Massaker in Norwegen «Das war ein Amoklauf»

Anders Behring Breivik hat ganz Norwegen erschüttert: Sein Amoklauf forderte mehr als 70 Tote und hinterlässt viele Fragen. Mit einem mehr als 1500 Seiten langen Manifest will er die Tat erklären. Amokforscher Jens Hoffmann sagt jedoch: «Die politische Ideologie ist nur vorgeschoben.»

Anders Behring Breivik (Foto)
Anders Behring Breivik hat seine Tat genau geplant. Er sieht sich als Retter der Gesellschaft. Bild: dapd

Mehr als 70 Menschen sind tot, ein ganzes Land steht unter Schock. Anders Behring Breivik hat am Freitag nicht nur zwei Anschläge verübt, er hat Norwegen erschüttert. Jahrelang hat sich der Täter auf diesen Tag, den 22. Juli 2011, vorbereitet. Am Nachmittag zündete er im Regierungsviertel von Oslo mindestens zwei Bomben, dann fuhr er rund eine Stunde lang an einen Fjord, auf eine kleine Insel und erschoss dort mehr als 60 Menschen.

Was waren die Gründe für den 32-Jährigen, solch eine Tat zu begehen? «Das, was in Norwegen passiert ist, war ein Amoklauf», sagt Jens Hoffmann, Amokforscher am Institut für Psychologie und Bedrohungsmanagement im Gespräch mit news.de. Denn Amokläufe seien durchaus geplant. Der Glaube, die Taten entstünden ganz plötzlich, sei nicht richtig. «Auch die Amokläufer in den Schulen hatten ihre Taten geplant, sie angekündigt.»

Anschläge in Norwegen: Massenmord auf der Ferieninsel

Mehrere Jahre hat Anders Behring Breivik seine Tat geplant, er hat ein Manifest von mehr als 1500 Seiten geschrieben, das seine Tat erklärt und die Hintergründe darlegt. Sein Motiv: fanatischer Hass, Angst vor dem Auslöschen der westeuropäischen Rasse. Ein kruder Mix aus Verachtung, christlichen Werten und Angst.

Extreme Ideologien sind bei Amokläufern austauschbar

«Ein politischer Hintergrund ist bei Amokläufen durchaus möglich», sagt Hoffmann. Doch das politische Motiv sei meist nur vorgeschoben. Dieses Verhalten finde sich auch bei muslimischen Extremisten. Die Ursache für den Amoklauf liegt tiefer, in dem Wunsch, Herr über Leben und Tod zu sein. Die extremen Ideologien seien bei Amokläufern durchaus austauschbar.

Massaker in Norwegen : Manifest des Hasses
Video: dapd

Dieses «Herr über Leben und Tod» war das Gefühl, das Anders Behring Breivik während seines Amoklaus auf der Insel Utøya gespürt haben muss. «Jagdmodus der Gewalt» nennt sich das, sagt der Amokforscher. Ein Gefühl, das wir alle in uns tragen. Für unsere Urahnen, die Tiere jagen mussten, um zu überleben, war der Jagdmodus der Gewalt überlebenswichtig. Es gab keine Emotionen, nur das eine Ziel. Für den mutmaßlichen Täter waren es am Freitag keine Tiere, es waren Menschen.

Sein Jubel: eine kalte Emotion. Er war nicht nur Herr über Leben und Tod, er war für seine Opfer auch alles, was zwischen Leben und Tod stand. Er entschied, wen er tötete - im Jagdmodus.

Dem Täter keine Bühne geben

Diese Tat, der lang geplante Amoklauf, findet zu einem großen Teil im Täter selbst statt. Er sieht viel mehr in dem, was er tut, als andere. Anders Behring Breivik sieht die Rettung der westeuropäischen Rasse in seinen Handlungen, das Wachrütteln der Gesellschaft: «Es ist eine innerlich intentionale Tat, nur ein Teil findet auch in der Öffentlichkeit statt.»

