Von news.de-Redakteur Jan Grundmann - 01.07.2011, 09.14 Uhr

Tiere im Zoo: Die Legende von der artgerechten Haltung

Deutsche Zoos verbauen Millionen und versprechen ein würdevolles Gehege. Doch artgerecht kann Gefangenschaft nie sein, sagen Tierschützer. Elefanten bekommen Fußverletzungen, Raubkatzen drehen durch. Zoos verweisen dagegen auf ihren Beitrag zum Artenschutz.

Ein Oran-Utan-Baby übt in einem Käfig des Frankfurter Zoos das Klettern: Die Tierparks versprechen artgerechte Haltung in neuen Großgehegen. Doch Tierschützer sind da skeptisch.   Bild: dpa

«Das Gondwanaland ist gigantisch.» Der britische Zooexperte Anthony Sheridan ist begeistert von der neuen Tropenhalle im Leipziger Zoo, die jetzt eröffnet wird. Mit fast 70 Millionen Euro Kosten ist es die größte Einzelinvestition, die ein deutscher Zoo jemals getätigt hat.

Die Halle folge einem Trend, der seit der Jahrtausendwende Einzug in deutschen Zoos hält, so Sheridan. Das dominante Gestaltungsmuster sei der «Geozoo», also geografisch organisierte Tierlandschaften. «Tiere, die in Afrika beheimatet sind, werden eben auch gemeinsam in einem speziellen Teil des Zoos gezeigt», erklärt der 70-jährige Sheridan, der bereits Tierparks in 21 EU-Länder untersucht hat und die Ergebnisse jetzt in seinem Buch Das A und O im Zoo veröffentlicht hat.

FOTOS: Zoo-Gigantomanie Teures Disneyland der Tiere

Gemischte Tiere, untergebracht in großen Gehegen, in natürlicherer Umgebung mit Wasser und Steinen: «Die Besucher erwarten das, die Standards gehen klar nach oben», sagt Sheridan. Die Tiere hätten es schöner, es gebe mehr Interaktion zwischen ihnen, es sei geräumiger. «Früher haben ein, zwei Tiere allein gelebt. Jetzt leben sie in Herden, gemeinsam mit anderen Arten in einer Anlage.»

Zootiere zeigen durch «stereotypes Verhalten» psychisches Leid an

Ob sich allerdings Lebensfreude, Alter und Nachwuchs damit automatisch einstellen, ob ein größeres, natürlicheres Gehege gleichbedeutend ist mit artgerechter Haltung, bezweifeln Tierschützer. «Für einzelne Tiere kann es vielleicht ein Gewinn sein. Ein Tiger ist sicherlich zufriedener, wenn er 500 statt 50 Quadratmeter hat», sagt Zooexperte Bernd Hoffmann von der Tierschutzorganisation Was news.de-Redakteurin Mandy Hannemann zur artgerechten Haltung in Zoos zu sagen hat, sehen Sie hier.

FOTOS: Zoo Leipzig Willkommen in Gondwanaland

beu/news.de

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