Papstbesuch Warum wir glauben

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Der Papst in Madrid: Umgeben vom Wind des Protests. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus
Wir wollen alles wissen: Wie der Kaffee gemacht wird und wo der Weg langgeht. Nur an einen glauben die meisten von uns, obwohl wir nichts von ihm wissen: Gott. Doch warum glauben wir? Und woran glauben andere? News.de geht diesen Fragen auf den Grund.
 

Religionen in Deutschland

Die Katholiken feiern den Papst. Er war kürzlich in Spanien, diese Woche kommt er nach Deutschland. Ein respektiertes Oberhaupt, in seinem goldenen Ornat sitzt er bequem, königsgleich hält er ein Zepter in der Hand. Ein Habitus, den in Spanien nicht alle Menschen angemessen fanden. Es gab Proteste gegen den Besuch, weil in dem hochverschuldeten Land der Steuerzahler dafür aufkommen musste. Auch in Deutschland fragen sich nun viele: Muss ein Papstbesuch sein?

Hunderttausende werden zu den Auftritten des Papstes in Deutschland erwartet. Bei Eichsfeld wird eine ganze Autobahn gesperrt, in Erfurt läuft bereits jetzt der Vorverkauf von Souvenirs.

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Glaube macht glücklich

Stellt sich aber doch die Frage: Warum glauben wir eigentlich? Wieso gehen wir in eine Kirche und huldigen jemandem, den wir nicht sehen, nicht fühlen können? Bei dem wir nur seinen Stellvertreter zu sehen bekommen? Und das auch nur, wenn wir uns rechtzeitig einen Platz gesichert haben?

Wissenschaftliche Studien zeigen: Wer glaubt, lebt zufriedener. Er ist glücklicher, kann mit Schicksalsschlägen besser umgehen, weil er auch ungute Dinge in einem positiven Licht sehen kann. Hinzu kommt die Gemeinschaft. In der kirchlichen Gemeinde fühlen sich viele Menschen geborgen, weil moralische Werte wie Nächstenliebe, Vertrauen und Treue geteilt werden.

Unser Glaube ist eine Eigenkreation

Wir Menschen wollen eigentlich immer alles wissen: Woher der Kaffee kommt und wie viele Kalorien in unserem Essen sind. Nur bei Gott, da glauben wir. Und das genügt uns. Aber einen Gott als Wesen mit langem Bart, wehendem Gewand und in Bio-Latschen - das können sich die meisten Christen kaum noch vorstellen. Die Kirchen leiden unter Mitgliederschwund, auch deshalb, weil viele Menschen sich ihren eigenen Gott zusammensetzen, ihre eigene Religion kreieren. Ein wenig christlicher Gott da, der uns seinen Sohn geschickt hat. Ein wenig buddhistischer Glaube hier, mit dem Wissen vom göttlichen Funken, den wir in der Meditation und einem tiefen «Ohm» finden. Und ein Hauch von Wissenschaft, die uns die Fossilien an Omas Gartenteich erklärt.

Für Stephen Hawking, Physiker und «Popstar der Wissenschaft», ist Gott «die Verkörperung der physikalischen Gesetze». Und für den Kosmologen Gerhard Börner vom Max-Planck-Institut für Astrophysik sind Wissenschaft und Religion gar keine Gegensätze. Beide zeigten nur verschiedene Perspektiven derselben Wirklichkeit auf. Es sei «doch sehr bemerkenswert, dass die moderne Urknalltheorie sehr gut zur biblischen Aussage passt, Gott habe die Welt zu einem bestimmten Zeitpunkt aus dem Nichts geschaffen», sagte Gerhard Börner in einem Interview mit dem Focus.

Missionare werden zu Vertretern des Bösen und Soldaten zu Rettern

Dass die Katholiken für Gott einen Stellvertreter auf Erden haben, ist deshalb auch gar kein Problem. Weil es ein Ankerpunkt ist, etwas, an dem sich die Gläubigen festhalten können - ein Teil des Konstrukts Kirche und Religion. Für Muslime ist es das Gebet gen Mekka, die Buddhisten haben den Dalai Lama als moralische Instanz.

Manchmal aber werden auch Menschen, die eigentlich eine ganz andere Rolle haben, zu Vertretern Gottes auf Erden gemacht. Beispielsweise in den Cargo-Kulten. Um sich die Veränderungen in der Welt zu erklären, bauten einige Stämme auf entlegenen Inseln im Südpazifik rund um die Missionare und Soldaten Geschichte und Kulte auf. Missionare wurden so zu Vertretern des Bösen, Soldaten zu Rettern und Wasserflaschen zu Zeichen der Urahnen. Alles nur, damit das, was passiert, irgendwie erklärbar ist.

Vor diesem Hintergrund sind die Anhänger der Cargo-Kulte gar nicht so viel anders als jeder Christ, Buddhist oder Moslem. Mit dem Glauben an jemanden, der dem, was wir tun, einen Grund gibt, sind wir also nicht alleine.

Mönche, die sich selbst mumifizieren, Prinz Philip als Vertreter Gottes und ein unsichtbares rosafarbenes Einhorn, das gegen eine lila Auster kämpft: Allerlei kurioses rund um den Glauben lesen Sie in unserer Bilderstrecke.

Glauben Sie? Woran? Was gibt Ihnen der Glaube? Oder warum lehnen Sie ihn ab? Sagen Sie uns Ihre Meinung - im Kommentarfeld unter diesem Text.

oro/news.de

Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • Canthor
  • Kommentar 6
  • 08.12.2011 14:38

Glaube ist nur ein Begriff, um eine Entscheidung treffen zu können. Wenn ich mich entscheiden muss, dann soll es die für mich/andere subjektiv beste Entscheidung oder Lösung sein. Ich versuche also alle Variablen zu verstehen, und was ich nicht verstehe, schätze ich, um meine Unsicherheit der Unbekannten in den Griff zu bekommen. Da beginnt der Glaube: "Ich entscheide mich, weil ich weiß." wird dann zu "Ich entscheide mich, weil ich glaube." Das Problem enststeht, wenn man den Umkehrschluß zieht: "Glaube ist Wissen" und "Wissen ist Wahrheit"

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  • Libertad
  • Kommentar 5
  • 21.09.2011 12:45

Glaube immer an Dich selber. Was inner auch geschiht. Wem nutzt ein durch Drohungen und nicht beweisbare Versprechungen, sogar Belobigungungen, (wenn du das machst, kommst du in die Hölle, machst du das andere landest du im Himmel),erzwungene liebe zu einem Gott? Es nutzt alleine denen, die dich ausnutzen wollen. Niemand, ausser dir kann deine Zukunft gestalten, wenn du bereit bist für dein Handeln, selber die Verantwortung zu übernehmen. Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es.

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  • Heinz
  • Kommentar 4
  • 20.09.2011 20:14

Glauben heißt "nicht wissen". Hören sie sich mal die Reden unserer Kanzlerin an, wie oft sie das Wort glauben benutzt und trotzdem lenkt sie die Geschicke unserer Nation. Der Glaube an ein über Allem stehende Macht entspringt der Evolutionstheorie. Jede Spezies auf unserer Erde hat einen Fress-feind. Innerhalb einer Spezies gibt es eine Rangordnung bzw. Hierarchie. Es ist entwicklungsgeschichtlich nicht einzusehen warum bei der Spezies Mensch auf einmal Schluss sein soll.

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