Diese Öffentlichkeit, diese Tat, ist für Behring Breivik noch nicht vorbei. Sich der Öffentlichkeit zu erklären, in Uniform vor dem Gericht aufzutreten: das sei für ihn genauso die Bühne wie das Schießen auf die Jugendlichen, wie das Deponieren der Bombe. «Auch das, was jetzt nach der Tat geschieht, diese Selbstinszenierung, auch das gehört noch zur Tat. Diese Bühne darf man ihm nicht geben», sagt Amokforscher Hoffmann. Die Entscheidung, Anders Behring Breivik diese Möglichkeit nicht zu geben, sei wichtig. Auch, um ihn nicht zum Helden zu machen, keine Nachahmungstäter zu motivieren.

Massaker in Norwegen: Das perfide Spiel von Anders Breivik
Video: news.de

Während viele Amokläufer der vergangenen Zeit ihre Tat nicht überlebten, sitzt Anders Behring Breivik in Norwegen in Untersuchungshaft. Er lebt, denn ein Selbstmord gehört nicht zwangsläufig zu einem Amoklauf. Viele der Schul-Amokläufer sagten: «Wenn ich schon untergehe, dann nehme ich andere mit.» Verzweiflung und Hass trieben sie an.

Behring Breivik hingegen sieht sich als Retter einer Gesellschaft. Und die braucht ihn, den Retter. So sieht zumindest er das. Doch seine Zukunft sieht sicherlich anders aus, als er es erwartet hat. Ein Gerichtsverfahren erwartet ihn, in dessen Rahmen er auch psychologisch untersucht wird. Die Frage dann: War der Täter zurechnungsfähig, als er mehr als 70 Menschen tötete, oder war er es nicht?

bjm/news.de

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Leserkommentare (35) Jetzt Artikel kommentieren
  • heinrichIV
  • Kommentar 35
  • 27.07.2011 13:49
Antwort auf Kommentar 31

Hallo RAGNAROEKR! Kannst Dich gerne mal schlau machen! Mach bitte mal folgende Eingabe bei Google: BRD FinanzGmbH . Da kannst Du alle Fakten und Tatsachen nachlesen. Ich hatte sogar schon mal die genaue Handelsregister-Eintragungs Nr. und Ort. Leider hab ich die im Moment nicht mehr parat. Aber die Fakten bei Google-Suche bestätigen dies ebenfalls. Also nicht mehr weiter motzen und träumen Ragnaroekr, sondern die vorborgene Realität wahrnehmen. Fragt einfach mal Eure eigenen Parteibonzen, Ihr werdet sehen, wie ablehnend und verächtlich die darauf reagieren.

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 34
  • 26.07.2011 16:19
Antwort auf Kommentar 31

K 32 ff: Ihr schreibt einen schönen Bockmist zusammen. Weder vom Rechtsstaat noch vom GmbH-Recht eine Ahnung haben. GmbH-Beteiligte gibt es genauso wenig, wie Eure Handelsregistereintragung. Die Eintragung ist ein Fake. Herzlichst R.

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  • ERICH
  • Kommentar 33
  • 26.07.2011 15:25
Antwort auf Kommentar 31

Hallo Heinrich. Sie haben Recht. Wir haben in Deutschland eine Gesellschaft mit zwei "Moralen-Seiten", von eine Seite wird uns von Politiker u. von Medien v. unsichtbaren "Recht-Staat" vorgequatscht, von der andere Seite haben wir einen Unrecht-Rechts-Staat, das verzweifelt viele Millionen Menschen, deshalb tauchen auch Terroristen und solche Mörder auf. Dieser Rechts-Staat kann uns von solche Mörder nicht beschützen, wir sind ja alle nur Diener, nur Schuldner für unsere Politiker-Diätenempfänger geworden, die uns mit Lügen-Versprechungen immer etwas Dummes vormachen und ständig mit Steuer be.

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