Krawalle in England Laute Kritik an der Polizeiarbeit

Ein großes Polizeiaufgebot soll ein Wiederaufflammen der Krawalle in Großbritannien verhindern. Bislang scheint diese Rechnung aufzugehen: Auf den Straßen blieb es offenbar ruhig. Stattdessen kracht es nun zwischen der Regierung und Scotland Yard.

Das massive Polizeiaufgebot in vielen britischen Städten zum Schutz vor Ausschreitungen soll bis auf weiteres beibehalten werden. «Wir werden die Zahl für eine gewisse Zeit aufrechterhalten», kündigte Innenministerin Theresa May am Freitag an. Allein in London waren in den vergangenen Tagen 16000 Polizisten unterwegs. In der Nacht zum Samstag gab es zunächst keine Berichte über neue Krawalle.

«Wir hatten jetzt einige ruhigere Nächte», sagte May. «Aber wir sind deswegen nicht selbstgefällig.» Es würden auch weiterhin Polizisten aus ruhigeren Gegenden nach London und in andere Städte gebracht.

Menschenrechtler haben indes Bedenken gegen das von der britischen Regierung angekündigte harte Vorgehen gegen Randalierer geäußert. Es sei verständlich, dass die jüngsten Ereignisse zu Forderungen nach härteren Maßnahmen geführt hätten, sagte Isabelle Sankey von der Menschenrechtsgruppe Liberty. Gleichwohl könnten reflexartige Aktionen «mehr Probleme verursachen, als sie lösen», sagte sie.

Krawalle in England
London im Ausnahmezustand
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Besonders kontrovers wird eine Äußerung von Premierminister David Cameron diskutiert, wonach die Regierung, Geheimdienste und die Kommunikationsindustrie beraten sollten, ob es bei Unruhen nötig sein könnte, den Gebrauch von Mobilfunk- und Nachrichtenübermittlungsdiensten sowie die Kommunikation über soziale Netzwerke im Internet zu unterbrechen.

Regierung kritisiert Polizeiarbeit

Nach den schweren Ausschreitungen in London und anderen englischen Städten ist auch ein offener Streit zwischen Scotland Yard und der Regierung von Premierminister David Cameron ausgebrochen. Der amtierende Londoner Polizeichef Tim Godwin wehrte sich gegen Vorwürfe Camerons, zu Beginn der Krawalle in den Nächten zu Sonntag und Montag seien «bei weitem zu wenig» Polizisten im Einsatz gewesen. Des Weiteren sagte Godwin mit Blick auf Cameron und Innenministerin May, die Kritik komme von Leuten, die zum fraglichen Zeitpunkt «nicht da» gewesen seien. Cameron und May machten bei Ausbruch der Ausschreitungen Urlaub.

Stattdessen lobte der Polizeichef, Stellvertreter des im Juli wegen einer Korruptionsaffäre zurückgetretenen Paul Stephenson, die Polizeiarbeit während der Ausschreitungen. «Wir haben einige der besten Polizeiführer, die ich auf der Welt gesehen habe», sagte er. «Als Ergebnis daraus konnten wir das nach ein paar Tagen im Keim ersticken», betonte er und fügte an: Bei der Auswahl der Taktik und der Zahl der Polizisten handele es sich um «Entscheidungen der Polizei».

Hilfe vom «Supercop» aus den USA

Cameron und mehrere Parlamentarier seiner konservativen Tories hatten die Polizeitaktik infrage gestellt und ein härteres Durchgreifen mit Gummigeschossen und Wasserwerfern gegen die Randalierer als Option zur Diskussion gestellt. Innenministerin May hatte wiederholt die Leistung der Polizisten auf der Straße gelobt, die Einsatzleitung aber unerwähnt gelassen.

Nun soll die britische Regierung Hilfe im Kampf gegen Bandenkriminalität Hilfe aus den USA bekommen: Bill Bratton, der als «Supercop» bezeichnete frühere Polizeichef von New York, Los Angeles und Boston, sagte dem US-Sender abc, er werde künftig die Regierung von Premierminister David Cameron beraten. Dabei gehe es um Fragen zu Banden und Gewalt innerhalb der Gruppen.

In der Nacht zum Freitag war es zum zweiten Mal in Folge ruhiggeblieben. Seit vergangenen Samstag war bei zahlreichen Brandstiftungen und Plünderungen ein Sachschaden von vorläufig geschätzten 200 Millionen Pfund (etwa 230 Millionen Euro) entstanden. Die Regierung will die betroffenen Kommunen und Ladenbesitzer mit Millionen-Hilfen unterstützen.

Die Polizei gab unterdessen zu, dass ihr in der Anfangsphase der Krawalle möglicherweise ein Fehler unterlaufen sein könnte: So habe man eventuell die Medien unabsichtlich in dem falschen Glauben gelassen, der von der Polizei erschossene Mark Duggan habe zuvor auf die Polizei gefeuert. Der Tod Duggans hatte die Krawalle mit ausgelöst, denn sie entwickelten sich aus einem Protestmarsch gegen dessen Tötung. Wie genau und warum er starb, ist bislang nicht geklärt.

wie/cvd/zij/news.de/dpa

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Breuer
  • Kommentar 3
  • 14.08.2011 22:32
Antwort auf Kommentar 2

@Libertad: Die Regierungen welcher "einzelnen Länder" haben den etwas in englischen Städten "verzapft"? Schnelle Strafen sind gut. Nicht gut sind Erwachsenenstrafen für Kinder und Sippenhaft . Wenn ganze Familien aus Sozialwohnungen geworfen werden, weil ein Sohn sich einmal schlimm an einem Krawall beteiligte, zeigt das einen panischen Unrechtsstaat.

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  • Libertad
  • Kommentar 2
  • 13.08.2011 17:05

Deutschland sollte sich schleunigst eine Bürgerwehr anschaffen. Auch die Engländer machten es nach den Krawallen. Eigentlich gehörte auch keine Polizei in London und den anderen egl. eingsetzt, sondern die Armee. Was die Regierungen der einzelnen Länder verzapft haben, darf der Bürger nun aushalten. Auch wenn es ein paar Politiker meinen, aber das müssen wir nicht aushalten.

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  • hpklimbim
  • Kommentar 1
  • 13.08.2011 12:38

Wenn die Spaltung der deutschen Gesellschaft weiterhin so zielstrebig betrieben wird, wie in den letzten zehn Jahren, wird uns das bald bevorstehen. Ein Einlenken der Politik ist derzeit jedenfalls nicht in Sicht.

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