Flugzeugabstürze Fehler der Piloten, Fehler der Regierung

Crash-Ursachen geklärt: Beim Absturz der Air-France-Maschine über dem Atlantik mit 228 Toten fehlte den Piloten das Training. Beim Flugzeugabsturz von Smolensk, bei dem etwa Präsident Kaczynski ums Leben kam, hat Polens Regierung Fehler eingeräumt.

Ungenügendes Training der Piloten und fehlerhafte Anzeigen im Cockpit haben nach ersten Erkenntnissen staatlicher Experten den Absturz eines Air-France-Airbusses vor zwei Jahren über dem Atlantik begünstigt. Die französische Fluguntersuchungsbehörde BEA verwies in ihrem neuen Zwischenbericht am Freitag auf Sicherheitsempfehlungen, die sie nach Auswertung der Flugschreiber erlassen hatte. Die Fluggesellschaft Air France betonte hingegen in einer Erklärung, dass zum gegenwärtigen Stand der Ermittlungen nichts die technischen Fähigkeiten der Besatzung infrage stelle.
 

Die Piloten des abgestürzten Airbus A300-200 haben laut BEA-Bericht in den letzten Minuten des Fluges nicht angemessen auf den Verlust der Geschwindigkeitsanzeige und den Abriss der zum Fliegen notwendigen Strömung an den Tragflächen reagiert. Sie seien für eine solche Situation auch nicht geschult gewesen. Zudem habe es keine Anzeige für den Anstellwinkel der Tragflächen gegeben; eine solche Anzeige gibt Aufschluss über die Lage des Flugzeugs im Raum. Trotz der Alarmsignale der sogenannten Überzieh-Warnung habe keiner der Piloten bemerkt, dass ihr Flugzeug längst nicht mehr flog, sondern nur noch durchsackte.

Air France-Unglück
Die Suche nach Flugzeugresten im Ozean

Keiner der Piloten habe die Situation erfasst. Die Passagiere seien zudem nicht über eine Notlage informiert worden, notiert die BEA. In weniger als einer Minute nach dem Abschalten des Autopiloten hätten die manuellen Manöver des fliegenden Co-Piloten das Flugzeug aus seiner stabilen Fluglage gebracht. Vorangegangen war eine ungenaue Geschwindigkeitsanzeige. Das Flugzeug habe auf alle Befehle des Piloten ohne technische Probleme reagiert.

Konkret empfiehlt die BEA die Einführung spezieller Übungen ins Trainingsprogramm der Linienpiloten. Sie sollen in großen Höhen den schnellen Wechsel vom automatischen auf den manuellen Flug üben - speziell auch bei ungenauen Geschwindigkeitsanzeigen. Zudem sollen neue Richtlinien ein besseres Teamwork im Cockpit gewährleisten.

Die weiteren Sicherheitsempfehlungen beziehen sich auf technische Einrichtungen. So sollten die zuständigen Behörden etwa die Installation einer bestimmten Anzeige prüfen. Sie soll beim abrupten Abschalten des Autopiloten und dem damit einhergehenden Wechsel zum manuellen Fliegen die Lage des Flugzeugs im Raum verdeutlichen. Zudem sollten Bildrekorder die Anzeigen im Cockpit im Bild festhalten. Für ihre Auswertung müsse es aber genaue Regeln geben.

Kacynski-Maschine: Ausbildungsniveau der Piloten stellt Gefahr dar

Im Streit um die Ursachen des Flugzeugunglücks mit 96 Toten vor 15 Monaten im westrussischen Smolensk hat die polnische Regierung eigene Fehler zugegeben. «Das Niveau der Ausbildung der Belegschaft stellte eine Gefahr für die Flugsicherheit dar», sagte ein Vertreter der Regierungskommission am Freitag in Warschau bei der Vorstellung des Untersuchungsberichts. Bei dem Flugzeugabsturz am 10. April 2010 waren Präsident Lech Kaczynski, seine Frau Maria und 94 weitere Prominente aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Armee ums Leben gekommen.
 

Aus dem Gutachten geht hervor, dass es bei der Vorbereitung der Flugreise «zahlreiche Verfehlungen» gegeben habe. Ruhezeiten für Piloten seien nicht eingehalten, Trainingsflüge nicht ausgeführt worden. Auch die Dienstaufsicht für die Luftwaffeneinheit, die für die Beförderung von Politikern zuständig ist, habe nicht funktioniert, hieß es im Bericht. Die polnische Kommission arbeitete unter Leitung von Innenminister Jerzy Miller.

Die Maschine war beim Landeversuch zerschellt. Die russische Seite hatte in einem im Januar veröffentlichten Bericht die Hauptschuld für den Unfall den polnischen Piloten gegeben. Die Schuldfrage spielt eine wichtige Rolle im Wahlkampf vor der Parlamentswahl im Oktober. Die national-konservative Opposition fordert den Rücktritt von Verteidigungsminister Bogdan Klich.

jag/som/news.de/dpa

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