Zurück aus dem Glück Kuh Yvonne beendet Sommerausflug

Wochenlang versteckte sich Kuh Yvonne im oberbayerischen Wald. Nun hatte sie wohl genug vom wilden Leben: Sie schloss sich vier Kälbern an, wurde an einem Weidezaun entdeckt und per Schuss betäubt.

Kuh Yvonne (Foto)
Der Tierarzt Henning Wiesner, der die Betaeubung vorgenommen hatte, zeigte sich erstaunt über die Gegenwehr der Kuh.  Bild: dapd

Nach 98 Tagen Versteckspiel ist die ausgebüxte Kuh Yvonne im oberbayerischen Ampfing (Landkreis Mühldorf am Inn) eingefangen worden. Am Donnerstag war die Kuh, die ein Reh sein will, am Gatter einer Weide entdeckt und eingelassen worden. Sie hatte sich dort vier Kälbern angeschlossen. Identifiziert wurde sie dann per Ohrmarke.

Ein erster Versuch, Yvonne noch am Abend mit Hilfe eines Schusses aus einem Betäubungsgewehr einzufangen, wurde nach Einbruch der Dunkelheit aufgegeben. Am Morgen um kurz nach 7 Uhr war es dann soweit. «Nach dem Schuss trabte Yvonne noch ein paar Schritte durch die Weide und legte sich dann hin», schilderte die Aiderbichl-Sprecherin. Sie sollte nach dem Verladen auf einen Viehtransporter aber mit einem Gegenmittel rasch wieder quicklebendig gemacht werden. Noch heute wird Yvonne auf dem Gnadenhof von Gut Aiderbichl in Deggendorf eintreffen und dort ihre «Familienmitglieder» sehen.

Sommerloch: Kühe, Reptilien, Schätze und Co.

Das Schicksal des aus Österreich stammenden Rindes Yvonne hatte wochenlang selbst im Ausland für Schlagzeilen gesorgt. Dazu trug auch bei, dass Gut Aiderbichl Yvonne ihrem Besitzer abgekauft hatte, um ihr wie weiteren 400 Artgenossen auf einem der Gnadenhöfe den Schlachthof zu ersparen und einen ruhigen Lebensabend zu ermöglichen. Auch Yvonnes Sohn Friesi und Schwester Waltraut sowie Kälbchen Waldi sollen dort friedlich mit der berühmten Verwandten grasen können.

Skurrile Suche

Was wurde nicht alles versucht, um die flüchtige Kuh aus ihrem selbst gewählten Exil zu locken: Die Schwester Waltraut wurde im Wald angebunden, ein Ochse sollte locken, ein Hubschrauber überflog den Wald mehrfach und zig Kuh-verrückte Helfer waren bei der Suche tagelang zu Fuß unterwegs. Nichts von alledem hat Yvonne so gereizt, dass sie sich gestellt hätte. Bis sie wohl dann doch kein Reh mehr sein wollte und wieder die Gesellschaft der Artgenossen suchte.

Entlaufene Kuh: Yvonne ist wieder da
Video: dapd

Von der intensiven Suche nach dem Rindvieh hatte so mancher schon länger genug. Der Jagdpächter und Kreisvorsitzende des Bayerischen Jagdverbandes, Erich Loserth, nannte den ganzen Einsatz bald «Klamauk» und fügte hinzu: «Die ganze Region ist bedeppert.»

Doch die Yvonne-Fangemeinde in den Medien wuchs weiter - im Internet und weiter über die Grenzen Bayerns hinaus. So gibt es T-Shirts mit der Forderung «Esst mehr Gemüse! Freiheit für Yvonne!» Und es erklangen die ersten Yvonne-Lieder. «Hey Yvonne, du wuide Kuh, lebst im Wald, wuist nur dei Ruh», singt die Gruppe «Gnadenkapelle».

Erst nach etlichen Suchaktionen, Fang- und Lockversuchen hat der Gnadenhof Aiderbichl aus Deggendorf beschlossen, das ausgebüxte Rind weitgehend in Ruhe zu lassen. «Wir haben alle Helfer dazu aufgefordert, den Wald zu verlassen. Nur ein Jäger mit einem Betäubungsgewehr und ein Aiderbichl-Mitglied halten die Stellung», sagte Hans Wintersteller vom Gut am Wochenende. Und das wirkte wohl - vielleicht war es der unternehmungslustigen Yvonne im Wald nun wieder zu ruhig geworden. Sie kam von sich aus heraus.

cvd/jag/news.de/dpa

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