Anschläge in Norwegen Wer ist Anders B. Breivik?

Mutmaßliche Mörder (Foto)
Ein Porträt des mutmaßlichen Attentäters Anders Behring B.. Bild: dpa

Erst zerbombte er das Regierungsviertel in Oslo, dann fuhr er auf die Ferieninsel Utøya. Der 32-jährige Verdächtige kam aus dem Nichts. Offenbar hat er eine rechtsradikale, islamfeindliche Gesinnung.

Der 32-jährige in Norwegen festgenommene Verdächtige gibt der Polizei Rätsel auf. Er soll verantwortlich sein für die gestern in Oslos Regierungsviertel explodierten Bomben. Nach der Explosion soll er auf die Ferieninsel Utøya gefahren sein, wo er als Polizist verkleidet in einem sozialdemokratischen Jugendcamp mindestens 68 Kinder und Jugendliche erschoss.

Der 32-Jährige soll ein Rechter mit islamfeindlichen Ansichten sein, aber keine Verbindung zur rechtsextremen Szene haben. «Er kam aus dem Nichts», sagte ein Polizist der Nachrichtenagentur AP. Der norwegische Fernsehsender NRK und andere Medien identifizierten den Verdächtigen als Anders Behring B., einen Betreiber einer Gemüse-Gärtnerei. Die in Medien veröffentlichten Bilder des mutmaßlichen Täters zeigen einen blonden, blauäugigen Mann.

Anschläge in Norwegen
Massenmord auf der Ferieninsel

Der Mann habe legal zwei Waffen besessen, meldete die norwegische Nachrichtenagentur NTB und habe einem Schützenverein angehört. Durch seine Tätigkeit in einem Agrarbetrieb hätte er leicht an größere Mengen Düngemittel herankommen können, aus denen sich Sprengstoff herstellen lässt.

Der Verdächtige gehörte nach Polizeierkentnissen keiner der bekannten rechtsextremen Bewegungen Norwegens an und hatte in seiner Polizeiakte nur Einträge wegen kleinerer Vergehen. «Er war nicht auf unserem Radar und wäre er in einer Neo-Nazi-Gruppe in Norwegen aktiv gewesen, hätten wir ihn auf dem Radar gehabt», sagte ein Polizist. Trotzdem könnte es sein, dass er von der rechtsextremen Ideologie inspiriert worden sei.

Massaker in Norwegen
So barbarisch ging der Täter vor
Video: dapd

Manifest über Rassenhass

Vor seiner Tat veröffentlichte Breivik ein 1516 Seiten starkes Manifest. Der letzte Satz lautet: «Ich glaube, dies wird mein letzter Eintrag sein. Es ist jetzt Freitag, der 22. Juli, 12:51 Uhr.» Zweieinhalb Stunden später explodiert im Osloer Regierungsviertel eine gewaltige Bombe, die sieben Menschen in den Tod reißt. Auf der idyllischen Ferieninsel Utøya schießt der 32-Jährige Anders Behring Breivik 68 Jugendliche kaltblütig nieder. Das alles sei «grausam, aber notwendig» gewesen, sagt der Attentäter später im Verhör - er gesteht beide Taten, er soll sie neun Jahre lang geplant haben.

«Die Zeit für Dialog ist vorbei. Wir haben dem Frieden eine Chance gegeben. Jetzt ist die Zeit für bewaffneten Widerstand gekommen», schreibt Breivik unter englischem Pseudonym in seinem Manifest, das mehreren norwegischen Medien vorliegt. 2083. Eine europäische Unabhängigkeitserklärung - hat er das Manuskript genannt. Er will Europa vor dem Islam und dem «Kulturmarxismus» retten. «Einige Kulturen sind besser als andere, einige sind unsere Freunde, einige unsere Feinde», schreibt er. Sich selbst nennt Breivik einen Tempelritter.

Inszenierte Visitenkarte im Internet

In dem Manuskript, dass er rund eine Stunde vor dem ersten Attentat an zahlreiche Freunde gemailt hat, interviewt sich Breivik auch selbst. Seine Operationen habe er alleine geplant und zur Sicherheit mit niemandem darüber geredet. Der Attentäter beschreibt seine Kindheit mit vier Halbschwestern - er habe zu viel Freiheit bekommen, meint er.

Im Internet hinterlässt Breivik eine sorgfältig inszenierte Visitenkarte: Die Profile unter seinem Namen bei Facebook und dem Kurznachrichtendienst Twitter sind erst am 17. Juli entstanden. Auf Twitter steht nur dieser Satz: «Ein Mensch mit einem Glauben hat die Kraft von 100.000, die nur Interessen haben.»

Anschlag in Norwegen
Bilder der Zerstörung
Video: dapd

In der Öffentlichkeit will Breivik als konservativer Christ gesehen werden. Der Facebook-Seite zufolge, die von der Netzgemeinde noch in der Nacht zum Samstag gesichert wurde, hat er ein Osloer Handelsgymnasium besucht. Er gehe gerne jagen, spiele World of Warcraft. Als Idole sind der britische Premierminister Winston Churchill (1874-1965) genannt und Max Manus (1914-96) - Widerstandskämpfer während der Zeit der deutschen Besetzung Norwegens. Das Profil outet ihn als Liebhaber klassischer Musik, Kants Kritik der reinen Vernunft und Adam Smiths Der Wohlstand der Nationen.

