Frauenprotest global Aufstand der Schlampen

Damen mit knapper Kleidung seien selbst Schuld, wenn sie Opfer sexueller Gewalt würden. Dieses Vorurteil gehört raus aus den Köpfen, finden Frauen weltweit. Und protestieren dagegen, leicht bekleidet, bei «Slutwalks». Auch in Deutschland sind die ersten Schlampenmärsche angekündigt.

Es war ein Jahr voller Vergewaltigungen. Jörg Kachelmann, Julian Assange, Dominique Strauss-Kahn - alles Männer, die wegen vermeintlicher sexueller Übergriffe im Fokus standen. Und immer schwang dieses Vorurteil mit, dass die Frauen irgendwie mitschuldig sein sollen. «Man konnte verfolgen, wie präsent Vergewaltigungsmythen noch sind», sagt die Berliner Sängerin und Schriftstellerin Kerstin Grether im Interview. «Die Klägerinnen geraten häufig in die Situation, sich für die erlittene Gewalt rechtfertigen zu müssen.» Weil sie sich aufreizend anzogen, weil sie ihre Hüften bewegten, weil sie vielleicht kein lautes, kein eindeutiges «Nein» artikulierten.
 

Deshalb organisiert Kerstin Grether den «Slutwalk», den Schlampenmarsch, in Berlin mit. Samstag, der 13. August, ist der Tag des Schlampenaufstands in der Bundesrepublik. Neben der Hauptstadt ist der Frauenprotest in mehr als ein Dutzend Städten geplant - etwa auch in Hamburg, Stuttgart, München, Leipzig, Bad Oldesloe, Freiburg, Münster oder dem Ruhrgebiet.

Alles begann in Kanada

Deutschland wird erst spät von der «Slutwalk»-Welle überrollt, die in anderen Teilen der Welt schon seit dem Frühling läuft. In den USA, in Honduras, Indien, Brasilien oder England gingen die Frauen bereits auf die Straße. Kennzeichen: Frauen demonstrieren für ihre politische Botschaft in Miniröcken, Netzstrümpfen und Stöckelschuhen. Auch solidarische Männer sind dabei.
 

Angefangen hat alles im kanadischen Toronto. Ein Polizist gab in seinem Vortrag über Verbrechensprävention an der Universität folgenden Hinweis: «Frauen sollten sich nicht wie Schlampen anziehen, wenn sie nicht Opfer sexueller Gewalt werden wollen.» Eine Handvoll Studentinnen rief via Facebook deshalb zur Rebellion auf, Anfang April kamen überwältigende 3000 Menschen zum «Slutwalk».

Schlampenmarsch: Frauenprotest gegen Vorurteile

Ihre Botschaft war: Wir kämpfen mittels des Schimpfwortes gegen sexuelle Gewalt. Weil sexy Kleidung eben nicht heiße, dass jede Frau sofort begattet werden wolle. Heather Jarvis, eine der Organisatoren des ersten «Slutwalks» in Toronto, sagte dazu: «Das Wort ‹Slut› ist ein übermächtiges Wort, das Menschen beleidigen und veletzen soll. Lasst uns versuchen, ein wenig Unsicherheit in seine beleidigende Wirkung zu bringen.»

Wirkung von «Slutwalks» unter Frauen umstritten

Doch die Märsche sind auch unter Frauen umstritten. Die auf Frauenthemen spezialisierte Autorin Rebecca Traister kritisiert das «sexy Halloween-Kostüm», das «aber weniger ein Sieg als eine Kapitulation vor den Erwartungen» sei, mit denen junge Frauen bereits in der Gesellschaft konfrontiert würden. Die «Slutwalks» wirkten konfus und setzten Frauen genau den Angriffen aus, die sie eigentlich bekämpfen wollten, so Traister in der New York Times.

Ist es also kontraproduktiv, wenn Bilder leicht bekleideter Frauen um die Welt gehen, die gegen sexuelle Übergriffe ankämpfen wollen? «Diese Gefahr besteht. Vor allem, weil die Massenmedien die ‹Slutwalks› gerne auf die Bilder von übertrieben sexuell gestylten Menschen reduzieren», so Sandra Grether, Mitorganisatorin des Berliner «Slutwalks». Die Botschaft müsse eben deutlich kommuniziert werden. Schwester Kerstin Grether ergänzt: «Wir wollen nicht als eine Neuauflage der Girlies verstanden werden.»

beu/news.de/dpa

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Leserkommentare (49) Jetzt Artikel kommentieren
  • Marcus
  • Kommentar 49
  • 04.03.2012 01:43

Hier schreiben eher Männer. Ich denke mal nicht das die Demo darin besteht gegen vergewaltiger zu protestieren, es wird dann eher einfach mit benutzt um so viele argumente zu haben um die Demo zu starten. Und Geld soll bei so einer Aktion auch noch rollen. Das passt nicht. Das ist das was immer das selbe bei einer Frau ist immer (Geld,Geld). So sehen auch sehr viele Seiten im internet aus und man hat sorge das man nicht jetzt, im nächsten moment seine neu Flamme da sieht. Und erst soll es heißen die Demo ist um zu zeigen das man keine Schlampe ist und dann doch Nackedei da aufläuft.

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  • Volkert
  • Kommentar 48
  • 14.08.2011 00:41

Unsicher über die Wirksamkeit dieses "Schlampen"-Protests bei Frauen & Männern ...

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  • damobisa
  • Kommentar 47
  • 13.08.2011 22:21

Liebe Poster, schöne erotische Frauen sind die Blumen auf unserer Lebenswiese. Bitte trampelt auf ihnen nicht herum.

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