Bonn Sexsteuer-Automat lässt Stadtkasse schwellen

NRW richtet Runden Tisch zur Prostitution ein (Foto)
Geld für ebbe Stadtkasse: In Bonn muss jede Prostituierte für sechs Euro ein Sex-Ticket am Automaten ziehen, um arbeiten zu dürfen. Bild: dapd

Die Prostituierten auf dem Bonner Straßenstrich müssen vor Geschäftsbeginn selbst löhnen: An einem Sexsteuer-Automaten sollen sie ein Ticket ziehen. Sechs Euro kostet die Standgebühr pro Nacht. Mit dem Geld will die Stadt ihr Finanzloch stopfen.

Der Apparat ist ein umgerüsteter Parkscheinautomat, auf dem «Steuerticket-Automat» steht. Auf einem Display heißt es: «Die Nacht 6,00 Euro». Und wie beim Parkschein ist auch hier eine Betriebszeit angeschlagen: Montag bis Sonntag, 20.15 Uhr bis 6 Uhr.

Bonn scheint bei dem Sexsteuer-Automaten bundesweit ein Vorreiter zu sein. Weder beim Städte- und Gemeindebund noch bei der Berliner Prostituierten-Interessenvertretung Hydra kennt man Gleiches. In Dortmund gibt es ein ähnliches Tagesticket, das die Frauen in einer nahen Tankstelle kaufen können, aber keinen Automaten.

Bonn kann jeden Euro gut gebrauchen, denn in der Stadtkasse herrscht Ebbe. Seitens der Stadtverwaltung ist das Argument zu hören, es gehe auch um Steuergerechtigkeit. Prostituierte in festen Etablissements wie Bordellen, Eros-Centern oder Saunaclubs seien schließlich auch steuerpflichtig, sagte Stadt-Sprecherin Monika Frömbgen.

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135 Tickets pro Nacht

Bonn hatte eine solche Sexsteuer Anfang 2011 eingeführt. Von ihr erwartet die Stadt laut Frömbgen Einnahmen in Höhe von etwa 300.000 Euro. Das heißt: Jede Nacht müssten rund 135 Sexsteuer-Tickets am Automaten gezogen werden.

Bei den freischaffenden Liebesdienerinnen von der Straße sei die Steuer aber nur auf wenig Verständnis gestoßen. Viele von ihnen seien zudem der deutschen Sprache nicht mächtig und hätten deshalb Probleme, eine Einkommensteuererklärung auszufüllen, erläutert Frömbgen. «Außerdem gibt es eine Fluktuation.»

Daher die Idee mit dem Tagesticket. Kontrolleure des städtischen Steueramts sollen nun die Einhaltung der Ticketpflicht überprüfen. Wer kein Ticket vorweisen kann, dem droht zunächst eine Verwarnung, der Bußgeldzahlungen und Platzverweise folgen könnten.

Verrichtungsgelände errichtet

Der Bonner Straßenstrich war nach Protesten von Anwohnern und Bürgern bereits eingeschränkt worden. Um das Gewerbe von öffentlichen Plätzen oder privaten Vorgärten zu verbannen, hatte die Stadt gegenüber einem Eros-Center ein sogenanntes Verrichtungsgelände eingerichtet. Dort gibt es sechs Holzboxen-Parkplätze, in die sich die Prostituierten nach der Anbahnung auf der davor gelegenen Straße mit ihren Freiern im Auto zurückziehen und im Notfall per Schalter einen Wachmann alarmieren können.

Neu ist dort nun, dass zwischen den beiden Containern für einen Wachmann und mit Sanitäranlagen auch der Steuerautomat steht. Am Montag sollte das Gerät in Betrieb gehen.

cvd/jag/news.de/dpa

Leserkommentare (14) Jetzt Artikel kommentieren
  • schlampe
  • Kommentar 14
  • 26.04.2012 14:01

"Der Sraat als Zuhälter unterwegs ??"

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  • anno1950
  • Kommentar 13
  • 21.09.2011 19:41
Antwort auf Kommentar 12

Seit dem BGH – Urteil ist es hinreichend bekannt, dass Steuereinnahmen gleich welcher Art dem Staate auf der Ausgabenseite zur *freien Verfügung* stehen und daher nicht zweckgebunden sind! Es war eine ironische Aussage … das die dubiosen Einnahmen im *Stadtsäckel* versiegen war und ist schon klar! Das ist genauso unsinnig wie das Handyverbot beim Autofahren.

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  • LordMordag
  • Kommentar 12
  • 09.09.2011 19:28
Antwort auf Kommentar 11

Steuern sind, im Gegensatz zu Abgaben, NIE Zweckgebunden, sondern fliessen in den allgemeinen Haushalt. Daher ist es unmöglich festzustellen, für welchen Zweck die Gelder ausgegeben werden ;) Ich sach mal: Bildung und Soziales ... Kann aber genausogut für Kulis für die Knöllchenfrauen sein ...

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