Neuer Fall Fritzl Vater missbraucht Töchter 40 Jahre lang

Braunau (Foto)
In diesem Haus nahe dem österreichischen Braunau soll ein Mann seine beiden Töchter jahrzehntelang sexuell missbraucht haben.  Bild: dapd

Von Ralf Beunink
Gefangen, missbraucht, gedemütigt: In Österreich ist erneut ein Missbrauchsfall ungeheuren Ausmaßes an die Öffentlichkeit gekommen. 40 Jahre lang soll ein Mann seine beiden Töchter wie Sklaven gehalten haben. Ein Zufall brachte die Wahrheit ans Licht.

Drei Jahre nach dem Fall Josef Fritzl erschüttert erneut ein Missbrauchsskandal Österreich. In der 2.400-Einwohner-Gemeinde St. Peter am Hart nahe dem oberösterreichischen Braunau direkt an der Grenze zu Niederbayern soll ein 80 Jahre alter Mann mehr als 40 Jahre lang seine beiden Töchter gefangen gehalten, sexuell missbraucht und körperlich misshandelt haben, wie die Polizei in Linz mitteilte. Der Skandal kam an die Öffentlichkeit, weil der Mann nach einem Sturz Hilfe von außen benötigte.

Jahrzehntelang hätten der Vater und die Töchter gemeinsam nur ein Zimmer bewohnt, berichtet die Polizei. Die beiden mittlerweile 53 und 45 Jahre alten Töchter hätten auf einer kleinen Holzbank in der Küche schlafen müssen. Der Vater habe ihnen wiederholt mit Waffen gedroht, sie umzubringen. Die Ehefrau des Mannes, die nach Angaben der Töchter ebenfalls missbraucht und misshandelt worden war, sei bereits 2008 verstorben.

Inzest
Eine schrecklich perverse Familie

Bekannt wurde der Missbrauchsfall offenbar nur durch Zufall. Als der Vater seine ältere Tochter Anfang Mai 2011 erneut vergewaltigen wollte, setzte die sich zur Wehr, wie die Polizei berichtete. Sie habe ihn zurückgestoßen, sodass er gestürzt sei. Ohne fremde Hilfe habe er nicht mehr aufstehen und auch selbst keine Hilfe herbeirufen können. Seine beiden Töchter hätten ihm aufgrund der jahrelangen Misshandlungen keine Hilfe geleistet. Erst zwei Tage später sei eine ärztliche Versorgung durch eine Sozialhelferin veranlasst worden, teilten die Beamten mit.

Spuren bei Opfern hinterlassen

Die jahrzehntelangen Vergewaltigungen und die soziale Isolation sind an den beiden Opfern nicht spurlos vorübergegangen. Die beiden Frauen seien «geistig ziemlich zurückgeblieben», sagte ein Polizeisprecher. Sie hätten zudem lediglich die Volks- und Sonderschule besucht. Sie würden nun in einer sozialen Einrichtung betreut. 

Der Vater wurde noch am Donnerstag ins Gefängnis gebracht. Nachdem der 80-jährige Mann zunächst in einem Krankenhaus behandelt worden sei, sei er in Haft genommen worden, sagte der Erste Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft Ried im Innkreis, Alois Ebner. Zu seinem Geisteszustand könnten noch keine Angaben gemacht werden. Das Bezirksgericht Braunau erwirkte bereits eine Einstweilige Verfügung gegen ihn, die ihm eine Rückkehr in sein Haus verbietet und jeglichen Kontakt mit seinen Töchtern untersagt.

Allein für Vergewaltigung drohe eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren, sagte Ebner. In diesem Fall dürften noch weitere Straftatbestände wie Körperverletzung und Freiheitsberaubung erfüllt sein. Dies müsse nun im Einzelnen ermittelt werden. 

2008 hatte der Missbrauchsskandal um den Österreicher Josef Fritzl für Entsetzen gesorgt. Der Mann hatte 24 Jahre lang seine Tochter nicht nur in einem Keller gefangen gehalten und sexuell missbraucht, sondern auch sieben Kinder mit ihr gezeugt. Er wurde inzwischen zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt und in eine geschlossene Anstalt eingewiesen.

eia/kra/cvd/news.de/dapd

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