Von news.de-Volontär Ronny Janke, Leipzig - 04.09.2011, 08.42 Uhr

Wunderwelt Mode: So sexy waren die Frauen der DDR

Ob Erich Honecker das wusste? Die Frauen auf seiner Seite der Mauer träumten nicht nur von schicker West-Mode, sie fertigen sie selbst an. Jetzt zeigt eine Ausstellung in Leipzig, wie gut die Frauen im Osten sich zu kleiden wussten.

Die hatten ja nichts, damals. Und doch war früher alles besser. Oder zumindest nicht so schlecht, wie uns heute immer wieder einzureden versucht wird. Die DDR ist noch immer eine vergangene Republik voller Geheimnisse. Bananen gab es nicht, dafür jede Menge Gurken aus dem Spreewald. Richtige Männer gab es genauso wenig, bis David Hasselhoff kam und die Mauer niedersang. Und die Frauen trugen nur Kittelschürze, während sie den ganzen Tag am Herd standen und die Kochbuchsammlung auf ehetaugliche Rezepte durchforsteten.

Es ist an der Zeit, zumindest mit dem zuletzt genannten Vorurteil aufzuräumen: Die Frauen der DDR hatten modisch viel mehr zu bieten als das Bild, das manch einer jetzt vor Augen hat. Die Ausstellung «Mode in der DDR zwischen Traum und Wirklichkeit» räumt auf mit den Vorstellungen, die mancher Bundesbürger auch heute noch hat. Bis zum 8. Januar 2012 ist sie im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig zu sehen.

Kleider mit Namen Ilona, Gitta und Irene

Wie es sich für eine Ausstellung über Mode gehört, gibt es einen Catwalk, der in einen Ausstellungsraum führt. Dort, wo sonst die Genossen mit offenen Mündern standen und den schönsten Frauen des Landes in den schönsten Kleidern des Landes beim Lauftstegschweben zusahen, sind jetzt Fernsehmonitore angebracht - Modedokumentationen laufen dort in Dauerschleife.

Neben Bewegtbildaufnahmen dieser Zeit gibt es zahlreiche Skizzen von Modedesignern zu sehen. Die Kleider haben die Namen von Frauen: Ilona, Gitta, Irene, Dagmar, Mechthild. Aber was bieder klingt, wirkt nicht so. Viele der Kleidungsstücke könnte auch von Pariser Modedesignern der 1970er Jahre kreiert worden sein. Irgendwo hängen Zeichnungen der Modelinie «Krakuum» und für einen kurzen Moment wähnt man sich in der Zukunftsvision eines amerikanischen Hollywoodstreifens: Gerade und zackig-strenge Schnitte und irgendwie fehlt nur noch das Raumschiff, das gerade abhebt.

Der ehrliche Charme, kein verstaubter

Im großen Ausstellungsraum selbst hängen zahlreiche Kleider, über Puppen gespannt oder in der Luft. Sie zeigen den Besuchern, dass die Kleider und Anzüge der DDR-Frauen weit entfernt waren von der biederen und küchentauglichen Kittelschürze. All das ist Kulturgeschichte, die sich auch in den Versandhauskatalogen widerspiegelt, von denen einige Katalogseiten an eine Wand tapeziert sind. Darin ist auch Männermode zu sehen, die heute schon wieder «hipp» ist und damals noch mit «sportlich und flott» beworben war. Und irgendwie hat das Charme, keinen alten, nicht den verstaubten, sondern den der echten und ehrlichen Sorte.

Dass Leipzig Messestadt war und ist, beweisen auch die schwarz-weiß Bilder des Modefotografen Günter Rössler, der auf seinen Fotos festgehalten hat, wovor heute so mancher staunend und mit offenem Mund stehen dürfte: Atemberaubend schöne Frauen in schönen Kleidern, heftig kritisiertem Pelz und - statt dem strengen modernen Modelblick – mit natürlichem Lächeln. Nicht nur Rösslers Bilder, sondern auch viele der Modestücke scheinen zeitlos schön, nichts daran wirkt altbacken. Und wieder einmal zeigt sich: Kleider machten schon immer Leute, auch in der DDR. 

Noch bis zum 8. Januar 2012 können Sie die Ausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig besuchen. Nähere Informationen über Öffnungszeiten, Eintrittspreise und besondere Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung finden Sie hier.

FOTOS: Rudolf Horn Der Herr Ikea des Sozialismus

beu/news.de

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