Anschläge in Norwegen Polizei nimmt zweiten Mann fest

Bei den Anschlägen in Norwegen sind mindestens 76 Menschen ums Leben gekommen. Nachdem die Polizei zunächst einen 32-jährigen Norweger gestellt hatte, wurde nun ein zweiter Mann festgenommen. Ob er etwas mit den Anschlägen zu tun hatte, ist bisher unklar.

Ein als Polizist verkleideter Norweger hat in einem Jugendlager auf der norwegischen Insel Utøya mindestens 68 Menschen erschossen. Erst Stunden nach der Tat wurde der Polizei das volle Ausmaß des Blutbades klar. Zuvor war am Freitagnachmittag im Regierungsviertel von Oslo eine Bombe explodiert, die sieben Menschen tötete.
 

Die Polizei vermutet, dass ein 32-jähriger Norweger für beide Anschläge verantwortlich ist. Er soll im Internet rechte und islamfeindliche Ansichten vertreten haben. Ob der Mann allein gehandelt habe oder Teil einer Gruppe sei, sei noch Gegenstand der Ermittlungen, sagte der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg in einer Pressekonferenz am Samstagmorgen.

Die Polizei durchsuchte in der Nacht die Wohnung des Tatverdächtigen, den norwegische Medien als Andreas Behring B. identifizierten. Der Fernsehsender NRK und andere Medien zeigten Bilder eines blonden, blauäugigen Mannes. Er scheine keine Verbindung zu internationalen Terrororganisationen zu haben, sagte ein Polizeibeamter. «Es scheint das Werk eines Verrückten zu sein.»

Inzwischen wurde bekannt, dass die Polizei einen weiteren Mann festgenommen hat. Ob er etwas mit den Anschlägen zu tun hat, ist bisher unklar. Kriposprecher Einar Aas sagte der Online-Ausgabe der Zeitung Verdens Gang: «Wir haben mehrere übereinstimmende Zeugenaussagen, wonach es einen zweiten Täter geben soll. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, das aufzuklären.»

Anschläge in Norwegen
Massenmord auf der Ferieninsel
Anders Behring Breivik vor Gericht (Foto) Zur Fotostrecke

Nach den Medienangaben erklärten die Zeugen, dass der mögliche zweite Täter nicht wie der am Freitag nach dem Massaker Festgenommene eine Polizeiuniform getragen habe. Weitere Einzelheiten wurden nicht genannt. In ihren bisherigen Erklärungen war die Polizei von einem Einzeltäter ausgegangen.

Das Motiv für die Tat blieb zunächst völlig im Dunkeln, allerdings standen beide Anschlagsorte in Verbindung mit der linksgerichteten Arbeiterpartei. Der Bombenanschlag hatte sich in der Nähe des Sitzes der sozialdemokratischen Regierung ereignet. Ministerpräsident Stoltenberg hätte am Samstag eine Rede in dem Lager der Parteijugend auf der norwegischen Insel Utøya halten sollen, in dem sich die Schießerei ereignete. Der festgenommene Mann war vor dem Bombenanschlag auch in Oslo gesehen worden.

Der festgenommene 32-jährige Norweger gilt für die Osloer Polizei als Täter beider Anschläge vom Freitag. Das sagte Fahndungschef Øystein Mæland bei der Pressekonferenz im Polizeihauptquartier. Er wollte aber keine Einzelheiten über den Ablauf, mögliche Hintergründe und die bisherigen Aussagen des mutmaßlichen Täters nennen. Eine Kooperation des Mannes mit der Polizei scheint wahrscheinlich: «Es deutet einiges darauf hin, dass er sich erklären wird», sagte Mæland weiter. Die Angaben des Mannes über sich selbst deuteten auf einen «christlich-fundamentalistischen» Standpunkt hin. Er sei bisher nicht im Blickfeld der Polizei gewesen.

Schon über 90 Tote

Die Polizei hatte nach den Schüssen auf Utøya zunächst nur von zehn Toten berichtet, über Nacht mussten die Opferzahlen drastisch nach oben korrigiert werden. Es habe lange gedauert, die Insel abzusuchen, sagte Polizeichef Øystein Mæland. Die Zahl der Opfer könne noch weiter steigen, viele seien schwer verwundet. Mindestens ein nicht explodierter Sprengsatz wurde auf der Insel gefunden.

