EHEC: «Vielleicht ist es ja doch Terrorismus»

EHEC auf dem Wochenmarkt: Wo Wissenschaft und Politik versagen, rĂ€tseln Kunden erfolgreich ĂŒber den Auslöser des gefĂ€hrlichen Darmbakteriums. Das Schlimmste: Der Wahnsinn hat System und steckt vielleicht auch im tĂ€glichen Brötchen.

Manuela Perdomo verkauft Obst und GemĂŒse auf dem Leipziger Wochenmarkt: 15 Gurken hat sie beim letzten Mal verkauft, «das ist eigentlich ein Witz». Bild: news.de

Die Menschenschlange vor der Kasse ist lang. 14 Menschen stehen um den GemĂŒsestand auf dem Leipziger Wochenmarkt. Der Stand ist einer von zweien, an denen ausschließlich Bio-Produkte verkauft werden. Die Kunden wĂŒhlen in den Körben, packen Kartoffeln in die eine TĂŒte, Gurken und Tomaten in die andere. Im Vergleich zu den etwa 20 anderen Obst- und GemĂŒseverkĂ€ufern auf dem Platz haben die Bio-HĂ€ndler nur kleine StĂ€nde. Trotzdem locken sie die meisten KĂ€ufer. Bio zieht, wieder einmal.

Die Angst isst mit

Anne ist VerkĂ€uferin an einem der beiden StĂ€nde und weiß: «In 14 Tagen ist das wieder vorbei.» Sie ist 57 Jahre alt und erinnert sich noch gut an den BSE-Skandal, der Anfang 2001 aufkam. «Damals war das Ă€hnlich: Erst wurden die Leute verrĂŒckt gemacht und ein paar Wochen spĂ€ter eine neue Sau durchs Dorf getrieben», sagt sie wĂŒtend. Was Skandale wie diese vor allem zeigen, ist «die unglaubliche Macht der Medien», findet die VerkĂ€uferin.

FOTOS: EHEC Erreger ist auf dem Vormarsch

Auch Manuela ist VerkĂ€uferin an einem Obst- und GemĂŒsestand. An einem, der seine Waren von ĂŒberall aus der Welt bezieht. Von Bio also weit und breit keine Spur. Als eine Kundin fragt «Sind die Gurken behandelt?», sagt sie «Die sind aus Deutschland.» Mit dieser Art der Antwort könnte Manuela auch in die Politik gehen. Denn eigentlich will sie sagen, dass die Gurken nicht aus Spanien stammen. Bis vor ein paar Tagen standen diese noch unter Verdacht, TrĂ€ger des gefĂ€hrlichen EHECEscherichia (E.) coli-Bakterien, die Toxine (Gifte) bilden. -Bakterienstamms zu sein.

Mittlerweile - die Zahl der Toten liegt bei 22 - haben Untersuchungen zwar ergeben, dass spanische Gurken mit EHEC belastet sind, aber nicht mit dem Stamm, der die Infektion ausgelöst hat. Seit Ende der vergangenen Woche gelten Bohnensprossen als Ursprung der Infektion. Ein Biohof bei Uelzen (Niedersachsen) stand fĂŒr einen Tag sogar unter Generalverdacht. Erste Untersuchungsergebnisse konnten jedoch nicht bestĂ€tigen, dass es sich bei den Bohnensprossen um EHEC-TrĂ€ger handelt. Auf dem Leipziger Wochenmarkt wird derweil weiter wild spekuliert.

Terror mit System: EHEC in Brötchen?

