Magen-Darm-Beschwerden, über Herzrhythmusstörungen», so Ullrich über Patienten, die vor ihm sitzen. Den Facharzt stört an diesem Umstand, dass sich so keine gute Diagnose erstellen lässt. Am Ende würde es einfach zum Ärzte-Wechsel kommen. Die Ängste aber bleiben. Dem Mediziner ist es wichtig, dass psychologische Erkrankungen, wie auch Angst eine sein kann, keine Seltenheit sind.

So wie 2009 der Fall von Robert Enke, dem deutschen Nationaltorhüter, gezeigt hat, gelten Depressionen und Ängste in der Gesellschaft als deutlicher Makel an einem Menschen. Ullrich weißt in diesem Zusammenhang noch auf einen anderen Angsttyp hin. Einen, der jeden von uns seht schnell befallen kann: Obwohl man sich kerngesund fühlt, glaubt man plötzlich krank zu sein, nur weil einige Leute um einen herum krank werden. Oder aber die ständige Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, die einigen Menschen im Nacken sitzt und deren Leben komplett beherrscht. Schon in solchen Fällen seit es ratsam, Hilfe bei einem Psychologen zu suchen, so Ullrich.

Roland Koch und die Angst vor der Kurve

Deutlich berechtigtere Ängste haben Menschen hinsichtlich vieler Politiker, von denen mehr als 50 Prozent der Bevölkerung glaubt, dass sie mit ihren Aufgaben überfordert sind. Im Buch Fürchtet euch nicht! von Martin Häusler spricht auch Roland Koch, ehemaliger Ministerpräsident von Hessen, über Ängste, die ihn im Laufe seiner Politikerkarriere beschäftigt haben. Über die Zeit der CDU-Parteispendenaffäre, an der er zwar nicht beteiligt gewesen ist, sagt Koch, dass er «ernsthafte Sorge verspürte (...) von der politischen Welle getroffen» zu werden. Mittlerweile prägen den ehemaligen Politker auch ganz alltägliche Ängste, wie die, «ob das Auto die Kurve noch kriegt».

Trotz aller Sorgen, die die Deutschen haben, hat die Studie zur Angstforschung auch ergeben, dass die Menschen so optimistisch sind, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Angst erzeugt Aufmerksamkeit, zu viel Angst lähmt uns jedoch und verhindert so, dass wir Probleme bewältigen können.

Martin Häusler, Autor des Buches
Fürchtet euch nicht! (Die Vertreibung der deutschen Angst), hat mit 13 prominenten Menschen aus Politik, Kultur, Medien, Wirtschaft, Kultur und Sport gesprochen, um dem Geheimnis der Angst auf die Spur zu kommen. Häusler traf sich unter anderem mit Esther Schweins, Roland Koch, Christoph Daum und Ulrich Tukur, um über deren Ängste und Gegenmittel zu sprechen. Das Buch ist bereits erschienen, 280 Seiten dick und kostet 19,95 Euro.

Ehec, Atomkraftwerke und Co.
Die Angst im Nacken

Mehr zum Thema Angst lesen sie im news.de-Dossier.

Phobien
Die Welt ist besessen von Ängsten
Frauenleiden
Davor fürchten sich Frauen am meisten

beu/news.de

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