Die 15-jährige Teilnehmerin Elise sagte, sie habe Schüsse gehört und gedacht, sie sei sicher, als sie einen Polizisten gesehen habe. Dieser habe die Jugendlichen aber zum Näherkommen aufgefordert und dann vor ihren Augen begonnen, sie zu erschießen. Einige der Opfer hätten versucht, sich tot zu stellen, der Täter habe aber viele nach einem ersten Schuss noch einmal in den Kopf geschossen, sagte die 21-jährige Dana Berzingi. Fernsehaufnahmen zeigten Bilder eines Einsatzkommandos, das mit Booten auf der Insel ankam, Überlebende sprangen ins Wasser und versuchten sich in Sicherheit zu bringen.

Anschlag in Norwegen
Bilder der Zerstörung
Video: dapd

Bei dem Bombenanschlag in Oslo wurden zusätzlich zu den sieben Toten auch mindestens neun oder zehn Menschen schwer verletzt. Die meisten Fenster des Gebäudes, in dem Ministerpräsident Stoltenberg und seine Regierung arbeiten, wurden zerstört. Der Regierungschef hielt sich zum Zeitpunkt des Anschlages nicht in dem Gebäude auf. Auch die Büros einiger norwegischen Zeitungen wurden beschädigt.

Bedrohungslevel wird nicht angehoben

Der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg hat am Samstag nicht ausgeschlossen, dass das Bedrohungslevel noch angehoben wird. Bei einer Pressekonferenz zusammen mit Justizminister Knut Storberget in Oslo, die vom Fernsehsender n-tv übertragen wurde, erklärte er, das Militär arbeite eng mit der Polizei zusammen. Das Regierungsgebäude sei derzeit außer Betrieb, man treffe sich an einem anderen Ort.

Nachdem die Einwohner Oslos am Vortag aufgefordert worden waren, in ihren Häusern zu bleiben, werde man diese Aufforderung nach und nach lockern. Stoltenberg und Storberget warnten vor Spekulationen und erklärten, die Ermittlungsergebnisse der Polizei seien abzuwarten. Man solle die Polizei ihre Arbeit tun lassen. Die Regierung werde sich nun mit Angehörigen der Opfer treffen.

Norwegen zeichne sich durch Toleranz aus, die auch nach dem Massaker unbedingt beizubehalten sei, sagte Stoltenberg. Hinsichtlich des mutmaßlichen rechtsextremistischen Hintergrunds eines festgenommen Verdächtigen erklärte er, es habe bislang keine derartigen Probleme mit Rechtsextremen gegeben.

sua/news.de/dapd/dpa

Leserkommentare (12) Jetzt Artikel kommentieren
  • loddel
  • Kommentar 12
  • 24.07.2011 17:26
Antwort auf Kommentar 7

Da keine Kausalität zwischen dem Attentat und L. besteht, ausser das beide dafür Verantwortliche Idioten sind, ist Dein K. Unsinn.

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  • Olaf
  • Kommentar 11
  • 24.07.2011 12:06
Antwort auf Kommentar 10

Der Krieg gegen das 3. Reich war ein gerechter Krieg. Die verbrecherischen Militäreinsätze (Panama 1989, Kosovo 1999, Irak 2003) sind Staatsterrorismus. Mit viel mehr Toten. Das tolerieren Sie? Die fehlende Ächtung der Gewalt durch die Staaten ist ein Umstand, der auf Einzeltäter wirkt und solche Terroranschläge begünstigt. Die Justiz, auch unsere verurteilt Straftaten im Krieg, statt das Verbrechen des Krieges. Was sind die Taten im Abu-Ghuraib-Gefängnis gegen die 100 T Toten dieses Krieges?

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  • Schabernac
  • Kommentar 10
  • 24.07.2011 04:11

Zu Kommentar7 Wir können uns auch tief im Hühnerstall verstecken und es wie die 3 Affen halten.Der geistlose Kommentar von Olaf tut sein Übriges dazu. Es wird leider immer wieder vergessen,dass es noch sehr viele Terrorregime und Terroristen weltweit auf unserem Globus gibt die die Menschenrechte ignorieren. Vergessen wird auch von vielen Geschichts-Alzheimern wie Olaf wer uns vom Hitler Terror befreit hat,dass man auch wie Olaf solch einen Müll äußern kann.Etwas Nachhilfe in Geschichte täte solchen Drei-Affen sehr gut. Nur eine Wehrhafte Demokratie schützt uns vor Affen und Terror!!!!

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