Nährwertangaben Zum Einkaufen bitte die Brille mitnehmen!

Das Europäische Parlament hat entschieden: Hersteller müssen Nährwertangaben auf der Verpackung abdrucken. Doch Verbraucherschützern ist das nicht genug: Die Schrift sei klein, die Lebensmittelindustrie könne weiter mogeln, kritisieren sie.

Lebensmittel (Foto)
Der Organisation Foodwatch ist die momentane Kennzeichnung von Lebensmitteln nicht genug. Bild: dapd

«Fitness» steht in großen Buchstaben auf der Müsliverpackung. Ein gutes Gefühl für den Frühstückstisch wird damit verkauft. Doch wer sich die Mühe macht, den Karton einmal herumzudrehen, der sieht: Zucker und Fett. Fitness sieht anders aus. 

Deshalb fordern Verbraucherschützer schon seit langem eine Lebensmittelampel, die anzeigt, wie gesund das Essen ist. Doch die Politik lehnte sie ab. Nun soll es trotzdem eine Kennzeichnungspflicht gebe, in Form einer Tabelle. Kein roter Punkt, der sagt: ungesund. Sondern Zahlen, die den genauen Nährwert angeben. Bis 2014 sollen die Angaben auf den Lebensmittelverpackungen stehen, hat das Europäische Parlament beschlossen.

«Das ist aber nicht genug», sagt Christiane Groß von der Organisation Foodwatch. «Die nackten Zahlen sagen den Menschen nichts.» Die meisten Menschen wissen zwar, wie viele Kalorien gesund sind - doch bei den Angaben zu Zucker, Salz und Fett sieht das anders aus. Sie plädiert für die zusätzliche Ampel, die die Angaben vereinfacht - und verdeutlicht.

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Nur ein Zentimeter für die Nährwerttabelle

Denn Umfragen haben gezeigt, dass der Verbraucher genau wissen möchte, was er isst, sagt die Sprecherin: «Aber die Tabellen können nicht helfen.» Zumal sie zu klein sind. Bei einer Verpackung von acht mal zehn Zentimetern reicht eine Tabellengröße von 0,9 Zentimetern, die Buchstaben sind dann rund 0,12 Zentimeter groß.

«Das ist zu klein», sagt Christiane Groß. «Aber die Industrie hat sich sich durchgesetzt.» Wer die Tabelle genau lesen möchte, muss sie auf der Verpackung suchen - und dann seine Brille herausholen.

Foodwatch findet es bedenklich, merkt sie an, dass die Lebensmittelhersteller sich so gegen die Kennzeichnung wehren: «Wer klare Angaben über sein Produkt vermeiden möchte, lässt tief blicken.» Müslis können so weiterhin als gesund verkauft werden, obwohl sie wahre Zuckerbomben sind. Die Milch-Schnitte wird als «kleine Zwischenmahlzeit» verkauft, obwohl sie mehr Kalorien als ein Stück Torte hat.

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Video: rzf/news.de/

Die GDA-Kennzeichnung schadet sogar

Auch die GDA-Kennzeichnung, eine freiwillige Angabe auf der Vorderseite, wie viel Nährstoffe in einer Portion stecken würden, helfe nicht. Denn die angegebenen Portionsgrößen sind Sache der Hersteller, die zugunsten einer niedrigen Kalorienzahl eine Portion auch mal auf 30 Gramm absenken. Satt wird davon niemand - aber gut sieht es aus. «Die GDA-Kennzeichnung schadet sogar, weil die Hersteller ihre Produkte damit durch unrealistisch kleine Portionen besser dastehen lassen können, als es der Realität entspricht», sagt Christiane Groß.

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jag/news.de

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