Kannibalenbuch Grausames vom Menschenfresser

Kannibale von Rotenburg (Foto)
Armin Meiwes wird im Knast zum Literaten. Der Kannibale von Rotenburg hat Kurzprosa hinter Gittern verfasst. Bild: dapd

Jan GrundmannVon news.de-Redakteur
Schlachtphantasien des Kannibalen von Rotenburg: Armin Meiwes hat im Knast mehrere Kurzgeschichten verfasst. Statt einer Hochzeit besteht das Happy End allerdings stets darin, einen Menschen zu verspeisen - damit der Geliebte für immer bleibt.

Armin Meiwes ist als Kannibale von Rotenburg in die Verbrechensgeschichte eingegangen, nachdem er im Frühjahr 2001 einen Computeringenieur auf dessen Wunsch hin schlachtete und aß. 20 Kilo Menschenfleisch soll er verzehrt haben. Im Gefängnis, verurteilt zu lebenslanger Haft,  hatte er mehrere kannibalistische Kurzgeschichten verfasst, die die österreichische Kriminologin und Pädagogin Petra Klages in ihrem Buch Serienmord und Kannibalismus in Deutschland veröffentlicht hat. Darin will Armin Meiwes nach eigener Aussage die Tat aufarbeiten und mit dem Thema abschließen.

In der ersten Kurzgeschichte ist die Erde nach diversen Umweltkatastrophen unbewohnbar, die wenigen, die überlebt haben, hungern. Deshalb werden nun Menschen geklont, um die Kopien anschließend schlachten und den Fleischhunger der Menschheit damit decken zu können. Meiwes beschreibt nun die Geschichte einer Kopie, die sich zum menschlichen Verzehr zur Verfügung stellt.

Kannibalismus
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Der Fleischbeschauer segnet darin zunächst die Ware ab. «Auch, wenn mein Blut noch untersucht werden muss, meint der Beschauer, ich sei von sehr guter Qualität und werde über 35 Kilo bestes Fleisch ergeben», lässt Meiwes die Figur sagen. Im Schlachthof erhalten die Kopien schließlich ihre letzte Mahlzeit. Nun folgen Passagen, deren Wortwahl eher an die Zubereitung eines Sonntagsbratens erinnert - nur handelt es sich in diesem Fall um einen jungen Menschen.

Meiwes eigene Einsamkeit wird durch Verspeisung überwunden

Oft genug sind die Schlachtphantasien widerlich, Ekel erregend, abstoßend. Ob ein geklonter Mensch, ein Callboy oder ein Mitglied einer Gruppe junger Erwachsener, das in den Bergen ums Leben kommt: Die Kurzgeschichten von Meiwes drehen sich stets um den Fetisch von jungen, muskulösen Männern, die ohne soziale Bindung sind.

Sein eigener Vater verließ die Familie, als Meiwes sieben Jahre jung war. Der Verlust des Vaters und das daraus resultierende Gefühl der Einsamkeit würden daher eine tragende Rolle für den Kannibalen spielen, analysiert Autorin und Kriminologin Klages. In den Kurzgeschichten geschehe «die Überwindung dieser inneren Isolation prinzipiell im Erleben und Empfinden des Verzehrs von einem Menschen, der dieses ausdrücklich verlangt und wünscht», schreibt sie.

Denn die jungen, einsamen Menschen sterben, um anschließend gegessen zu werden. Laut der Autorin Klages sind es «fast romantisch und verklärt wirkende Geschichten, deren unübliches Happy End allerdings aus der Verspeisung eines Menschen statt aus einer Hochzeit besteht». Das Ergebnis sei jedoch ähnlich: Der geliebte Mensch bleibe für immer, zwei Körper würden durch das Verspeisen miteinander verschmelzen.

Kannibale wohnte als Kind Tierschlachtungen bei

Neben dem Verlust des Vaters komme die Störung der sexuellen Präferenz hinzu, so hatten die Gerichte argumentiert. Klages präzisiert diesen Umstand durch den Briefverkehr, den sie mit Meiwes in seiner Haft hatte. Zudem hätte Meiwes zu früh Tierschlachtungen beigewohnt. Und in der Pubertät hätte die Verbindung von Schlachtereignissen und sich entwickelnder Sexualität zur gestörten Sexualpräferenz geführt, sagt die Expertin.

Was aus dem Kannibalen werden wird? Demnächst soll er in eine sozialtherapeutische Anstalt verlegt werden. Im Dezember wird er seinen 50. Geburtstag feiern - hinter Gittern. «Ich brauche dringend eine Therapie, da ich alleine nicht davon loskomme», schreibt Armin Meiwes.

Autor: Petra Klages
Titel: Serienmord und Kannibalismus in Deutschland
Verlag: Stocker Verlag
Preis: 19,90 Euro

beu/news.de

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