Eine Kundin schiebt der Industrie den schwarzen Peter zu. «Da steckt doch System dahinter», sagt sie und mutmaßt weiter: «Die raten doch nur deshalb davon ab, bestimmte Sachen zu essen, damit sie die in ein paar Wochen teurer verkaufen können als vorher». Seit April zieht der unsichtbare Feind durch Deutschland. Ende Mai warnte das Robert-Koch-Institut vor dem Verzehr von Blattsalat, Tomaten und Gurken. Seitdem sind nur wenige Tage vergangen und trotzdem spĂŒren die GemĂŒsehĂ€ndler die ZurĂŒckhaltung der Kunden beim Kauf vom sonst so gesunden GemĂŒse. «Die Menschen sind total verunsichert», erzĂ€hlt VerkĂ€uferin Manuela. Hat sie vor dem EHEC-Wahn noch 69 Cent pro Gurke verlangen können, bekommen die Kunden mittlerweile fĂŒr nur einen Euro gleich drei. Und trotzdem greifen nur wenige zu.

Das Prospekt eines nahegelegenen Supermarkts wirbt damit, Gurken fĂŒr 33 Cent das StĂŒck zu verkaufen. Im Supermarkt selbst liegen keine Gurken aus, nirgends. Wie ein Mitarbeiter erklĂ€rt, mussten 16 mit Gurken gefĂŒllte Körbe anfangs der Woche vernichtet werden. Die GeschĂ€ftsfĂŒhrung wollte es so: Schon in der Vorwoche hatte sich gezeigt, dass die Kunden keine Gurken mehr kaufen - egal aus welchem Land sie stammen. Am Ende waren die Gurken schlecht. In dieser Woche wollte man sie gar nicht erst so lang aufbewahren.

Ein paar Gurken verkauft GemĂŒsehĂ€ndlerin Manuela dann doch noch. Eine Kundin nimmt gleich zwei und sagt selbstbewusst: «Ich mach mich wegen EHEC nicht so heiß.» Doch Manuela weiß, dass nur wenige ihrer Kunden so denken. Und dabei versteht sie den ganzen Rummel nicht: «Vielleicht erfahren wir nĂ€chste Woche, dass es die Brötchen sind. Was dann?», fragt sie entsetzt. Besonders Ă€rgert sie, dass sich die Leute so verrĂŒckt machen lassen und den HĂ€ndlern nicht mehr vertrauen. Ein anderer Kunde hĂ€lt zu ihr. Der 40-JĂ€hrige isst weiterhin alles, macht es aber vorher grĂŒndlich sauber. Eigentlich dĂŒrfe man heutzutage gar nichts mehr essen, immer sei irgendwas. Was den EHEC-Auslöser angeht, hat er eine eigene Idee: «Vielleicht ist es ja doch Terrorismus.»

bjm/news.de

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9 Kommentare
  • Hans Christian Berchtold

    15.06.2011 12:43

    VerkÀuferin Manuela verurteilt in dem Artikel, dass man dem HÀndler nicht mehr glaubt. HÀndler wollen verkaufen. Davon leben sie. Aber - aber warum glaubt man den HÀndlern nicht mehr? Einige schwarze Schafe, eigentlich zu viele davon, haben in der Vergangenheit gelogen und betrogen.U.a. Bio Dazu kommt, dass in der EU keine Einigkeit in punkto Pestizide, Fungizide und Àhnliches herrscht. Spanien z.B. Auf den Erdbeeren Coktails mit Giftstoffen. Sie sind die prominentesten Giftmischer. Was anderswo noch verspritzt wird, ist nicht bekannt. Ein einig Europa ist da noch Lichtjahre entfernt.

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  • xantippe

    09.06.2011 13:15

    Ein Vorschlag: Wir alle essen 4 Wochen gar nichts mehr dann ist der Erreger sicher verschwunden!!

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  • Richard der Große

    08.06.2011 19:17

    EHEC hin und Ehec her hier wird wieder nur Panik gemacht um NICHTS ! Dies beweist auch der EU-Kommisar, denn erst kritisiert er das Krisenmanagement, wenig spĂ€ter lobt er es. Was denn nun ? Lob oder Kritik ? Mir scheint die EU hat das ganze inszeniert um die Preise fĂŒr GemĂŒse wieder saftig erhöhen zu können. Oder ist der Kommisar gar schon infiziert und sein Gehirn (wenn solches vorhanden) setzt schon aus. Dann weg mit Ihm und der gesamten hirnlosen EU !!

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