Rezepte zur Herstellung von Sprengstoff

Deutlicher sind die nationalistischen Einträge unter dem Namen Anders B. Breivik auf der islamkritischen Internetseite document.no: Wortgewandt teilt er in den schon älteren Einträgen die Welt in kulturkonservative Menschen und Multikulturalisten, die eine «anti-europäische Hassideologie» vertreten. Ihr Ziel sei es, die europäische Kultur, die Nationalstaaten und das Christentum zu zerstören.

In seinem Manifest gibt Breivik eine genaue Anleitung, wie der Multikulturalismus ausgelöscht werden müsse. Er listet Rezepte zur Herstellung von Sprengstoffen und Chemikalien auf. In einer Art Tagebuch beschreibt er, wie er auf seinem Bauernhof nördlich von Oslo die Bombenherstellung probte. Laut Handelsregister sollte Breivik hier Gemüse, Melonen und Rüben anbauen - in Wahrheit nutzte er die «Geofarm», um sechs Tonnen Kunstdünger zu kaufen, der als Sprengstoff genutzt werden kann.

Ein Foto im Manifest zeigt Breivik mit Schutzanzug und Gasmaske beim Hantieren mit Chemikalien. Dem norwegischen Fernsehsender NRK zufolge hat Breivik als Mitglied in einem Osloer Pistolenklub zwei registrierte Waffen. Auf einem weiteren Foto trägt er einen Taucheranzug, hält ein Sturmgewehr - auf dem Arm ein Aufnäher mit den Worten «Marxist Hunter Norwegen - Erlaubnis zur Jagd von Multi-Kulti-Verrätern».

Massaker in Norwegen
Das perfide Spiel von Anders Breivik
Video: news.de

Norwegen ein ungewöhnliches Ziel

Der Rechtsextremismus-Forscher der Freien Universität Berlin (FU), Hajo Funke, bezeichnet es als ungewöhnlich, dass ausgerechnet Norwegen Ziel eines offenbar rechtsextremistisch motivierten Anschlags geworden ist. «Der Rechtsextremismus in Norwegen ist relativ schwach ausgeprägt», sagte Funke am Samstag der Nachrichtenagentur dapd. Sehr viel stärker sei in der Vergangenheit die rechtsextreme Szene in Schweden gewesen. Auch sei die Ideologie der norwegischen Rechten wesentlich weniger stark gewaltverherrlichend als etwa bei deutschen Neonazis.

Funke wies zugleich darauf hin, dass es mit der norwegischen Fortschrittspartei eine Formation gebe, die bis zu 25 Prozent der Wähler erreichen könne. Dies sei zwar «nicht unmittelbar verantwortlich für solche Gewalttaten, aber das kann das Klima anheizen.» Funke betonte: «Jede Form von Rechtspopulismus senkt die Hemmschwelle für solche vermutlichen Einzeltäter.»

Am späten Samstagmittag nahm die norwegische Polizei einen zweiten mutmaßlichen Täter fest. Der Mann wurde außerhalb eines Hotels geschnappt, in dem sich Ministerpräsident Jens Stoltenberg aufhielt.

sua/news.de/dapd

Leserkommentare (20) Jetzt Artikel kommentieren
  • Heimkehrer
  • Kommentar 20
  • 01.08.2011 09:57

Wahre Statistik. 9% Ausländer,ca 7 Millionen "fressen" ca 18% von gesamten Sozialprodukt auf, wenn die Zahl sich verdoppelt, dann werden 36% aufgefressen. Frage,für wem arbeiten wir Heimische, für wem sind wir mit so hohe Steuer belastet, für was, wofür brauchen wir diese Millionen Ausländer, die zu uns von alle Löcher hereinkriechen? Nur für unsere Kapitalisten, die Provit und große Gewine sich anschaffen. Die Reiche werden reicher,die Arme- armer, dieser Unrechtstaat geht zu Pleite und wir Deutsche werden aussterben. Das ist die heutige Politik, die tausende weitere Breiviker wird anschaffen

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  • Wikipedia gibt ihm Recht
  • Kommentar 19
  • 27.07.2011 13:16

Wikipedia schreibt: Nach klassischem islamischem Recht wird öffentlich verkündeter Abfall vom Islam mit dem Tode bestraft, wenn die Aufforderung zur Rückkehr (istitāba) in den Islam nicht befolgt wird. In Teilen der islamischen Welt ist die Todesstrafe für den Abfall vom Islam nach wie vor vorgesehen!!! Genau dieses hat Anders Behring Breivik auf die christliche Religion übertragen

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  • hpklimbim
  • Kommentar 18
  • 26.07.2011 06:59

K16 u. K17. Man glaubt förmlich, die Menge des genossenen Alkohols der Schreiberlinge riechen zu können. Seit wann heißt denn Trauern und Mitfühlen gleich den Verstand abgeben? Das hätten wohl Sie und Ihresgleichen gerne. Zudem man mittlerweile weiß, dass über dem Gedankengut des Täters genau so gut Ho Tchi Minh oder Che Guevara hätte stehen können.

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